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Vorwort: Internationale Stummfilmtage 2003 |
Vom 7. bis 17. August findet das 19. Bonner Sommerkino statt, das seit 1995 als Stummfilmfestival konzipiert ist. Die »Internationalen Stummfilmtage« - so der 'Untertitel' des Bonner Sommerkinos - sind Deutschlands größtes Open Air Stummfilmfestival mit überregionaler Ausstrahlung. Wir zeigen Stummfilmklassiker aus der ganzen Welt. Die Filmkopien werden von internationalen Stummfilmarchiven zur Verfügung gestellt. Als Forum für restaurierte Stummfilme mit adäquater Präsentation lockt das Sommerkino längst auch Besucher aus dem Ausland nach Bonn.
International ist das Bonner Sommerkino dieses Jahr noch in einem
weiteren Sinne: Es wird in München und Zürich gastieren. Ein Teil des
Programms wird nach dem Abspiel in Bonn vom
Filmmuseum München und vom
Filmpodium Zürich
übernommen. Die Kooperation ist auf Dauer hin angelegt, um die
Veranstaltung durch Impulse von außen zu bereichern und einem größeren
Publikum den ungeheuren Reichtum des frühen Kinos nahe zu bringen.
Denn Stummfilme sind keineswegs nur primitive Vorläufer des Tonfilms. Es sind vielmehr Werke, die die Möglichkeiten der Bildersprache und Montage mit einer Unverbrauchtheit und in einer Vielfalt erkunden, die auch heute noch beeindrucken. Um sie genießen zu können, braucht man weder filmhistorisch spezialisiert zu sein noch einem Geheimbund anzugehören. Ist der erste »Schock« über die Abwesenheit jener ununterbrochenen Dialoge, die später oft über das Fehlen bildlicher Qualitäten hinweghelfen mußten, einmal überwunden, wirken viele dieser Filme frisch wie am ersten Tag.
Die Gründe für die häufig anzutreffende Skepsis gegenüber Stummfilmen liegen unter anderem in der lange Zeit üblichen Aufführungspraxis: Vorbei sind zum Glück die Zeiten, in denen Stummfilme auf Tonfilmprojektoren gezeigt wurden, deren Geschwindigkeit nicht regelbar war, so daß die Bilder viel zu schnell liefen und der falsche Eindruck aufkommen konnte, diese Filme seien technisch primitiv. Auch die Praxis, die stummen Meisterwerke in den Tempeln der Filmkunst in ahistorischer Stille andächtig zu zelebrieren, hat bestimmt zur Schwellenangst beigetragen. Und die Qualität der zur Vorführung gelangenden Kopien war oft zweifelhaft, was z. T. irrige Meinungen über die Ästhetik dieser Filme aufkommen ließ. So hielt man harte Schwarzweiß-Kontraste für eine gewollte Besonderheit des deutschen expressionistischen Films, wo doch Grautöne und Colorierung nur bei den sukzessiven Kopiervorgängen verlorengegangen waren.
In Bonn dagegen sehen Sie teils berühmte, teils neu entdeckte Stummfilme in qualitativ guten, oftmals frisch restaurierten Kopien. Die Filme werden begleitet von erfahrenen Stummfilmpianisten, die weltweit zu den Besten ihres Fachs gehören. Daß die Vorführung auch hinsichtlich des exakten Bildformats und der richtigen Laufgeschwindigkeit gepflegt wird, ist da schon selbstverständlich. Die konsequente, fachkundige und liebevolle Pflege dieser Tradition hat sich gelohnt. Das Publikum strömt in Scharen herbei und läßt sich auch von schlechtem Wetter nicht abhalten.
Highlights der diesjährigen Internationalen Stummfilmtage sind Paul Lenis Horrorklassiker SPUK IM SCHLOSS und E.A. Duponts Nachtclub-Drama NACHTWELT, die in neu restaurierten Kopien zu sehen sind, ebenso wie der frisch restaurierte Historienfilm DAS WUNDER DER WÖLFE, der nach seiner Premiere im
Institut Lumière in Lyon in Bonn und Zürich aufgeführt wird. Des weiteren möchten wir Ihnen DIE NEUEN HERREN, DER SCHREI AUS DEM TUNNEL, DER EINFACHE WEG und KINDER SIND EIN SEGEN... als bisher kaum bekannte Raritäten des frühen Kinos ans Herz legen.
Unser Dank für die gute Zusammenarbeit richtet sich an Martin Girod, Co-Leiter des Filmpodiums Zürich, und an Stefan Drößler, Leiter des Filmmuseums München, der das Bonner Sommerkino mitbegründet hat und auch heute noch für die Filmauswahl verantwortlich ist.
Wir danken herzlich dem Kulturamt der
Stadt Bonn
und seinem Leiter Dr. Krapf sowie der Bonner Politik für ihre
Unterstützung. Wir freuen uns sehr über das uns entgegengebrachte
Vertrauen, wofür die Aufnahme des Bonner Sommerkinos in die
institutionelle Förderung der Stadt Bonn ein Zeugnis ist. Von nun an
müssen wir nicht mehr jährlich um diese maßgebliche Förderung des
Sommerkinos bangen, das seit langem einen Höhepunkt des Bonner Sommers
darstellt. Danken möchten wir auch der
Filmstiftung NRW
und ihrem Leiter Michael Schmid-Osbach. Nach der Umstrukturierung der
Filmstiftung und der Integration des Filmbüros NW, eines langjährigen
Förderers des Bonner Sommerkinos, setzt sie die Zusammenarbeit mit uns
fort. Auch dieses Jahr ist der Eintritt zum Sommerkino im Arkadenhof
frei. Deshalb bitten wir Sie, Getränke nur vor Ort zu erwerben und die
Vorstellung anschließend durch eine Spende zu honorieren. Wir wünschen
Ihnen unterhaltsame und unvergeßliche Abende.
Sigrid Limprecht, Förderverein Filmkultur Bonn