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Internationale Stummfilmtage 2006
Ein Rückblick von Mark Heinold

Programm: Bonn Druckversion des Programms Festival-Archiv

Elf Abende lang zelebrierte Deutschlands größtes Stummfilm Open-Air Festival die visuelle Kraft des frühen Kinos. Im barocken Arkadenhof der Bonner Universität wurden auf einer Großleinwand und unter freiem Sternenhimmel über 20 Meisterwerke der Stummfilmzeit aufgeführt. Wie zu ihrer Entstehungszeit wurden die stummen Filme mit Live-Musik begleitet. International renommierten Musiker wie Aljoscha Zimmermann (München) und seine Tochter Sabrina Hausmann, Günter A. Buchwald (Freiburg), Joachim Bärenz (Essen), Jürgen Kurz (Berlin) und Christian Roderburg (Düsseldorf) mit seinem Schlagensemble H/F/M spielen seit Jahren für die Internationalen Stummfilmtage.

Zum ersten Mal gastierte der Pianist Gabriel Thibaudeau aus Kanada beim Bonner Stummfilmfestival. Er begleitete am Flügel ein besonderes Filmereignis: die Aufführung des Film-Serials 'Das geheimnisvolle Haus' (F 1923) von Alexander Wolkoff. An drei aufeinanderfolgenden Abenden wurde das zwölfteilige Serial mit einer Gesamtlänge von fast acht Stunden einem gebannten Publikum präsentiert. Das Serien-Epos erzählt die tragische Geschichte eines zu Unrecht verurteilten Fabrikbesitzers (Ivan Mosjoukin), der nach einer halsbrecherischer Flucht aus dem Gefängnis wieder den Kontakt zu seiner Frau und Tochter aufzubauen versucht.

Ein weiterer Höhepunkt war die musikalische Begleitung des Films 'Die Ermordung des Duc de Guise' durch die Camerata musicale der Bonner Universität. Mit Bläsern, Streichern, Flügel und Harmonium wurde die originale Orchesterpartitur aus dem Jahr 1908 von Komponist Camille Saint-Saëns live aufgeführt. Der Film konstruiert in typisch theaterhaften Tableaus das historisch verbürgte Attentat aus dem Jahr 1588.

Weniger an historische Fakten orientiert war der Eröffnungsfilm 'Der Dieb von Bagdad' mit Hollywoodstar Douglas Fairbanks in der Hauptrolle. Joachim Bärenz am Flügel und Christian Roderburg an seinen originellen Perkussionsinstrumenten lieferten den orientalisch anmutenden Klangteppich für dieses Märchen aus 1001 Nacht.

Eine angenehme Überraschung bot sich dem Bonner Publikum, als sich der aus Riga stammende Komponist Aljoscha Zimmermann kurzfristig entschloss, nicht allein sondern gemeinsam mit seiner Tochter Sabrina Hausmann den russischen Revolutionsfilm 'Das Ende von St. Petersburg zu begleiten. Eine speziell für diesen Film erarbeitete Komposition für Flügel und Violine unterstützte die visuelle Kraft des bildgewaltigen Films, der auch heute noch beeindruckt. Experimentell ging es bei der Bonner Musikergruppe 'Filmsirup' zu, die erstmals bei den Internationalen Stummfilmtagen auftrat. Mit einer ungewöhnlichen Zusammensetzung aus Cello, Flügel und elektronischen Sounds erwiesen sie dem dadaistischen 'Vormittagsspuk' von Avantgardefilmer Hans Richter eine stimmige Reverenz.

Am letzten Festivalabend ließ sich noch einmal die spannungsreiche Vielfalt des frühen Kinos erleben: Der amerikanischen Slapstick-Komödie 'Ausgerechnet Bananen' von und mit Charles Bowers stand die würdevolle Schlichtheit des japanischen Films 'Die Straße ohne Ende' von Mikio Naruse gegenüber. Günter A. Buchwald, gleichwohl Stummfilmpianist und Kenner des japanischen Films, begleitete an Violine und Flügel die anrührende Liebes- und Lebensgeschichte einer Frau aus einfachen Verhältnissen.

Das Begleitprogramm der Internationalen Stummfilmtage hielt noch einmal einen Nachschlag zur Fußball WM 2006 bereit. Nach der Aufführung von 'Die Elf Teufel' im vergangenen Jahr wurde nun der zweite Fußballfilm 'König der Mittelstürmer' präsentiert, der auf einer Doppel-DVD in der Edition Filmmuseum herausgebracht wurde. Von seinem regionalen Bezug profitierte der ungewöhnliche Film 'Vom Reiche der sechs Punkte' über einen erblindeten Stahlarbeiter. Der Film wurde in Köln, Neuwied und in der noch heute existierenden Blindenschule in Düren realisiert. Der Film galt lange Zeit als verschollen und überzeugte in seiner dokumentarisch gehaltenen Spielhandlung sowohl durch die realistische Darstellung der Ursachen und Konsequenzen von Blindheit als auch durch die Wahrhaftigkeit der Laiendarsteller.

Ein besonderer Schwerpunkt des Begleitprogarmms ist seit Jahren die Präsentation früher Tonfilme in Deutschland. Stefan Drößler, Leiter des Filmmuseums München und Kurator der Stummfilmtage, präsentierte filmhistorische Beispiele, wie man in Europa und Deutschland mit der technischen Neuerung des Tonfilms umging. So konnte man Greta Garbo, Edward G. Robinson, Buster Keaton oder auch Stan Laurel und Oliver Hardy 'deutsch' sprechen hören und sehen.

Wir möchten uns bei Ihnen, userem Publikum bedanken. Trotz des nicht immer freundlichen Wetters haben Sie wacker im Arkadenhof ausgeharrt. Dank auch an alle, die das Festival durch Spenden unterstützt haben.

Für weitere Spenden: Spendenkonto Förderverein Filmkultur bei Sparkasse Bonn (BLZ 380 500 00) Kto.-Nr.: 32 920 167 - Stichwort: Spende Sommerkino.

(Foto: Nina Mews)

















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