Internationale Stummfilmtage - 24. Bonner Sommerkino
Das Programm

Donnerstag, 14. August 2008

21.00 Uhr - Arkadenhof

HAROLD LLOYD: MÄDCHENSCHEU (GIRL SHY)

USA 1924; Regie: Fred C. Newmeyer, Sam Taylor; Drehbuch: Sam Taylor, Ted Wilde, Tim Whelan; Kamera: Walter Lundin, Henry N. Kohler; Darsteller: Harold Lloyd, Jobyna Ralston, Richard Daniels, Carlton Griffin, Mickey Daniels, Nola Dolberg, Judy King, Charles Stevenson; Produktion: Harold Lloyd Corporation; Premiere: 20.4.1924; Farbe: schwarzweiß; Länge: 2.266 Meter, 82 Minuten (24 B/s); Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Aljoscha Zimmermann (Flügel) und Sabrina Hausmann (Violine)

Was als romantische Komödie über einen verträumten Schneidergesellen beginnt, der in seiner Phantasie zum Frauenhelden wird, endet mit einer halsbrecherischen Jagd per Auto, Feuerwehr, Straßenbahn und Pferdekutsche quer durch Los Angeles. MÄDCHENSCHEU war einer der größten Erfolge Harold Lloyds, des neben Chaplin beliebtesten amerikanischen Stummfilmkomikers. Sein furioses Finale war Vorlage für die Schlußsequenz in DIE REIFEPRÜFUNG mit Dustin Hoffman, bei der Lloyd als Berater mitwirkte.

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Vorfilm: DAS HERZ DER WELT (THE HEART OF THE WORLD)

Kanada 2000; Regie: Guy Maddin; Drehbuch: Guy Maddin; Kamera: Guy Maddin, deco dawson; Darsteller: Leslie Bais, Caelum Vatnsdal, Shaun Balbar, Greg Klymkiw, Tammy Gillis, Carson Natrass; Produktion: Niv Fichman, Judy Shapiro, Jennifer Weiss; Premiere: 7.9.2000 (Toronto); Farbe: schwarzweiß; Länge: 6 Minuten (24 B/s); Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Tonspur

Es gab in den letzten Jahren viele Versuche, Stummfilme zu imitieren, doch diese zeigen in aller Regel ein erschreckendes Unverständnis: Es reicht eben nicht, einen Film in Schwarzweiß und ohne Dialoge herzustellen, um die Stummfilmästhetik zu erfassen. Guy Maddin gelingt in seinem furiosen Trailer eines fiktiven Stummfilms mit Hilfe digitaler Bildbearbeitungseffekte und der stampfenden Musik eines legendären sowjetischen Kompilationsfilms eine hypnotische Wirkung, die dem Stummfilm nahekommt.

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Freitag, 15. August 2008

21.00 Uhr - Arkadenhof

DIE SPINNEN 1: DER GOLDENE SEE

Deutschland 1919; Regie: Fritz Lang; Drehbuch: Fritz Lang; Kamera: Karl Freund, Emil Schünemann; Bauten: Otto Hunte, Karl Ludwig Kirmse, Hermann Warm, Heinrich Umlauff; Darsteller: Carl de Vogt, Ressel Orla, Lil Dagover, Georg John, Rudolf Lettinger, Thea Zander, Reiner Steiner, Friedrich Kühne, Edgar Pauly, Meinhard Maur, Paul Morgan, K.A. Römer, Paul Biensfeldt; Produktion: Decla-Film, Berlin; Premiere: 3.10.1919; Farbe: mehrfarbig viragiert; Länge: 1.657 Meter, 80 Minuten (18 B/s); Zwischentitel: tschechisch mit deutscher Übersetzung; Musikbegleitung: Aljoscha Zimmermann (Flügel) und Sabrina Hausmann (Violine)

Ein Abenteuerspektakel, in dessen Mittelpunkt der verwegene Kay Hoog, ein Vorfahre von Indiana Jones, und die Jagd nach einem unterirdischen Inka-Schatz stehen, hinter dem auch eine chinesische Geheimorganisation her ist. Eine Jagd um die Welt beginnt, gespickt mit tollkühnen Kämpfen und aufregenden Verfolgungen. Der Film, von dem nur im tschechischen Filmarchiv Material erhalten ist, wurde in jahrelanger Arbeit neu restauriert und wieder mit seinen ursprünglichen Einfärbungen versehen.

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22.30 Uhr - Arkadenhof

DIE SPINNEN 2: DAS BRILLANTENSCHIFF

Deutschland 1920; Regie: Fritz Lang; Drehbuch: Fritz Lang; Kamera: Karl Freund; Bauten: Otto Hunte, Karl Ludwig Kirmse, Hermann Warm, Heinrich Umlauff; Darsteller: Carl de Vogt, Ressel Orla, Lil Dagover, Georg John, Rudolf; Lettinger, Thea Zander, Reiner Steiner, Friedrich Kühne, Edgar Pauly, Meinhard Maur, Paul Morgan, K.A. Römer, Paul Biensfeldt; Produktion: Decla-Film, Berlin; Premiere: 6.2.1920; Farbe: mehrfarbig viragiert; Länge: 2.486 Meter, 108 Minuten (20 B/s) ; Zwischentitel: tschechisch mit deutscher Übersetzung; Musikbegleitung: Aljoscha Zimmermann (Flügel) und Sabrina Hausmann (Violine)

Der zweite Teil der SPINNEN konzentriert sich in seiner Gestaltung mehr auf Innenräume und deutet die Visionen der späteren Filme Fritz Langs, DR. MABUSE, METROPOLIS und SPIONE, bereits an: Unter dem Chinesenviertel von San Francisco, in dem die Organisation der Gegenspieler Kay Hoogs ihre Zentrale betreibt, liegt eine unterirdische Stadt, in der das Verbrechen regiert. Die Jagd nach einem diamantenen Buddha-Kopf endet auf den Falklandinseln - gefilmt in der Märkischen Heide bei Berlin.

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Samstag, 16. August 2008

21.00 Uhr - Arkadenhof

TRÄUME JEDER NACHT (YOGOTO NO YUME)

Japan 1933; Regie: Mikio Naruse; Drehbuch: Mikio Naruse, Tadao Ikeda; Kamera: Suketaro Ikai; Darsteller: Sumiko Kurishima, Teruko Kojima, Tatsuo Saito, Atsushi Arai, Mitsuko Yoshikawa, Takeshi Sakamoto, Kenji Oyama, Shigeru Ogura, Choko Iida, Ranko Sawa; Produktion: Shochiku Kinema Kenkyûjo; Premiere: 8.6.1933; Farbe: schwarzweiß; Länge: 1.754 Meter, 64 Minuten (24 B/s); Zwischentitel: japanisch mit englischer Übersetzung; Musikbegleitung: Aljoscha Zimmermann (Flügel)

Eine starke Frau steht im Mittelpunkt des Films, der als der stilistisch geschlossenste Stummfilm Mikio Naruses gilt: Omitsu arbeitet als Hostess in einer Bar, um sich und ihren Sohn über Wasser zu halten. Als eines Tages ihr arbeitsloser Mann Mizuhara wieder auftaucht, akzeptiert sie ihn nur widerwillig. Naruse erzählt seine Geschichte rein visuell. Die ursprüngliche Anfangssequenz, in der Omitsu aus dem Gefängnis entlassen wird, wo sie wegen Prostitution einsaß, wurde von der Zensur geschnitten.

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22.30 Uhr - Arkadenhof

AUSGERECHNET WOLKENKRATZER (SAFETY LAST!)

USA 1923; Regie: Fred C. Newmeyer, Sam Taylor; Drehbuch: Hal Roach, Sam Taylor, Tim Whelan; Kamera: Walter Lundin; Darsteller: Harold Lloyd, Mildred Davis, Bill Strother, Noah Young, Westcott B. Clarke, Mickey Daniels, Anna Townsend, Charles Stevenson, Fred C. Newmeyer; Produktion: Hal Roach Studios; Premiere: 1.4.1923; arbe: schwarzweiß; Länge: 1.852 Meter, 73 Minuten (22 B/s) Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Joachim Bärenz (Flügel) und Christian Roderburg (Schlagzeug)

Um Karriere zu machen, geht Harold Lloyd in die Großstadt, wo er aber nur einen Job als kleiner Kaufhausangestellter findet. Als seine Braut, der er regelmäßig Briefe mit erfundenen Berichten über seinen beruflichen Erfolg schreibt, zu Besuch kommt, muß er sich einiges einfallen lassen. AUSGERECHNET WOLKENKRATZER ist Lloyds berühmtester Film: Das Bild, das ihn am Zeiger einer Hochhausuhr zeigt, ist in die Filmgeschichte eingegangen. Der Film besticht durch perfektes Timing und eine Fülle visueller Gags.

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Sonntag, 17. August 2008

15.00 Uhr - Rheinisches LandesMuseum Bonn

PORTRÄT: MAX NEUFELD - Vortrag mit Filmbeispielen von Nikolaus Wostry

Die Veranstaltungen im Rheinischen Landesmuseum sind kostenpflichtig. Sie können für diese Veranstaltung online Karten reservieren.

Max Neufeld, der 1904 als Schauspieler im Theater debütierte, dann zum Film wechselte und zwischen 1919 und 1957 mehr als 60 Filme als Regisseur gedreht hat, ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Das Filmarchiv Austria hat viele seiner Stummfilme restauriert, ihm eine Retrospektive gewidmet und ein Buch über ihn herausgebracht, so daß wir heute einen Regisseur mit persönlicher Handschrift wiederentdecken können. Nikolaus Wostry stellt den Regisseur, seine Filme und ihre Restaurierung vor.

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17.00 Uhr - Rheinisches LandesMuseum Bonn

FILM MUSIC IMPROVISATION - Vortrag mit Film- und Musikbeispielen von Neil Brand (in englischer Sprache)

Die Veranstaltungen im Rheinischen Landesmuseum sind kostenpflichtig. Sie können für diese Veranstaltung online Karten reservieren.

Die musikalische Begleitung ist entscheidend für die Wirkung eines Stummfilms. Da nur in seltenen Fällen originale Noten erhalten sind, muß jeder heutige Musiker eine neue Begleitung finden, mit der er die Filme - indem er z.B. Spannungsbögen unterstreicht und Figuren charakterisiert - dem Publikum näher bringt. In seinem Vortrag gewährt Neil Brand Einblicke in seine Arbeitsweise und führt anhand eines Beispiels mit Live-Kommentierung vor, wie er seine Musik aus dem Moment heraus entwickelt.

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21.00 Uhr - Arkadenhof

DAS FEST DES HEILIGEN JÜRGEN (PRASDNIK SWJATOGO JORGENA)

UdSSR 1930; Regie: Jakow Protasanow; Drehbuch: Jakow Protasanow, nach Motiven des gleichnamigen Romans von Harald Bergstedt; Kamera: Pjotr Jermolow; Bauten: Sergej Koslowski, Wladimir Baljusek; Darsteller: Anatoli Ktorow, Igor Iljinski, Mikhail Klimow, Maria Strelkowa, Igor Arkadin, Anatoli Gorjunow, Wladimir Uralski, N. Wassilijewa, Feofan Schipulinski; Produktion: Meshrabpomfilm, Moskau; Premiere: 25.8.1930; Farbe: schwarzweiß; Länge: 2.322 Meter, 102 Minuten (20 B/s); Zwischentitel: russisch mit deutscher Übersetzung; Musikbegleitung: Joachim Bärenz (Flügel)

Eine böse Satire auf die Geschäfte mit Religion und Heiligen, die von Vertretern der Kirche betrieben werden. Zwei Gauner brechen aus dem Gefängnis aus und mischen sich auf der Flucht vor der Polizei unter die Menschenmassen, die zu einem Wallfahrtsort pilgern. Der Komiker des russischen Stummfilms Iljinski brilliert in einer Paraderolle. Der Regisseur Jakow Protasanow schuf einige der populärsten Filme des sowjetischen Stummfilmkinos - zu denen auch DAS FEST DES HEILIGEN JÜRGEN zählt.

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Vorfilm: DAS LEBEN UND LEIDEN JESU (LA VIE ET LA PASSION DE JÉSUS CHRIST)

Frankreich 1898; Regie: Georges Hatot, Louis Lumière; Kamera: Alexandre Promio; Darsteller: Bretteau; Produktion: Lumière; Premiere: Anfang 1898; Farbe: schwarzweiß; Länge: 196 Meter, 11 Minuten (16 B/s); Zwischentitel: keine; Musikbegleitung: Joachim Bärenz (Flügel)

Ein früher, für seine Zeit ungewöhnlich langer und aufwendig gestalteter Jesus-Film aus der Produktion der Gebrüder Lumière. In 13 Tableaus, die von der Geburt Jesu bis zu seiner Auferstehung reichen, agieren die Schauspieler vor gemalten Kulissen, deren Begrenzungen im Bild deutlich zu sehen sind. Ursprünglich wurden die jeweils nur eine Minute langen Bilder als Einzelfilme vorgeführt, so daß der Film, der Auftakt unzähliger Jesus-Filme, auch als Vorform der späteren Form des Serials gesehen werden kann.

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Montag, 18. August 2008

21.00 Uhr - Arkadenhof

DIE GROSSE PARADE (THE BIG PARADE)

USA 1925; Regie: King Vidor; Drehbuch: Laurence Stallings, Harry Behn; Kamera: John Arnold; Darsteller: John Gilbert, Renée Adorée, Hobart Bosworth, Claire McDowell, Claire Adams, Robert Ober, Tom O'Brien, Karl Dane, Rosita Marstini; Produktion: Metro-Goldwyn-Mayer Corporation; Premiere: 5.11.1925 (Grauman's Egyptian Theatre, Hollywood); Farbe: schwarzweiß mit viragierten und kolorierten Sequenzen; Länge: 3.423 Meter, 149 Minuten (20 B/s); Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Neil Brand (Flügel)

Einer der erfolgreichsten Stummfilme liegt nun wieder in der neu rekonstruierten Premierenfassung mit eingefärbten Sequenzen vor. Die Geschichte eines Sohnes aus gutem Hause, der 1917 in den Krieg nach Frankreich zieht, ist auch heute noch ein ungemein fesselndes Erlebnis. King Vidor, der sich von Kriegsveteranen beraten ließ, gelang es wie nur wenigen Filmemachern nach ihm, das Kriegsgeschehen ohne Beschönigung erfahrbar zu machen und mit anrührenden menschlichen Schicksalen zu verbinden.

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Dienstag, 19. August 2008

21.00 Uhr - Arkadenhof

CHICAGO

USA 1927; Regie: Frank Urson; Drehbuch: Leonore Coffee, nach dem Theaterstück von Maurine Dallas Watkins; Kamera: Peverell Marley; Ausstattung: J.M. [Mitchell] Leisen; Darsteller: Phyllis Haver, Victor Varconi, Eugene Pallette, Virginia Bradford, Clarence Burton, Warner Richmond, T. Roy Barnes, Sidney D'Albrook, Otto Lederer, May Robson, Julia Faye; Produktion: DeMille Pictures Corporation; Premiere: 26.3.1928; Farbe: schwarzweiß; Länge: 2.952 Meter, 117 Minuten (22 B/s); Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Neil Brand (Flügel) und Günter A. Buchwald (Violine)

Die erste Verfilmung jenes Stoffes, der als Musical 2002 mit Catherine Zeta-Jones, Renée Zellweger und Richard Gere neuverfilmt wurde, ist eine unterhaltsame Komödie über amerikanisches Gerichtswesen, Sensationsjournalismus und Showbusineß. Roxie Hart erschießt einen Mann. Überrascht von dem einsetzenden Presserummel lernt sie, den Mordfall geschickt zu nutzen, um auf die Titelseiten der Boulevardpresse zu gelangen. Mit Hilfe eines gerissenen Anwalts versucht sie, vor Gericht einen Freispruch zu erwirken.

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Vorfilm: SMOKEY RAUCHT (SMOKEY SMOKES)

USA 1920; Regie: Gregory LaCava; Drehbuch: Thomas A. 'Tad' Dorgan (Comic); Animationen: Gregory La Cava; Produktion: J. R. Bray Studios; Premiere: 6.6.1920; Farbe: schwarzweiß; Länge:111 Meter, 6 Minuten (16 B/s); Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Neil Brand (Flügel)

Gregory La Cava zeichnete Comic strips, bevor er 1916 in die Trickfilmproduktion einstieg und in den 20er Jahren zur Spielfilmregie wechselte. Als Regisseur von Hollywoodkomödien wurde er in den 30er Jahren berühmt, während seine frühen Zeichentrickfilme heute weitgehend vergessen sind. SMOKEY RAUCHT handelt von einem Hund, dem der Arzt das Rauchen verbietet. Verzweifelt läuft er durch die Stadt, landet bei einem Chinesen mit Opium-Pfeife - und verliert sich in wilden Wahnvorstellungen.

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Mittwoch, 20. August 2008

21.00 Uhr - Arkadenhof

DER TROLL-ELCH (TROLL-ELGEN)

Norwegen 1927; Regie: Walter Fyrst; Drehbuch: Alf Rød, nach zwei Geschichten von Mikkjel Fønhus; Kamera: Ragnar Westfelt; Darsteller: Tryggve Larssen, Bengt Djurberg, Julie Lampe, Tove Tellback, Harald Stormoen, Einar Tveito, Egil Hjorth-Jenssen, Mimi Kihle, Hauk Aabel, Nils Ahrén; Produktion: Fyrst-Film; Produzent: Helge Lunde; Premiere: 26.12.1927 (Oslo); Farbe: mehrfarbig viragiert; Länge: 2.020 Meter, 98 Minuten (18 B/s); Zwischentitel: norwegisch mit deutscher Übersetzung; Musikbegleitung: Günter A. Buchwald (Flügel und Violine)

Das skandinavische Kino hat in der Stummfilmzeit weltweite Achtung erfahren wegen seiner eindrucksvollen Einbeziehung der Natur in Geschichten von menschlicher Dramatik. Der Troll-Elch soll, einer alten Legende zufolge, die Inkarnation eines toten Menschen sein. Hans darf die schöne Ingrid, Tochter eines reichen Bauern, erst heiraten, wenn er den Geister-Elch getötet hat. Als Hans des Mordes an seinem Rivalen Gunnar beschuldigt wird, muß er in die Stadt fliehen und dort auf dem Jahrmarkt arbeiten.

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Vorfilm: DER EINWANDERER (THE IMMIGRANT)

USA 1917; Regie: Charles Chaplin; Drehbuch: Charles Chaplin, Vincent Bryan, Maverick Terrell; Kamera: Roland Totheroh; Darsteller: Charles Chaplin, Edna Purviance, Eric Campbell, Albert Austin, Henry Bergman, Kitty Bradbury, Frank J. Coleman, William Gillespie, Tom Harrington, James T. Kelley, John Rand, Tiny Sandford, Janet Miller Sully, Loyal Underwood, Tom Wilson; Produktion: Lone Star Corporation; Premiere: 17.6.1917; Farbe: schwarzweiß; Länge: 617 Meter, 30 Minuten (18 B/s); Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Günter A. Buchwald (Flügel und Violine)

Einer der besten Kurzfilme von und mit Charlie Chaplin, der seine Komödie vor einem sehr realistischen Hintergrund entwickelt: Auf einem Schiff aus Europa landet der Tramp in Amerika, wo sich sein amerikanischer Traum jedoch nicht so recht zu erfüllen scheint. Mittellos versucht er in einem Lokal sowohl das Mädchen für sich zu gewinnen als auch eine warme Mahlzeit zu ergattern. Neben raffinierten und virtuosen Gags enthält der Film scharfe Kritik an sozialen Mißständen in den USA.

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Donnerstag, 21. August 2008

21.00 Uhr - Arkadenhof

VON MORGENS BIS MITTERNACHTS

Deutschland 1920; Regie: Karlheinz Martin; Drehbuch: Karlheinz Martin, Herbert Juttke nach dem Theaterstück von Georg Kaiser; Kamera: Carl Hoffmann; Bildentwurf und Figuren: Robert Neppach; Darsteller: Ernst Deutsch, Erna Morena, Hans Heinrich von Twardowski, Eberhard Wrede, Adolf Edgar Licho, Hugo Döblin, Frieda Richard, Lotte Stein, Roma Bahn, Lo Heym; Produktion: Ilag-Film Berlin; Farbe: schwarzweiß; Länge: 1.325 Meter, 73 Minuten (16 B/s); Zwischentitel: deutsch; Musikbegleitung: SchlagEnsemble H/F/M

Einer der wenigen reinen expressionistischen Filme, mit verzerrten Kulissen, harten Kontrasten und stilisiertem Spiel der Darsteller. Erzählt wird die Geschichte vom Kassierer einer Bank, der Geld stiehlt, um sich in die Vergnügungen der Großstadt zu stürzen. Der Film kam seinerzeit nicht in die deutschen Kinos, sondern erlebte seine Uraufführung in Japan, wo sich die einzige Kopie erhalten hat. Die in der originalen Grafik rekonstruierten Zwischentitel wurden vom Filmmuseum München in den Film eingefügt.

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Vorfilm: DIE WUNDERUHR (L'HORLOGE MAGIQUE)

Frankreich 1928; Regie: Ladislas Starewitch; Drehbuch: Ladislas Starewitch; Kamera: Ladislas Starewitch; Puppen und Animation: Ladislas Starewitch, Irène Starewitch; Kostüme: Anna Starewitch; Darsteller: Nina Star (= Starewitch), Bob Zoubowitch; Produktion: Les Films Louis Nalpas; Premiere: 8.9.1928 (Berlin),19.12.1928 (Paris); Farbe: mehrfarbig viragiert und getönt; Länge: 910 Meter, 33 Minuten (24 B/s); Zwischentitel: französisch mit deutscher Übersetzung; Musikbegleitung: Günter A. Buchwald (Flügel und Violine)

Der aus Rußland emigrierte Ladislas Starewitch schuf phantastische Puppentrickfilme, in denen er unterschiedlichste Animationstechniken anwandte und oft seine Tochter Nina mitspielen ließ. DIE WUNDERUHR ist sein Meisterwerk, in dem er verschiedene Geschichten mit einer Rahmenhandlung verband. Der neu restaurierte, wie im Original eingefärbte und getönte Film besteht aus zwei Teilen: DIE GESCHICHTE VOM MÄDCHEN, DAS PRINZESSIN WERDEN WOLLTE und DER VERZAUBERTE WALD.

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Freitag, 22. August 2008

21.00 Uhr - Arkadenhof

DER GELIEBTE SEINER FRAU

Österreich 1928; Regie: Max Neufeld; Drehbuch: Fritz Zoreff, Siegfried Bernfeld, Max Neufeld; Kamera: Viktor Gluck; Bauten: Franz Meschkan, Hans Ledersteger; Darsteller: Dina Gralla, Claire Lotto, Alphons Fryland, Oskar Beregi, Richard Waldemar, Otto Schmöle, Viktor Franz, Cornelius Kirschner; Produktion: Hugo-Engel- Film GmbH, Wien; Premiere: 28.3.1928 (Berlin, Marmorhaus), 14.9.1928 (Wien); Farbe: schwarzweiß; Länge: 1.756 Meter, 64 Minuten (24B/s); Zwischentitel: serbokroatisch mit deutscher Übersetzung; Musikbegleitung: Maud Nelissen

Eine vergnügliche Verwechslungskomödie aus dem Wien der 20er Jahre: Ein Graf soll eine ihm unbekannte Fabrikantentochter heiraten. Da er sich auf dem Standesamt verspätet, platzt die Hochzeit. Daß die Braut durch eine Verwechslung in einem Appartement Unterschlupf findet, in dem auch der Graf wohnt, führt zu turbulenten Szenen. Mit einem Esprit, der an Ernst Lubitsch anknüpft, und vielen originellen visuellen Einfällen entstand einer der komischsten Filme des österreichischen Regisseurs Max Neufeld.

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22.30 Uhr - Arkadenhof

DIE FEUERPROBE (VEM DÖMER; zeitgenössischer deutscher Verleihtitel: BEATRIX - EIN SPIEL VON LIEBE, HASS UND TOD)

Schweden 1922; Regie: Victor Sjöström; Drehbuch: Victor Sjöström, Hjalmar BergmanKamera: Julius JaenzonBauten: Axel Esbensen, Alexander Bakó; Darsteller: Jenny Hasselquist, Ivan Hedqvist, Tore Svennberg, Gösta Ekman, Knut Lindroth, Waldemar Wohlström, Nils Asther, Paul Seeling, Nils Lundell, Tyra Dörum, Bror Berger, Lars Egge, Edvin Adolphson, Nils Jacobsson, Olof Ås, Torsten Bergström, Edvin Adolphson, Julia Cæsar, Emil Fjellström, Artur Rolén; Produktion: Svensk Filmindustri; Premiere: 1.1.1922; Farbe: schwarzweiß; Länge: 1.787 Meter, 89 Min. (18 B/s); Zwischentitel: schwedisch mit deutscher Übersetzung; Musikbegleitung: Joachim Bärenz (Flügel)

Der vorletzte Film Sjöströms vor seinem Gang nach Hollywood erzählt eine düstere Geschichte aus dem Mittelalter: Ursula darf nicht den Mann heiraten, den sie liebt, sondern muß eine Ehe mit einem deutlich älteren Bildhauer eingehen. Sie entwickelt den Plan, ihren Ehemann zu vergiften. Mit prächtigen Dekors, einer ausgefeilten Lichtsetzung und beeindruckender Kameraarbeit setzt Sjöström sein Drama um Schuld, Sühne und Vergebung um, das mit sparsamen Zwischentiteln rein visuell erzählt wird.

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Samstag, 23. August 2008

21.00 Uhr - Arkadenhof

DER GEHEIME KURIER

Deutschland 1928; Regie: Gennaro Righelli; Drehbuch: Curt J. Braun, Walter Jonas nach dem Roman "Le Rouge et le noir" ("Rot und Schwarz") von Stendhal; Kamera: Friedrich Weinmann; Darsteller: Iwan Mosjukin, Lil Dagover, José Davert, Jean Dax, Agnes Petersen, Félix de Pomés, Hubert von Meyerinck, Dillo Lombardi, Valeria Blanka; Produktion: Greenbaum Film, Berlin / Terra-Film, Berlin; Premiere: 25.10.1928 (Berlin); Farbe: mehrfarbig viragiert; Länge: 1.790 Meter, 65 Minuten (24 B/s); Zwischentitel: französisch mit deutscher Übersetzung; Musikbegleitung: Joachim Bärenz (Flügel)

Mosjukin war unbestrittener Star aufwendiger Produktionen wie CASANOVA oder DER KURIER DES ZAREN. In Righellis sehr freier Adaption von Stendhals Roman "Rot und Schwarz" spielt er den Provinzler Julien Sorel, der 1830 nach Paris kommt, um dort Karriere zu machen und die Tochter eines Marquis zu heiraten. Seine Vergangenheit holt ihn jedoch ein. Der Ausstattungsfilm hat sich nur in einer gekürzten französischen Fassung erhalten, die ein sehr modern anmutendes, rasches Erzähltempo aufweist.

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22.30 Uhr - Arkadenhof

DAS WUNSCHKIND (THE FIRST BORN)

GB 1928; Regie: Miles Mander; Drehbuch: Miles Mander, Alma Reville, nach Manders Theaterstück "Common People" und seinem Roman "Oasis"; Kamera: Walter Blakeley; Ausstattung: Wilfred Arnold; Darsteller: Madeleine Carroll, Miles Mander, John Loder, Margot Armand, Ella Atherton, Ivo Dawson, Margaret Roach, John St. John, Naomi Jacob, Bernard Vaughan, Walter Wichelow, Beryl Egerton, Theodore Mander; Produktion: Mander Production Syndicate für Gainsborough Pictures; Premiere: Oktober 1928; Farbe: schwarzweiß; Länge: 2.114 Meter, 84 Minuten (22 B/s); Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Stephen Horne (Flügel)

Alma Reville, die Ehefrau und engste Mitarbeiterin von Alfred Hitchcock, begann ihre Karriere als Cutterin und Drehbuchautorin. Das Drehbuch zu dem spannenden Ehedrama DAS WUNSCHKIND schrieb sie zusammen mit Miles Mander, einem populären englischen Schauspieler, der auch die männliche Hauptrolle spielt und Regie führt. Es geht um eine Ehefrau, die ihren Mann liebt, obwohl er sie dauernd betrügt. Als er sie verläßt, schmiedet sie den Plan, ihn mit einem Wunschkind zurückzuholen.

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Sonntag, 24. August 2008

15.00 Uhr - Rheinisches LandesMuseum Bonn

PORTRÄT: WALTER RUTTMANN - Vortrag mit Filmbeispielen von Stefan Drößler

Die Veranstaltungen im Rheinischen Landesmuseum sind kostenpflichtig. Sie können für diese Veranstaltung online Karten reservieren.

Der Maler und Grafiker Walter Ruttmann entdeckte den Film 1920 und schuf die ersten abstrakten Zeichentrickfilme der Welt. Populär waren seine phantasievollen Werbefilme, die heute weitgehend vergessen sind. Als der Tonfilm aufkam, experimentierte Ruttmann sofort mit dem neuen Medium, stellte einen "Tonfilm ohne Bild" her und den Vorläufer des Musikvideos. Das Filmmuseum München bereitet eine DVD mit den Werken von Ruttmann vor, über deren Restaurierungen Stefan Drößler sprechen wird.

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17.00 Uhr - Rheinisches LandesMuseum Bonn

BERLIN. DIE SINFONIE DER GROSSSTADT

Deutschland 1927; Regie: Walter Ruttmann; Drehbuch: Karl Freund, Carl Mayer, Walter Ruttmann; Kamera: Robert Baberske, Reimar Kuntze, Lázsló Schäffer, Karl Freund; Bauten: Erich Kettelhut; Schnitt: Walter Ruttmann; Produktion: Deutsche Vereins-Film, Les Productions Fox Europa; Premiere: 23.09.1927 (Berlin, Tauentzien-Palast); Farbe: schwarzweiß; Länge: 65 Minuten; Musik: Edmund Meisel (Orchestereinspielung)

Die Veranstaltungen im Rheinischen Landesmuseum sind kostenpflichtig. Sie können für diese Veranstaltung online Karten reservieren.

Mit versteckter Kamera filmte Ruttmann in den Straßen von Berlin, um die Aufnahmen zum Tagesablauf einer Großstadt zu montieren. Edmund Meisel schrieb dazu eine legendäre Filmmusik, von der sich nur ein Klavierauszug erhalten hat. Im Herbst 2007 wurde die rekonstruierte Musik erstmals wieder in der Originalbesetzung mit 75 Musikern aufgeführt. Der Film wurde umkopiert und vom Filmmuseum München digital überarbeitet. Zur Aufführung gelangt diese neue Fassung in einer digitalen Projektion.

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Berlin. Die Sinfonie der Grosstadt

Fabrikat: Fox Europa-Produktion
Verleih: Deutsche Vereins-Film
Manuskript: Nach einer Idee von Carl Mayer
Regie: Walther Ruttmann
Photographie: Kuntze, Baberske, Schäffer
Länge: 1466 Meter, 5 Akte
Uraufführung: Tauentzien-Palast

Ein einzigartiger, ein erregender, ein überwältigender Film! Eine ganz große Leistung! Möglich freilich nur durch die Erfindung der Hypersensibilisierung des Negativs durch Kuntze-Safra, deren Verdienst der geschwätzige Vorspann nicht genügend unterstreicht. Um die Schaffung dieser 1466 Filmmeter bemühten sich Carl Mayer, Carl Freund, Reimar Kuntze, Robert Baberske, Laszlo Schäffer und Walter Ruttmann, welch letzter als Leiter des Ganzen anzusehen ist. Kommt noch Edmund Meisel hinzu, dessen Musik den Film begleitet, sie ist im Rhythmus exakt, in der Lautnachahmung geschickt gegliedert, aber an vielen Stellen phantasielos, trocken und ohne Humor. Berlin wird hier mit den Augen eines Reisenden gesehen, den der erwachende Morgen im Schnellzuge - Richtung Berlin - durch die Vorstädte zum Anhalter Bahnhof bringt. Jetzt trifft ihn der dämmernde Tag in den stillen Straßen, die sich, je heller es wird, mit Menschen füllen, Menschen, die zur Arbeit in Fabriken eilen und mit Ringbahn, Autobus, Untergrund-, Straßenbahn und Auto ihr Ziel zu erreichen suchen. Die Bilder sind unvergleichlich, der Rhythmus der Maschinen hämmert in wildem Takt. Und je weiter der Tag fortschreitet, desto lebendiger wird die Stadt. Es erwacht der Westen, es kommt der Mittag mit der hastigen Rast und der gehetzt eingenommenen Mahlzeit, die, etwas billige Symbolik, auch im Zoo eingehalten wird. Dann bricht der Abend über Berlin herein, Werkstatt und Büro schließen, die Rückwanderung der Massen beginnt. Die Lichter der Vergnügungsstätten flammen auf. Und im Varieté, Kino, im Spielklub versinkt der Tag Berlins, der im Feuerwerk des Luna-Parks verpufft.

Berlin, wie es ein Reisender sieht. Berlin, auf ein amerikanisch-literarisches Tempo gestellt - zu wenig erscheint vom Leben der großen Menge. Man spielt, was Herrn Ruttmann gesagt sei, mehr Skat als Roulette in dieser Stadt. Man sieht am Abend müde Menschen. Im Film fehlen sie.

Aber was der Film an Bildern bringt, ist so unerhört, so neuartig, so packend gesehen, daß kleine, kritische Einwände ohne Bedeutung für den Gesamteindruck bleiben. Nie vorher sah man das Problem der Maschine auf ähnlich phantastische Art gemeistert und symbolisch gesteigert. Ruttmann verschmilzt Mensch und Stadt. Er beschäftigt keine Schauspieler, er kennt nicht einmal Gesichter. Er gibt von dem Menschen die Gebärde, die Figur, das Tempo. Er ist sachlich und nüchtern. Aber gerade deshalb bezaubert der Film. Eine Meisterleistung.

(Quelle: Kinematograph 21. Jg., Nr.1075, 25.9.1927)

Neue Photomontagen für "Berlin"

Die Fox-Europa-Produktion hat Hans Sinogli für die Herstellung neuartiger Photomontagen für den Fox-Europa-Film: "Berlin. Die Sinfonie der Großstadt" verpflichtet. Sinogli wird aus den unzähligen Photos des Films zwanzig Tableaus komponieren, die den Eindruck Berlin aus verschiedenen Perspektiven darstellen werden. Die Uraufführung des absolut neuartigen Films der Fox wird in Kürze erfolgen. Die Originalmusik schrieb Edmund Meisel.

(Quelle: Lichtbildbühne, 20.Jg., Nr. 131, 2.6.1927)

Wie schreibt man Filmmusik? Von Edmund Meisel.

(...) Eine sehr interessante Aufgabe gab mir meine nächste Arbeit in dem Film "Berlin, die Sinfonie einer Großstadt", die ein Konglomerat sämtlicher Geräusche einer Weltstadt werden wird. In idealer Weise gehen hier zum ersten Male von vornherein Film und Musik Hand in Hand, entsteht ein Werk in gemeinsamer Arbeit von Regisseur und Komponist. Ich beabsichtige damit eine Sinfonie unserer Hauptstadt zu schaffen, die auch - losgelöst vom Film - im Konzertsaal aufgeführt werden soll, und zwar schreibe ich sie im Rhythmus unserer Epoche unter Anwendung ganz neuer Mittel und Instrumente.

(Quelle: Das Kino-Orchester, Nr.12, 4.6.1927)

Das "größte grundsätzlich wichtige Filmereignis seit Jahren." Außenberg-Fox startet Ruttmanns Berlin-Film.

H.F. Berlin, 24. September

Lang erwartet, ist "Berlin, die Sinfonie der Großstadt", der Film Walther Ruttmanns, gestern im Tauentzienpalast herausgebracht worden. Eingeweihte wissen, was Generaldirektor Julius Außenberg, Leiter der deutschen Fox-Filmgesellschaft, für diesen Film getan hat, der ein Programm und ein Bekenntnis zur Kunst von morgen ist.

Immer wieder, und mit Recht, ist von den Produzenten gefordert worden, Experimente zu machen, neue Wege zu gehen, anstatt auf ständig ausgetretenem reine Geschäftserfolge zu erzielen.

Julius Außenberg, von dem Grundsatze ausgehend, daß Kapital verpflichtet, hat das Wagnis unternommen, dem Film von morgen den Weg zu bereiten. Ueber das Künstlerische des Films wird noch viel zu reden sein. Man verließ den Tauentzienpalast, indem man darüber disputierte, was in diesem Film fehle, worin seine Wirkungen beruhen und wo die Schwächen lägen. Man wird noch lange darüber reden.

Eine neue Perspektive der Filmkunst ward aufgetan, der erste Schritt zur Ueberwindung einer jahrelangen Stagnation ist überwunden. Ein Block steht da, noch nicht so ausgehauen, vollendet, wie man - hinterher - festzustellen in der Lage ist.

Mögen andere kommen, um es besser zu machen. Den Beginn machten Walther Ruttmann und Edmund Meisel unter der Produktionsleitung Julius Außenbergs. Aller Anfang ist wertvoll.

Für das, dem großen Drama traditionsgemäß folgende Satyrspiel, sorgt die Behörde. Im Gegensatz zu dem Kulturwillen der von amerikanischem Gelde finanzierten deutschen Foxgesellschaft steht die Engstirnigkeit einer deutschen Behörde, die sich, wieder einmal und höchst überflüssigerweise, allgemeiner Lächerlichkeit aussetzt.

Man hat an der Filmproduktion der letzten Jahre gemäkelt und gekrittelt. Man hat, nicht zuletzt an dieser Stelle, auf die kulturellen Verpflichtungen des Films hingewiesen. Und hat behördlicherseits stets dem [!] Kintopp fühlen lassen, daß er von der Kunst immer noch weit entfernt sei. Endlich einmal wird der Gegenbeweis angetreten. Es finden sich Leute, die Geld geben, Leute, die Männern von Format die Chance geben, sich künstlerisch auszuleben. Was aber tut die Behörde? Sie stoppt von sich aus die Herstellung kulturell wertvoller Filme, indem sie einen Film wie "Berlin" für nicht kontingentberechtigt erklärt.

Nicht genug, daß man dem Kino Steuern über Steuern auferlegt, die eine Befreiung von der althergebrachten Schablone ungeheuer erschweren und immer wieder auf das sichere Geschäft verweisen. Eine deutsche Behörde, bureaukratisch bis zu dem Punkt, wo der Kritik an solchem Verhalten die parlamentaren Formen zu mangeln beginnen, drängt die Filmindustrie gewaltsam auf den alten Weg zurück.

(...)

Die kulturelle Weiterentwicklung des Films ist, wie jede Evolution, nur in langwieriger Arbeit, mühsam, Schritt für Schritt möglich. Der Film als Kunstgattung wird und muß sich durchsetzen. Auch gegen die Kulturreaktion des amtlichen Deutschland.

Dr. Hans Feld

(Quelle: Film-Kurier, 9.Jg., Nr.226, 24.9.1927 [1. Seite, Aufmacher])

Berlin, die Symphonie der Großstadt. (Tauentzienpalast.)

I.

Voran gingen kurze Kintoppfilme, etwa zwanzig Jahre alt. Mit dem damals üblichen Erklärer. "Von Stufe zu Stufe"; "Mutter, dein Kind ruft!"; "Pariser Modeschau"; "Pikantes mit Damenunterhosen und Badekostümen". Um das Jahr 1910. Das Publikum quietschte vor Freude.

Ein Hauptspaß - aber ein böser Spaß. Ein plebejischer Spaß. Das Hohngelächter über das Gestern; das Triumphgelächter: wie herrlich weit wir's gebracht haben ...

Und ein gefährlicher Spaß.

Morgen - in zwanzig Jahren - wird man über den Film "Berlin, die Symphonie einer Großstadt" [!], noch mehr lachen. Man wird es noch viel weiter gebracht haben. Der pompöse Titel wird sehr belustigend wirken. "Das Menuett einer Kleinstadt" - wird irgendein Filmkritiker in zwanzig Jahren ironisch sagen.

Und doch: in einer Uebergangszeit der Filmentwicklung, in der wir leben, bedeutet dieser Film einen entschlossenen Versuch zu dem, was in zwanzig Jahren weniger als selbstverständlich sein wird. Und das bedeutet sehr, sehr viel.

Nichts Deprimierendes steckt in dieser Vorstellung des Gelächters nach zwanzig Jahren. Freilich, in den Dingen des Geistes und der Ethik gibt es keinen Fortschritt. Aber wohl einen in den Dingen der Aesthetik. Die Frauen werden schöner; die Maschinen werden besser; das Leben wird voller, man mag sagen was man will: voller und gewissermaßen lebendiger.

Deshalb wollen wir uns gern verlachen lassen; und mitlachen, so Gott uns das Leben schenkt und wir dann noch lachen können.

II

Hier ist endlich mal etwas geschehen; und nehmen wir nur das Primitivste von all' dem, was hier geschehen ist, so ist's schon lobenswert: der entschlossene Bruch mit dem Spielfilm, mit dem Schauspieler- und Schauspielregisseurfilm. Das resolute, kouragierte Sich-Stellen auf die eigentlich filmischen Prinzipien: Bildfolge, Bildlänge, Bildeinstellung, Prinzip des Vorübergleitens (statt der falschen Geometrie des Dramas) -: organisch begründet im Vorübergleiten des Filmstreifens am Zuschauer. Doch hier ist freilich auch schon die erste Gefahr, der dieser Film nicht ganz entgangen ist: die Gefahr der subjektiven Willkür, des bildmusikalischen Impressionismus. Der Hochmut des Schöpfers, das Unkonstruktive, Unprinzipielle; die Ueberspannung des Aberglaubens vom schöpferischen Chaos, die später dann in Exzentrik oder leere Verfeinerung mündet; und von der wir fühlen, daß sie in unsere Zeit nicht mehr ganz gehört.

Sicherlich: der Spielfilm ist eine schiefe, erborgte Sache. Aber er hat doch den Sinn einer fingierten Hilfskonstruktion. Er stellt Forderungen, die ins Gebiet des Filmischen hinüberreichen; und gibt gleichzeitig das Material, an welchem das Maß des Filmisch-Geglückten exakt zu demonstrieren und zu messen ist. Er gibt klar umrissene filmische Aufgaben, an die sich der Filmschöpfer halten muß, und an denen sich Grad und Maß seiner filmischen Begabung unzweideutig offenbart.

In diesem Film hat sich der Filmschöpfer Ruttmann keine Aufgaben stellen lassen, sondern er hat aus dem filmischen Material frei geschöpft. Wie ist eine solche Leistung zu messen?

Offenbar daran, ob er mit vollen Händen geschöpft hat. Wir wünschen keine Uebertragung dramatisch-theatralischer Möglichkeiten auf den Film der Zukunft; aber wir wünschen auch keine Uebertragung der symphonisch-musikalischen Möglichkeiten, keinen Wagnerianismus des Films der Zukunft. Was immer kommen soll: es muß streng und organisch aus den technischen Gegebenheiten der Filmphotographie selbst wachsen. Vor jeder weitergehenden Forderung steht die Forderung: daß die Mittel dem Schöpfer restlos gefügig waren, daß er ganz frei mit allen äußersten technischen Möglichkeiten geschaltet, aus allen äußersten Verwendungsmöglichkeiten geschaffen hat. Welches sind die Möglichkeiten? Die der photographischen Einstellungen und Tricks. Zweitens: die der Bild-Antithesen. Drittens: die der großen, packenden Bild-Berichterstattung, der schlagenden, hinreißenden Lebensreportage.

Von diesen drei Forderungen ist hier vieles verwirklicht; aber man hat nicht unbedingt das zwingende Gefühl einer vollkommenen Verwirklichung. Der ganz außerordentliche Gesamteindruck ist, im höchsten Sinn, doch durch eine Art Kompromiß erreicht: in dem Ruttmann von einer Möglichkeit immer wieder zur anderen schwankt, eine durch die andere stützen läßt; in dem er schwimmt, in jenem etwas unbestimmten Fahrwasser schwimmt, das man "Filmrhythmus" nennt, und das schon wieder in ein dem Film disparates Gebiet, das der Musik, hinüberweist. Musikalisch, in einem ganz bestimmten Sinn musikalisch, ist der Film konzipiert. Aber wenn wir Filmkritiker endlich einmal Schluß damit machen wollen, verkappte Theaterkritiker zu sein, so sind wir ebensowenig bereit, verkappte Musikkritiker zu werden. (...)

III.

In seinem ausgezeichneten Programm-Aufsatz spricht Ruttmann vom "Kontrapunkt". Gerade dieses Zwingende, Mathematische, unbedingt Schlüssige der Bildfuge, des punctus contra punctum ist es, was mir in diesem außerordentlichen Experiment am meisten fehlt. Er wollte das streng homogene Werk Bachs erreichen - und er hat das verschwommene "Gesamtkunstwerk" Richard Wagners erreicht.

Trotz allem: es ist das größte, grundsätzlich wichtige Filmereignis seit vielen Jahren. Wieviel davon auf das Konto Carl Mayers, unseres einzigen Filmdichters, zu schreiben ist, kann ganz und gar nicht festgestellt werden: und das ist eigentlich das höchste Lob, das man beiden, dem Regisseur wie dem Autor, spenden kann.

Firma: Fox-Europa-Film

Produktionsleiter: Carl Freund.

Willy Haas.

(Quelle: Film-Kurier, 9.Jg., Nr.226, 24.9.1927)

Die Symphonie des "Berlin"-Films

Die Musik des "Berlin"-Films komponierte Edmund Meisel. Zum erstenmal tritt damit die Filmmusik gleichberechtigt, gleich wertvoll, neben den Film; verschmilzt mit ihm zu einem Ganzen. Nicht mehr Komposition zum Film; vielmehr musikalischer Teil des Werks. Als Form der Vertonung wählte Meisel die Symphonie, das thematische, in sich gesteigerte, mit einheitlicher Linie durchkomponierte Ganze. Dabei hatte er zweierlei Möglichkeit: er konnte, aus dem Erlebnis des Films heraus, eine Musik schaffen, musikalisches Erleben der Großstadt.

Er konnte aber auch das Wesen des Films ins Musikalische transponieren. So entstand sein Werk, im Ausdruck dem Film entsprechend. Akustisches Erleben synchronisiert dem Optischen. Eine photographierte Musik. (...)

Hans Feld.

(Quelle: Film-Kurier, 9.Jg., Nr.226, 24.9.1927)

Berlin - Die Symphonie der Großstadt

Foxfilm. Uraufführung im Tauentzienpalast

Dieser energische Vorstoß in noch unentdeckte oder zumindest sehr schwach kultivierte Gebiete des Films ist durch Entziehung der Kontingentberechtigung bestraft worden. Diesem von stärkstem filmrhythmischen Kunstgefühl getragenen Werk ist der Charakter als "Spielfilm" aberkannt worden. Dieser ungewöhnlich starken Gestaltung des chaotischen Lebens der Großstadt zu einem formvollendeten Ganzen ist, industriell gesprochen, die Aufnahme in die Klasse der geschäftlich hundertprozentigen Filme verweigert worden. Die amerikanische Foxgesellschaft darf ihn nicht zur Kontingentierung eines ihrer heimischen Filme benutzen, da er "nur" den Rang eines "Kulturfilms" hat. Also lautet die Entscheidung einer deutschen Behörde. Es ist keine Betrachtung dieses ernsthaften Kunstwerks möglich, ohne diesen Schildbürgerstreich in hellstes Schweinwerferlicht zu rücken.

Ruttmanns Film ist keine Sammlung photographischer Aufnahmen Berlins. Diese große Stadt ist als Schauplatz eines unendlich differenzierten Lebens erfühlt, eines Daseins, das sich in den tausend und aber tausend Episoden des täglichen Lebens verwirklicht und das in seiner Gesamtheit dieses berauschende, überwältigende Gefühl "Weltstadt" ergibt. Von diesem Erlebnis ist Ruttmann getragen, und dieses Gefühl zu einem mächtigen Akkord anschwellen zu lassen, ist die ästhetische Aufgabe dieses Films, der sich nicht mit Unrecht als "Symphonie" bezeichnet. Denn sein Aufbau ist durchaus kompositorisch gedacht, die Linienführung verrät die Hand des komponierenden Gestalters - Akkorde, Dämpfungen, Prestissimos, Adagios wie in der Musik. Das ist die Großstadt, wie sie ein Künstler erfühlt, eine Gestaltung aus Eisen, Blut und Licht - erfüllt von dem mächtigen Brausen des Lebens, das von diesem Film in das Parkett überspringt und es überwältigt.

Der äußere Rahmen ist das Leben der Weltstadt von morgens bis Mitternacht. Zunächst spürt man die Athmosphäre [!] der Stadt, ein Fernzug führt durch die Vororte, läßt die Nähe des Kolosses immer stärker ahnen, bewegungstechnisch unerhört geschickte Fahrtaufnahmen versinnlichen das Heranrasen an die Metropole. Der Bahnhof, Morgendämmerung, Berlin! Ganz allmählich erwacht es. Früheste Arbeiter bevölkern spärlich die Straßen. Im Creszendo wächst es an. Schlaglichter fallen auf alle Zentren des morgendlichen Lebens, Bahnhöfe, Fabriken, Straßenkreuzungen. Überall sind charakteristische Typen aufgefangen. Und wie eine Begleitmelodie, Ausschnitte aus dem privaten Leben der Großstadtmenschen, das Erwachen der Häuser, das Lebendigwerden der Wohnungen. Es wird Mittag, es wird Abend, huschend reißt das Objektiv immer wieder das Herz lebenserfüllter Situationen heraus. In alle Gegenden, in alle Bezirke, in alle Menschenklassen dringt der Photograph. Es wird Nacht, Ausschnitte aus dem dunklen Dasein Berlins, Blitzlichter über die dunkelste Peripherie. Bis die Nacht mit ruhigem Sternenschleier dieses unvergleichlich brausende Leben sacht überdeckt.

Aber diese photographischen Aufnahmen Berlins sind nur das rohe Material der Gestalter dieses Films. Freund hat diese Aufnahmen phototechnisch durch Einstellung und Belauschung der Lichteffekte in eine Sphäre bezaubernd künstlerischer Wirkung gehoben, Ruttmann hat diese schon hoch veredelten Photographien in eine rhythmische Ordnung gebracht, sie derart miteinander kombiniert, daß sie fähig geworden sind, dem Gefühl "Weltstadt" ein wundervoller Ausdruck zu werden. Man muß im Auge behalten, daß Ruttmann als Zeichner expressionistischer Filme begann. (Vgl. das in unserem Vertrage erschienene, reich illustrierte Werk: Expressionismus und Film.) Diese nur aus farbigen geometrischen Figuren bestehenden Filme waren als reiner Ausdruck der Bewegung gedacht, alles floh und näherte sich, wuchs ineinander, bekämpfte und versöhnte sich. Es war das Gefühl einer anwachsenden und abschwellenden Bewegung, was in diesen Filmen zum Ausdruck kam, und dieser Grundsatz, daß der Film Bewegung, Dynamik darzustellen hat, trägt auch der Film "Berlin". Die einzelnen Aufnahmen sind unter dem Gesichtspunkt geordnet, welche Bewegungsgefühle sie in dem Zuschauer auslösen, bis in künstlerisch unterhört geschickter Führung schließlich das Erlebnis entsteht, sich mitten im Durcheinander einer monumental belebten Straßenkreuzung zu befinden. Ruttmann arbeitet mit außerordentlich raffinierten Mitteln, Maschinenteile, Schaufensterauslagen, charakteristische Stilleben von Luxuslokalen und Elendsgegenden sind unterbrechend eingefügt und treiben rein stimmungsmäßig die Bewegung vorwärts. Daß hier nicht ein störendes Element in Erscheinung tritt, daß hier Episode harmonisch an Episode, Bild stimmungsvoll an Bild gereiht ist, das erst prägt den Film zu dieser bedeutendsten filmischen Spiegelung, die je eine Weltstadt erfahren hat.

Ruttmann konnte diese Wirkung nur erzielen, weil ein Kameramann von dem künstlerischen Range Karl Freunds Hand in Hand mit ihm arbeitete. Die Leistung Freuds steht beispiellos in der bisherigen Geschichte der Kinematographie dar [!]. Dieser Film verzichtet auf die Hilfsmittel, die im Atelier zur Verfügung stehen. Kaum, daß ein Schauspieler das Leben auf der Straße, in der Kaschemme ein bißchen in Gang bringt. Freund hat Einstellungen gefunden, die alltägliche Gebäude und Straßenfronten, alltägliche Begegnungen und Zusammenstöße in Bilder von wahrhaft überraschender künstlerischer Kraft verwandelt. Die gebundene Kraft, die in einer Hausfront liegt, im steilen Ansteigen eines Turms, ist durch Stellungnahme von unten, von oben, durch seitliche Verschiebungen mit einem künstlerischen Auge erfühlt, wie es kaum die freie Phantasie des Malers zum Ausdruck zu bringen vermag. Die Menschen sind in einer Nähe belauscht, wie es noch kein Film vermocht hat. Erschreckt, amüsiert, verdutzt betrachtet man den Vorgang, wie sich ein Mann eine Zigarre anzündet. Er hat von seiner Aufnahme mit dem kleinen, kaum sichtbaren Pathé-Apparat nichts gewußt und läßt sich gehen. Vor diesem Film hat kein Mensch gewußt, kein Mensch darauf geachtet, welch ein groteskes, wandlungsreiches Schauspiel dieser Vorgang ist. Und dann ist Freund der klassische Meister im Erschauen einer Lichtwirkung, die Morgendämmerung der Stadt ist mit beispielloser Kunst photographisch getroffen, unerhört ist das Licht in seiner betonenden, formschaffenden, unterstreichenden und mildernden Funktion eingefangen. Die photographische Leistung dieses Films wird den Ruhm deutscher Kamerakunst durch die Welt tragen.

Carl Mayer hat schon vor Jahren den Gedanken zu diesem Film gehabt. Auf der Grundlage seiner Entwürfe ist dieses Manuskript geschaffen worden. Die kritische Betrachtung darf nicht schließen, ohne des Filmschriftstellers zu gedenken, der heut im Film die größte Nähe an dichterisches Schaffen repräsentiert. Nicht vergessen werden darf der Kameramann des Films, Reimann Kuntze, der mit hingebender Sorgfalt gearbeitet hat und durch dessen Verfahren, mit Hilfe eines hypersensibilisierten Films Aufnahmen in der Dämmerung und in der Dunkelheit zu machen, die photographischen Erfolge großer Teile dieses Films erst möglich waren. An den Aufnahmen waren ferner die Kameraleute Robert Baberske und Laszlo Schäffer beteiligt.

Der Tauentzienpalast hat die Premiere im Stil eines großen Ereignisses herausgebracht. Ein Orchester von 70 Mann ist dem Komponisten des Films, Edmund Meisel, zur Verfügung gestellt worden. Vorher lief eine historische Erinnerung aus der Biedermeierzeit des Films, zwanzig Jahre alte Stücke, die von einem "Erklärer" erläutert wurden. Auch der äußere Rahmen war des Abends würdig und trug nicht wenig dazu bei, das Publikum in eine Spannung von solcher Stärke einzufangen, wie es kaum bei einem atemberaubenden Meisterfilm der Fall ist. Ihr gebührt Dank wie er nicht minder Edmund Meisel gebührt, der Phantastisch-Großartiges geleistet hat. Doch darüber hat morgen der Fachmann das Wort.

Und dieses vollendete filmische Meisterwerk ist von einer deutschen Behörde als geschäftlich zweitrangig abgestempelt worden: wenn dieser Fehlspruch nicht schleunigst redressiert wird, dürfte es nie mehr einer amerikanischen Firma einfallen, für ihr Geld den Deutschen filmische Kulturgüter ersten Ranges zu schaffen!

Rudolf Kurtz.

(Quelle: Lichtbildbühne, 20.Jg., Nr.229, 24.9.1927)

Die Musik zum Film "Berlin" von Edmund Meisel

Mit dem Leitgedanken, einen Zeitfilm musikalisch aufzubauen, d.h. ihn zwar nicht melodisch, aber doch dynamisch den musikalischen Gesetzen zu überantworten, war dem Komponisten Edmund Meisel naturgemäß die Bahn vorgezeichnet. Er schuf auch seinerseits eine Symphonie, deren sieben Themen den Filmmotiven Grundlage und Einleidung geben. Leider verwehrte dieses filmische Grundmotiv des Ganzen dem Komponisten fast jegliche Ausspinnung der gespendeten Themen lyrischer Art. Mit diesen hätte er sich ruhig vom Film trennen können, zu dem Zweck, dem Publikum auch das menschliche Berlin zugänglich zu machen. Es mußte also bei der Übersteigerung von Schwingungen bleiben, welche diesen Film erfüllen, Schwingungen, die häufig über das Maß der Publikumspsyche hinausgehen. Das grandiose musikalische Werk des Komponisten bietet eine Fülle neuer harmonischer Gedanken, deren Form unzertrennlich ist von den melodischen Gedanken bzw. Themen. Diese Einheit gibt niemals Anlaß zu Mutmaßungen des Konstruierten, und diese Einheit läßt auch die Filmbilder in eine Harmonie zusammenfließen. Die Themen. Diese Einheit gibt niemals Anlaß [Themen-Anlaß: wiederholte Zeile, statt z.B.: Die Behandlung der Instrumente und des Orchesters kennt] gleichfalls vielerlei neue Grundlagen, so z.B. die Etablierung der Sologeige, die Placierung des Jazzensembles, die des Vierteltonklaviers abseits vom Orchester, so daß dieses die Rolle eines Begleitkörpers auch räumlich übernehmen konnte. Den Gegnern atonaler Musik war an diesem Abend hoffentlich klar geworden, daß ein guter Kontrapunktiker, wie Meisel es ist, Atonalität und bürgerliche Musik ganz gut nebeneinanderstellen kann, um der Gegenwart und der Zukunft zugunsten der Vergangenheit nicht Gewalt antun zu müssen. Der Direktion des Tauentzien-Theaters verdankt man, daß eine lange Reihe von Proben Meisels Werk in vollendeter Form entstehen ließen, und wenn auch anderswo, wenn auch in anderen Theatern Neigung bestehen wird, diese von dem Film untrennbare, weil aus ihm geborene Musik aufzuführen, dann mögen die Theaterleiter gleichfalls bemüht sein, den Kapellmeistern den zur Aufführung unumgänglich notwendigen Orchesterapparat zu geben.

P.S.

(Quelle: Lichtbildbühne, 20.Jg., Nr.230, 26.9.1927)

Wir schaffens

Dieser Film BERLIN ist eine schlimme Enttäuschung. Gewiß, er setzt sich aus Photographien zusammen, die zum Teil ausgezeichnet sind, weil sie quere Perspektiven nehmen und merkwürdige Details auf die Platte bringen. Häuser von unten, Rinnsteine, aus dem Backofen wackelnde Brote. Gewiß, er enthält geschickte Überblendungen und leitet mitunter (nicht immer) nach streng optischen Gesichtspunkten einen Gegenstand in den anderen über. Technisch einwandfrei und nicht ohne Bildphantasie: aber ist das Berlin? (...) Noch nicht einmal Berlin, wie es sich einem bescheidenen, anständigen Beobachter darstellt, ist ergriffen.

Warum nicht? Weil die Herren nicht den kleinen Ehrgeiz hatten, eine Großstadt zu zeigen, wie sie wirklich ist, sondern den ungemessenen Ehrgeiz, gleich eine "Sinfonie der Großstadt" zu komponieren. Sie sind schlechte Komponisten gewesen. Ehe sie etwas sahen, hatten sie schon Ideen, abgeleierte Literatenideen. Berlin: das ist ihnen die Stadt, in der das Tempo an sich und die Arbeit ihre Orgien feiern. Das Ludendorff-Wort: "Wir schaffens" ist ihre Devise gewesen. Hei, wie geschafft wird, wie die Bildstreifen durcheinander rasen, damit nur jeder Provinzler - und viele Berliner gehören zu dieser Sorte Provinzler - sich an der Raserei berausche (...)

(Quelle: Siegfried Kracauer, FZ vom 17.11.1927, hier zit. nach: Siegfried Kracauer: Kleine Schriften zum Film Bd. 6.1, 1921-1927, hg. v. Inka Mülder-Bach, Frankfurt/ Main 2004, S.411-413)

Walter Ruttmanns klassischer Film BERLIN illustriert ein für alle Mal die Konsequenzen einer formalistischen Einstellung. Diese "Symphonie einer Großstadt" ist besonders beunruhigend, weil sie das Zeug zu einem wirklich filmischen Dokumentarbericht hat: ihre ungekünstelten Aufnahmen von Straßen und straßenartigen Schauplätzen sind mit einem bewundernswerten Sinn für fotografische Werte und flüchtige Eindrücke ausgesucht und angeordnet. Und trotzdem erfüllt dieser Film nicht, was er verspricht. (...)

(Quelle: Siegfried Kracauer: Theorie des Films. Die Errettung der äußeren Wirklichkeit (1960), hg. v. Inka Mülder-Bach, Ffm 2005 (= ders.: Werke, hg. v. Inka Mülder-Bach u. Ingrid Belke, Bd.3), S.326 f.)

21.00 Uhr - Arkadenhof

SONG - SCHMUTZIGES GELD (SONG - SHOW LIFE)

D/GB 1929; Regie: Richard Eichberg; Drehbuch: Adolf Lantz, Helen Gosewisch, nach der Novelle "Schmutziges Geld" von Karl Vollmöller; Kamera: Heinrich Gärtner, Bruno Mondi; Darsteller: Anna May Wong, Heinrich George, Mary Kid, Hans Adalbert Schlettow, Paul Hörbiger, Julius E. Herrmann; Produktion: Eichberg Film, Berlin / British International Pictures, London; Premiere: 21.8.1928; Farbe: schwarzweiß; Länge: 2.696 Meter, 98 Minuten (24 B/s); Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Stephen Horne (Flügel)

Richard Eichberg war über ein Vierteljahrhundert einer der erfolgreichsten Regisseure des deutschsprachigen Unterhaltungskinos, der von der Kritik aber selten ernst genommen wurde. Dabei schuf er einige faszinierende Filme wie das Melodram SONG, die sich durch eindrückliche Bildgestaltung, sorgfältige Ausstattung und großartige Schauspielerleistungen auszeichnen. Er verpflichtete Hollywood-Star Anna May Wong als Malayenmädchen Song, das einem von Heinrich George gespielten Matrosen verfällt.

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Vorfilm: VERMISCHTE MELDUNGEN (FAITS DIVERS)

Frankreich 1924; Regie: Claude Autant-Lara; Drehbuch: Claude Autant-Lara; Kamera: Henri Barreyre; Darsteller: Paul Barthet, Louise Lara, Antonin Artaud; Produktion: Cinégraphic; Premiere: Dezember 1924; Farbe: schwarzweiß; Länge: 432 Meter, 19 Minuten (20 B/s); Zwischentitel: keine; Musikbegleitung: Stephen Horne (Flügel)

Ein Klassiker des französischen Avantgardefilms. Er erzählt eine Dreiecksgeschichte, die der Zeitungsrubrik "Vermischte Meldungen" entnommen sein könnte. Autant-Lara verwendet Stilmittel wie Doppel- und Dreifachbelichtungen, Schrägeinstellungen, extreme Großaufnahmen, Zeitlupe, mehrfache Wiederholungen derselben Handlung sowie Zeitsprünge. Für die Rolle von Monsieur II verpflichtete er den jungen Schriftsteller Antonin Artaud, der mit diesem Film eine Karriere als Schauspieler startete.

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Im Kino in der Brotfabrik: DER GROSSE DIKTATOR

»Chaplins erster Film, der von allen Möglichkeiten des Tons Gebrauch machte, ist eine beißende Satire auf Hitler und Nazideutschland. Chaplin spielt eine Doppelrolle als Hynkel, der Diktator von Tomania - eine brillante Karrikatur Hitlers-, und als der jüdische Friseur, der noch starke Züge des Tramps trägt.« (rororo-Filmlexikon)

Aufführungen: Fr 29.8. und Sa 30.8. um 19.00 Uhr, Brotfabrik [Reservierung]

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Die Musiker

Alle Aufführungen im Arkadenhof der Universität werden durch renommierte Stummfilmmusiker live begleitet. Lernen Sie hier die Musiker kennen, die bei den Internationalen Stummfilmtagen spielen.

Foto: Gilles Soubeyrand

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