Internationale Stummfilmtage - 24. Bonner Sommerkino
Das Programm

Donnerstag, 14. August 2008

21.00 Uhr - Arkadenhof

HAROLD LLOYD: MÄDCHENSCHEU (GIRL SHY)

USA 1924; Regie: Fred C. Newmeyer, Sam Taylor; Drehbuch: Sam Taylor, Ted Wilde, Tim Whelan; Kamera: Walter Lundin, Henry N. Kohler; Darsteller: Harold Lloyd, Jobyna Ralston, Richard Daniels, Carlton Griffin, Mickey Daniels, Nola Dolberg, Judy King, Charles Stevenson; Produktion: Harold Lloyd Corporation; Premiere: 20.4.1924; Farbe: schwarzweiß; Länge: 2.266 Meter, 82 Minuten (24 B/s); Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Aljoscha Zimmermann (Flügel) und Sabrina Hausmann (Violine)

Was als romantische Komödie über einen verträumten Schneidergesellen beginnt, der in seiner Phantasie zum Frauenhelden wird, endet mit einer halsbrecherischen Jagd per Auto, Feuerwehr, Straßenbahn und Pferdekutsche quer durch Los Angeles. MÄDCHENSCHEU war einer der größten Erfolge Harold Lloyds, des neben Chaplin beliebtesten amerikanischen Stummfilmkomikers. Sein furioses Finale war Vorlage für die Schlußsequenz in DIE REIFEPRÜFUNG mit Dustin Hoffman, bei der Lloyd als Berater mitwirkte.

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Vorfilm: DAS HERZ DER WELT (THE HEART OF THE WORLD)

Kanada 2000; Regie: Guy Maddin; Drehbuch: Guy Maddin; Kamera: Guy Maddin, deco dawson; Darsteller: Leslie Bais, Caelum Vatnsdal, Shaun Balbar, Greg Klymkiw, Tammy Gillis, Carson Natrass; Produktion: Niv Fichman, Judy Shapiro, Jennifer Weiss; Premiere: 7.9.2000 (Toronto); Farbe: schwarzweiß; Länge: 6 Minuten (24 B/s); Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Tonspur

Es gab in den letzten Jahren viele Versuche, Stummfilme zu imitieren, doch diese zeigen in aller Regel ein erschreckendes Unverständnis: Es reicht eben nicht, einen Film in Schwarzweiß und ohne Dialoge herzustellen, um die Stummfilmästhetik zu erfassen. Guy Maddin gelingt in seinem furiosen Trailer eines fiktiven Stummfilms mit Hilfe digitaler Bildbearbeitungseffekte und der stampfenden Musik eines legendären sowjetischen Kompilationsfilms eine hypnotische Wirkung, die dem Stummfilm nahekommt.

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Freitag, 15. August 2008

21.00 Uhr - Arkadenhof

DIE SPINNEN 1: DER GOLDENE SEE

Deutschland 1919; Regie: Fritz Lang; Drehbuch: Fritz Lang; Kamera: Karl Freund, Emil Schünemann; Bauten: Otto Hunte, Karl Ludwig Kirmse, Hermann Warm, Heinrich Umlauff; Darsteller: Carl de Vogt, Ressel Orla, Lil Dagover, Georg John, Rudolf Lettinger, Thea Zander, Reiner Steiner, Friedrich Kühne, Edgar Pauly, Meinhard Maur, Paul Morgan, K.A. Römer, Paul Biensfeldt; Produktion: Decla-Film, Berlin; Premiere: 3.10.1919; Farbe: mehrfarbig viragiert; Länge: 1.657 Meter, 80 Minuten (18 B/s); Zwischentitel: tschechisch mit deutscher Übersetzung; Musikbegleitung: Aljoscha Zimmermann (Flügel) und Sabrina Hausmann (Violine)

Ein Abenteuerspektakel, in dessen Mittelpunkt der verwegene Kay Hoog, ein Vorfahre von Indiana Jones, und die Jagd nach einem unterirdischen Inka-Schatz stehen, hinter dem auch eine chinesische Geheimorganisation her ist. Eine Jagd um die Welt beginnt, gespickt mit tollkühnen Kämpfen und aufregenden Verfolgungen. Der Film, von dem nur im tschechischen Filmarchiv Material erhalten ist, wurde in jahrelanger Arbeit neu restauriert und wieder mit seinen ursprünglichen Einfärbungen versehen.

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22.30 Uhr - Arkadenhof

DIE SPINNEN 2: DAS BRILLANTENSCHIFF

Deutschland 1920; Regie: Fritz Lang; Drehbuch: Fritz Lang; Kamera: Karl Freund; Bauten: Otto Hunte, Karl Ludwig Kirmse, Hermann Warm, Heinrich Umlauff; Darsteller: Carl de Vogt, Ressel Orla, Lil Dagover, Georg John, Rudolf; Lettinger, Thea Zander, Reiner Steiner, Friedrich Kühne, Edgar Pauly, Meinhard Maur, Paul Morgan, K.A. Römer, Paul Biensfeldt; Produktion: Decla-Film, Berlin; Premiere: 6.2.1920; Farbe: mehrfarbig viragiert; Länge: 2.486 Meter, 108 Minuten (20 B/s) ; Zwischentitel: tschechisch mit deutscher Übersetzung; Musikbegleitung: Aljoscha Zimmermann (Flügel) und Sabrina Hausmann (Violine)

Der zweite Teil der SPINNEN konzentriert sich in seiner Gestaltung mehr auf Innenräume und deutet die Visionen der späteren Filme Fritz Langs, DR. MABUSE, METROPOLIS und SPIONE, bereits an: Unter dem Chinesenviertel von San Francisco, in dem die Organisation der Gegenspieler Kay Hoogs ihre Zentrale betreibt, liegt eine unterirdische Stadt, in der das Verbrechen regiert. Die Jagd nach einem diamantenen Buddha-Kopf endet auf den Falklandinseln - gefilmt in der Märkischen Heide bei Berlin.

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Samstag, 16. August 2008

21.00 Uhr - Arkadenhof

TRÄUME JEDER NACHT (YOGOTO NO YUME)

Japan 1933; Regie: Mikio Naruse; Drehbuch: Mikio Naruse, Tadao Ikeda; Kamera: Suketaro Ikai; Darsteller: Sumiko Kurishima, Teruko Kojima, Tatsuo Saito, Atsushi Arai, Mitsuko Yoshikawa, Takeshi Sakamoto, Kenji Oyama, Shigeru Ogura, Choko Iida, Ranko Sawa; Produktion: Shochiku Kinema Kenkyûjo; Premiere: 8.6.1933; Farbe: schwarzweiß; Länge: 1.754 Meter, 64 Minuten (24 B/s); Zwischentitel: japanisch mit englischer Übersetzung; Musikbegleitung: Aljoscha Zimmermann (Flügel)

Eine starke Frau steht im Mittelpunkt des Films, der als der stilistisch geschlossenste Stummfilm Mikio Naruses gilt: Omitsu arbeitet als Hostess in einer Bar, um sich und ihren Sohn über Wasser zu halten. Als eines Tages ihr arbeitsloser Mann Mizuhara wieder auftaucht, akzeptiert sie ihn nur widerwillig. Naruse erzählt seine Geschichte rein visuell. Die ursprüngliche Anfangssequenz, in der Omitsu aus dem Gefängnis entlassen wird, wo sie wegen Prostitution einsaß, wurde von der Zensur geschnitten.

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22.30 Uhr - Arkadenhof

AUSGERECHNET WOLKENKRATZER (SAFETY LAST!)

USA 1923; Regie: Fred C. Newmeyer, Sam Taylor; Drehbuch: Hal Roach, Sam Taylor, Tim Whelan; Kamera: Walter Lundin; Darsteller: Harold Lloyd, Mildred Davis, Bill Strother, Noah Young, Westcott B. Clarke, Mickey Daniels, Anna Townsend, Charles Stevenson, Fred C. Newmeyer; Produktion: Hal Roach Studios; Premiere: 1.4.1923; arbe: schwarzweiß; Länge: 1.852 Meter, 73 Minuten (22 B/s) Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Joachim Bärenz (Flügel) und Christian Roderburg (Schlagzeug)

Um Karriere zu machen, geht Harold Lloyd in die Großstadt, wo er aber nur einen Job als kleiner Kaufhausangestellter findet. Als seine Braut, der er regelmäßig Briefe mit erfundenen Berichten über seinen beruflichen Erfolg schreibt, zu Besuch kommt, muß er sich einiges einfallen lassen. AUSGERECHNET WOLKENKRATZER ist Lloyds berühmtester Film: Das Bild, das ihn am Zeiger einer Hochhausuhr zeigt, ist in die Filmgeschichte eingegangen. Der Film besticht durch perfektes Timing und eine Fülle visueller Gags.

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Sonntag, 17. August 2008

15.00 Uhr - Rheinisches LandesMuseum Bonn

PORTRÄT: MAX NEUFELD - Vortrag mit Filmbeispielen von Nikolaus Wostry

Die Veranstaltungen im Rheinischen Landesmuseum sind kostenpflichtig. Sie können für diese Veranstaltung online Karten reservieren.

Max Neufeld, der 1904 als Schauspieler im Theater debütierte, dann zum Film wechselte und zwischen 1919 und 1957 mehr als 60 Filme als Regisseur gedreht hat, ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Das Filmarchiv Austria hat viele seiner Stummfilme restauriert, ihm eine Retrospektive gewidmet und ein Buch über ihn herausgebracht, so daß wir heute einen Regisseur mit persönlicher Handschrift wiederentdecken können. Nikolaus Wostry stellt den Regisseur, seine Filme und ihre Restaurierung vor.

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17.00 Uhr - Rheinisches LandesMuseum Bonn

FILM MUSIC IMPROVISATION - Vortrag mit Film- und Musikbeispielen von Neil Brand (in englischer Sprache)

Die Veranstaltungen im Rheinischen Landesmuseum sind kostenpflichtig. Sie können für diese Veranstaltung online Karten reservieren.

Die musikalische Begleitung ist entscheidend für die Wirkung eines Stummfilms. Da nur in seltenen Fällen originale Noten erhalten sind, muß jeder heutige Musiker eine neue Begleitung finden, mit der er die Filme - indem er z.B. Spannungsbögen unterstreicht und Figuren charakterisiert - dem Publikum näher bringt. In seinem Vortrag gewährt Neil Brand Einblicke in seine Arbeitsweise und führt anhand eines Beispiels mit Live-Kommentierung vor, wie er seine Musik aus dem Moment heraus entwickelt.

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21.00 Uhr - Arkadenhof

DAS FEST DES HEILIGEN JÜRGEN (PRASDNIK SWJATOGO JORGENA)

UdSSR 1930; Regie: Jakow Protasanow; Drehbuch: Jakow Protasanow, nach Motiven des gleichnamigen Romans von Harald Bergstedt; Kamera: Pjotr Jermolow; Bauten: Sergej Koslowski, Wladimir Baljusek; Darsteller: Anatoli Ktorow, Igor Iljinski, Mikhail Klimow, Maria Strelkowa, Igor Arkadin, Anatoli Gorjunow, Wladimir Uralski, N. Wassilijewa, Feofan Schipulinski; Produktion: Meshrabpomfilm, Moskau; Premiere: 25.8.1930; Farbe: schwarzweiß; Länge: 2.322 Meter, 102 Minuten (20 B/s); Zwischentitel: russisch mit deutscher Übersetzung; Musikbegleitung: Joachim Bärenz (Flügel)

Eine böse Satire auf die Geschäfte mit Religion und Heiligen, die von Vertretern der Kirche betrieben werden. Zwei Gauner brechen aus dem Gefängnis aus und mischen sich auf der Flucht vor der Polizei unter die Menschenmassen, die zu einem Wallfahrtsort pilgern. Der Komiker des russischen Stummfilms Iljinski brilliert in einer Paraderolle. Der Regisseur Jakow Protasanow schuf einige der populärsten Filme des sowjetischen Stummfilmkinos - zu denen auch DAS FEST DES HEILIGEN JÜRGEN zählt.

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Vorfilm: DAS LEBEN UND LEIDEN JESU (LA VIE ET LA PASSION DE JÉSUS CHRIST)

Frankreich 1898; Regie: Georges Hatot, Louis Lumière; Kamera: Alexandre Promio; Darsteller: Bretteau; Produktion: Lumière; Premiere: Anfang 1898; Farbe: schwarzweiß; Länge: 196 Meter, 11 Minuten (16 B/s); Zwischentitel: keine; Musikbegleitung: Joachim Bärenz (Flügel)

Ein früher, für seine Zeit ungewöhnlich langer und aufwendig gestalteter Jesus-Film aus der Produktion der Gebrüder Lumière. In 13 Tableaus, die von der Geburt Jesu bis zu seiner Auferstehung reichen, agieren die Schauspieler vor gemalten Kulissen, deren Begrenzungen im Bild deutlich zu sehen sind. Ursprünglich wurden die jeweils nur eine Minute langen Bilder als Einzelfilme vorgeführt, so daß der Film, der Auftakt unzähliger Jesus-Filme, auch als Vorform der späteren Form des Serials gesehen werden kann.

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Montag, 18. August 2008

21.00 Uhr - Arkadenhof

DIE GROSSE PARADE (THE BIG PARADE)

USA 1925; Regie: King Vidor; Drehbuch: Laurence Stallings, Harry Behn; Kamera: John Arnold; Darsteller: John Gilbert, Renée Adorée, Hobart Bosworth, Claire McDowell, Claire Adams, Robert Ober, Tom O'Brien, Karl Dane, Rosita Marstini; Produktion: Metro-Goldwyn-Mayer Corporation; Premiere: 5.11.1925 (Grauman's Egyptian Theatre, Hollywood); Farbe: schwarzweiß mit viragierten und kolorierten Sequenzen; Länge: 3.423 Meter, 149 Minuten (20 B/s); Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Neil Brand (Flügel)

Einer der erfolgreichsten Stummfilme liegt nun wieder in der neu rekonstruierten Premierenfassung mit eingefärbten Sequenzen vor. Die Geschichte eines Sohnes aus gutem Hause, der 1917 in den Krieg nach Frankreich zieht, ist auch heute noch ein ungemein fesselndes Erlebnis. King Vidor, der sich von Kriegsveteranen beraten ließ, gelang es wie nur wenigen Filmemachern nach ihm, das Kriegsgeschehen ohne Beschönigung erfahrbar zu machen und mit anrührenden menschlichen Schicksalen zu verbinden.

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Dienstag, 19. August 2008

21.00 Uhr - Arkadenhof

CHICAGO

USA 1927; Regie: Frank Urson; Drehbuch: Leonore Coffee, nach dem Theaterstück von Maurine Dallas Watkins; Kamera: Peverell Marley; Ausstattung: J.M. [Mitchell] Leisen; Darsteller: Phyllis Haver, Victor Varconi, Eugene Pallette, Virginia Bradford, Clarence Burton, Warner Richmond, T. Roy Barnes, Sidney D'Albrook, Otto Lederer, May Robson, Julia Faye; Produktion: DeMille Pictures Corporation; Premiere: 26.3.1928; Farbe: schwarzweiß; Länge: 2.952 Meter, 117 Minuten (22 B/s); Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Neil Brand (Flügel) und Günter A. Buchwald (Violine)

Die erste Verfilmung jenes Stoffes, der als Musical 2002 mit Catherine Zeta-Jones, Renée Zellweger und Richard Gere neuverfilmt wurde, ist eine unterhaltsame Komödie über amerikanisches Gerichtswesen, Sensationsjournalismus und Showbusineß. Roxie Hart erschießt einen Mann. Überrascht von dem einsetzenden Presserummel lernt sie, den Mordfall geschickt zu nutzen, um auf die Titelseiten der Boulevardpresse zu gelangen. Mit Hilfe eines gerissenen Anwalts versucht sie, vor Gericht einen Freispruch zu erwirken.

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Vorfilm: SMOKEY RAUCHT (SMOKEY SMOKES)

USA 1920; Regie: Gregory LaCava; Drehbuch: Thomas A. 'Tad' Dorgan (Comic); Animationen: Gregory La Cava; Produktion: J. R. Bray Studios; Premiere: 6.6.1920; Farbe: schwarzweiß; Länge:111 Meter, 6 Minuten (16 B/s); Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Neil Brand (Flügel)

Gregory La Cava zeichnete Comic strips, bevor er 1916 in die Trickfilmproduktion einstieg und in den 20er Jahren zur Spielfilmregie wechselte. Als Regisseur von Hollywoodkomödien wurde er in den 30er Jahren berühmt, während seine frühen Zeichentrickfilme heute weitgehend vergessen sind. SMOKEY RAUCHT handelt von einem Hund, dem der Arzt das Rauchen verbietet. Verzweifelt läuft er durch die Stadt, landet bei einem Chinesen mit Opium-Pfeife - und verliert sich in wilden Wahnvorstellungen.

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Mittwoch, 20. August 2008

21.00 Uhr - Arkadenhof

DER TROLL-ELCH (TROLL-ELGEN)

Norwegen 1927; Regie: Walter Fyrst; Drehbuch: Alf Rød, nach zwei Geschichten von Mikkjel Fønhus; Kamera: Ragnar Westfelt; Darsteller: Tryggve Larssen, Bengt Djurberg, Julie Lampe, Tove Tellback, Harald Stormoen, Einar Tveito, Egil Hjorth-Jenssen, Mimi Kihle, Hauk Aabel, Nils Ahrén; Produktion: Fyrst-Film; Produzent: Helge Lunde; Premiere: 26.12.1927 (Oslo); Farbe: mehrfarbig viragiert; Länge: 2.020 Meter, 98 Minuten (18 B/s); Zwischentitel: norwegisch mit deutscher Übersetzung; Musikbegleitung: Günter A. Buchwald (Flügel und Violine)

Das skandinavische Kino hat in der Stummfilmzeit weltweite Achtung erfahren wegen seiner eindrucksvollen Einbeziehung der Natur in Geschichten von menschlicher Dramatik. Der Troll-Elch soll, einer alten Legende zufolge, die Inkarnation eines toten Menschen sein. Hans darf die schöne Ingrid, Tochter eines reichen Bauern, erst heiraten, wenn er den Geister-Elch getötet hat. Als Hans des Mordes an seinem Rivalen Gunnar beschuldigt wird, muß er in die Stadt fliehen und dort auf dem Jahrmarkt arbeiten.

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Vorfilm: DER EINWANDERER (THE IMMIGRANT)

USA 1917; Regie: Charles Chaplin; Drehbuch: Charles Chaplin, Vincent Bryan, Maverick Terrell; Kamera: Roland Totheroh; Darsteller: Charles Chaplin, Edna Purviance, Eric Campbell, Albert Austin, Henry Bergman, Kitty Bradbury, Frank J. Coleman, William Gillespie, Tom Harrington, James T. Kelley, John Rand, Tiny Sandford, Janet Miller Sully, Loyal Underwood, Tom Wilson; Produktion: Lone Star Corporation; Premiere: 17.6.1917; Farbe: schwarzweiß; Länge: 617 Meter, 30 Minuten (18 B/s); Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Günter A. Buchwald (Flügel und Violine)

Einer der besten Kurzfilme von und mit Charlie Chaplin, der seine Komödie vor einem sehr realistischen Hintergrund entwickelt: Auf einem Schiff aus Europa landet der Tramp in Amerika, wo sich sein amerikanischer Traum jedoch nicht so recht zu erfüllen scheint. Mittellos versucht er in einem Lokal sowohl das Mädchen für sich zu gewinnen als auch eine warme Mahlzeit zu ergattern. Neben raffinierten und virtuosen Gags enthält der Film scharfe Kritik an sozialen Mißständen in den USA.

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Donnerstag, 21. August 2008

21.00 Uhr - Arkadenhof

VON MORGENS BIS MITTERNACHTS

Deutschland 1920; Regie: Karlheinz Martin; Drehbuch: Karlheinz Martin, Herbert Juttke nach dem Theaterstück von Georg Kaiser; Kamera: Carl Hoffmann; Bildentwurf und Figuren: Robert Neppach; Darsteller: Ernst Deutsch, Erna Morena, Hans Heinrich von Twardowski, Eberhard Wrede, Adolf Edgar Licho, Hugo Döblin, Frieda Richard, Lotte Stein, Roma Bahn, Lo Heym; Produktion: Ilag-Film Berlin; Farbe: schwarzweiß; Länge: 1.325 Meter, 73 Minuten (16 B/s); Zwischentitel: deutsch; Musikbegleitung: SchlagEnsemble H/F/M

Einer der wenigen reinen expressionistischen Filme, mit verzerrten Kulissen, harten Kontrasten und stilisiertem Spiel der Darsteller. Erzählt wird die Geschichte vom Kassierer einer Bank, der Geld stiehlt, um sich in die Vergnügungen der Großstadt zu stürzen. Der Film kam seinerzeit nicht in die deutschen Kinos, sondern erlebte seine Uraufführung in Japan, wo sich die einzige Kopie erhalten hat. Die in der originalen Grafik rekonstruierten Zwischentitel wurden vom Filmmuseum München in den Film eingefügt.

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Vorfilm: DIE WUNDERUHR (L'HORLOGE MAGIQUE)

Frankreich 1928; Regie: Ladislas Starewitch; Drehbuch: Ladislas Starewitch; Kamera: Ladislas Starewitch; Puppen und Animation: Ladislas Starewitch, Irène Starewitch; Kostüme: Anna Starewitch; Darsteller: Nina Star (= Starewitch), Bob Zoubowitch; Produktion: Les Films Louis Nalpas; Premiere: 8.9.1928 (Berlin),19.12.1928 (Paris); Farbe: mehrfarbig viragiert und getönt; Länge: 910 Meter, 33 Minuten (24 B/s); Zwischentitel: französisch mit deutscher Übersetzung; Musikbegleitung: Günter A. Buchwald (Flügel und Violine)

Der aus Rußland emigrierte Ladislas Starewitch schuf phantastische Puppentrickfilme, in denen er unterschiedlichste Animationstechniken anwandte und oft seine Tochter Nina mitspielen ließ. DIE WUNDERUHR ist sein Meisterwerk, in dem er verschiedene Geschichten mit einer Rahmenhandlung verband. Der neu restaurierte, wie im Original eingefärbte und getönte Film besteht aus zwei Teilen: DIE GESCHICHTE VOM MÄDCHEN, DAS PRINZESSIN WERDEN WOLLTE und DER VERZAUBERTE WALD.

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Freitag, 22. August 2008

21.00 Uhr - Arkadenhof

DER GELIEBTE SEINER FRAU

Österreich 1928; Regie: Max Neufeld; Drehbuch: Fritz Zoreff, Siegfried Bernfeld, Max Neufeld; Kamera: Viktor Gluck; Bauten: Franz Meschkan, Hans Ledersteger; Darsteller: Dina Gralla, Claire Lotto, Alphons Fryland, Oskar Beregi, Richard Waldemar, Otto Schmöle, Viktor Franz, Cornelius Kirschner; Produktion: Hugo-Engel- Film GmbH, Wien; Premiere: 28.3.1928 (Berlin, Marmorhaus), 14.9.1928 (Wien); Farbe: schwarzweiß; Länge: 1.756 Meter, 64 Minuten (24B/s); Zwischentitel: serbokroatisch mit deutscher Übersetzung; Musikbegleitung: Maud Nelissen

Eine vergnügliche Verwechslungskomödie aus dem Wien der 20er Jahre: Ein Graf soll eine ihm unbekannte Fabrikantentochter heiraten. Da er sich auf dem Standesamt verspätet, platzt die Hochzeit. Daß die Braut durch eine Verwechslung in einem Appartement Unterschlupf findet, in dem auch der Graf wohnt, führt zu turbulenten Szenen. Mit einem Esprit, der an Ernst Lubitsch anknüpft, und vielen originellen visuellen Einfällen entstand einer der komischsten Filme des österreichischen Regisseurs Max Neufeld.

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22.30 Uhr - Arkadenhof

DIE FEUERPROBE (VEM DÖMER; zeitgenössischer deutscher Verleihtitel: BEATRIX - EIN SPIEL VON LIEBE, HASS UND TOD)

Schweden 1922; Regie: Victor Sjöström; Drehbuch: Victor Sjöström, Hjalmar BergmanKamera: Julius JaenzonBauten: Axel Esbensen, Alexander Bakó; Darsteller: Jenny Hasselquist, Ivan Hedqvist, Tore Svennberg, Gösta Ekman, Knut Lindroth, Waldemar Wohlström, Nils Asther, Paul Seeling, Nils Lundell, Tyra Dörum, Bror Berger, Lars Egge, Edvin Adolphson, Nils Jacobsson, Olof Ås, Torsten Bergström, Edvin Adolphson, Julia Cæsar, Emil Fjellström, Artur Rolén; Produktion: Svensk Filmindustri; Premiere: 1.1.1922; Farbe: schwarzweiß; Länge: 1.787 Meter, 89 Min. (18 B/s); Zwischentitel: schwedisch mit deutscher Übersetzung; Musikbegleitung: Joachim Bärenz (Flügel)

Der vorletzte Film Sjöströms vor seinem Gang nach Hollywood erzählt eine düstere Geschichte aus dem Mittelalter: Ursula darf nicht den Mann heiraten, den sie liebt, sondern muß eine Ehe mit einem deutlich älteren Bildhauer eingehen. Sie entwickelt den Plan, ihren Ehemann zu vergiften. Mit prächtigen Dekors, einer ausgefeilten Lichtsetzung und beeindruckender Kameraarbeit setzt Sjöström sein Drama um Schuld, Sühne und Vergebung um, das mit sparsamen Zwischentiteln rein visuell erzählt wird.

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Samstag, 23. August 2008

21.00 Uhr - Arkadenhof

DER GEHEIME KURIER

Deutschland 1928; Regie: Gennaro Righelli; Drehbuch: Curt J. Braun, Walter Jonas nach dem Roman "Le Rouge et le noir" ("Rot und Schwarz") von Stendhal; Kamera: Friedrich Weinmann; Darsteller: Iwan Mosjukin, Lil Dagover, José Davert, Jean Dax, Agnes Petersen, Félix de Pomés, Hubert von Meyerinck, Dillo Lombardi, Valeria Blanka; Produktion: Greenbaum Film, Berlin / Terra-Film, Berlin; Premiere: 25.10.1928 (Berlin); Farbe: mehrfarbig viragiert; Länge: 1.790 Meter, 65 Minuten (24 B/s); Zwischentitel: französisch mit deutscher Übersetzung; Musikbegleitung: Joachim Bärenz (Flügel)

Mosjukin war unbestrittener Star aufwendiger Produktionen wie CASANOVA oder DER KURIER DES ZAREN. In Righellis sehr freier Adaption von Stendhals Roman "Rot und Schwarz" spielt er den Provinzler Julien Sorel, der 1830 nach Paris kommt, um dort Karriere zu machen und die Tochter eines Marquis zu heiraten. Seine Vergangenheit holt ihn jedoch ein. Der Ausstattungsfilm hat sich nur in einer gekürzten französischen Fassung erhalten, die ein sehr modern anmutendes, rasches Erzähltempo aufweist.

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22.30 Uhr - Arkadenhof

DAS WUNSCHKIND (THE FIRST BORN)

GB 1928; Regie: Miles Mander; Drehbuch: Miles Mander, Alma Reville, nach Manders Theaterstück "Common People" und seinem Roman "Oasis"; Kamera: Walter Blakeley; Ausstattung: Wilfred Arnold; Darsteller: Madeleine Carroll, Miles Mander, John Loder, Margot Armand, Ella Atherton, Ivo Dawson, Margaret Roach, John St. John, Naomi Jacob, Bernard Vaughan, Walter Wichelow, Beryl Egerton, Theodore Mander; Produktion: Mander Production Syndicate für Gainsborough Pictures; Premiere: Oktober 1928; Farbe: schwarzweiß; Länge: 2.114 Meter, 84 Minuten (22 B/s); Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Stephen Horne (Flügel)

Alma Reville, die Ehefrau und engste Mitarbeiterin von Alfred Hitchcock, begann ihre Karriere als Cutterin und Drehbuchautorin. Das Drehbuch zu dem spannenden Ehedrama DAS WUNSCHKIND schrieb sie zusammen mit Miles Mander, einem populären englischen Schauspieler, der auch die männliche Hauptrolle spielt und Regie führt. Es geht um eine Ehefrau, die ihren Mann liebt, obwohl er sie dauernd betrügt. Als er sie verläßt, schmiedet sie den Plan, ihn mit einem Wunschkind zurückzuholen.

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Sonntag, 24. August 2008

15.00 Uhr - Rheinisches LandesMuseum Bonn

PORTRÄT: WALTER RUTTMANN - Vortrag mit Filmbeispielen von Stefan Drößler

Die Veranstaltungen im Rheinischen Landesmuseum sind kostenpflichtig. Sie können für diese Veranstaltung online Karten reservieren.

Der Maler und Grafiker Walter Ruttmann entdeckte den Film 1920 und schuf die ersten abstrakten Zeichentrickfilme der Welt. Populär waren seine phantasievollen Werbefilme, die heute weitgehend vergessen sind. Als der Tonfilm aufkam, experimentierte Ruttmann sofort mit dem neuen Medium, stellte einen "Tonfilm ohne Bild" her und den Vorläufer des Musikvideos. Das Filmmuseum München bereitet eine DVD mit den Werken von Ruttmann vor, über deren Restaurierungen Stefan Drößler sprechen wird.

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17.00 Uhr - Rheinisches LandesMuseum Bonn

BERLIN. DIE SINFONIE DER GROSSSTADT

Deutschland 1927; Regie: Walter Ruttmann; Drehbuch: Karl Freund, Carl Mayer, Walter Ruttmann; Kamera: Robert Baberske, Reimar Kuntze, Lázsló Schäffer, Karl Freund; Bauten: Erich Kettelhut; Schnitt: Walter Ruttmann; Produktion: Deutsche Vereins-Film, Les Productions Fox Europa; Premiere: 23.09.1927 (Berlin, Tauentzien-Palast); Farbe: schwarzweiß; Länge: 65 Minuten; Musik: Edmund Meisel (Orchestereinspielung)

Die Veranstaltungen im Rheinischen Landesmuseum sind kostenpflichtig. Sie können für diese Veranstaltung online Karten reservieren.

Mit versteckter Kamera filmte Ruttmann in den Straßen von Berlin, um die Aufnahmen zum Tagesablauf einer Großstadt zu montieren. Edmund Meisel schrieb dazu eine legendäre Filmmusik, von der sich nur ein Klavierauszug erhalten hat. Im Herbst 2007 wurde die rekonstruierte Musik erstmals wieder in der Originalbesetzung mit 75 Musikern aufgeführt. Der Film wurde umkopiert und vom Filmmuseum München digital überarbeitet. Zur Aufführung gelangt diese neue Fassung in einer digitalen Projektion.

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21.00 Uhr - Arkadenhof

SONG - SCHMUTZIGES GELD (SONG - SHOW LIFE)

D/GB 1929; Regie: Richard Eichberg; Drehbuch: Adolf Lantz, Helen Gosewisch, nach der Novelle "Schmutziges Geld" von Karl Vollmöller; Kamera: Heinrich Gärtner, Bruno Mondi; Darsteller: Anna May Wong, Heinrich George, Mary Kid, Hans Adalbert Schlettow, Paul Hörbiger, Julius E. Herrmann; Produktion: Eichberg Film, Berlin / British International Pictures, London; Premiere: 21.8.1928; Farbe: schwarzweiß; Länge: 2.696 Meter, 98 Minuten (24 B/s); Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Stephen Horne (Flügel)

Richard Eichberg war über ein Vierteljahrhundert einer der erfolgreichsten Regisseure des deutschsprachigen Unterhaltungskinos, der von der Kritik aber selten ernst genommen wurde. Dabei schuf er einige faszinierende Filme wie das Melodram SONG, die sich durch eindrückliche Bildgestaltung, sorgfältige Ausstattung und großartige Schauspielerleistungen auszeichnen. Er verpflichtete Hollywood-Star Anna May Wong als Malayenmädchen Song, das einem von Heinrich George gespielten Matrosen verfällt.

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Song

(Alhambra)

Anna May Wong in ihrem ersten Europafilm

Die Mongolin aus Hollywood vor der deutschen Kamera des Herrn Gärtner. Und wenn man ihre Gastspiel-Arrangeure überschaut, vom Welt-Literaturreisenden Vollmöller und dem Regisseur freudenvollster Klamauk-Kisten Eichberg bis zu Adolf Lantz, der dem Film die Literatur zuführt, und diesmal die Autorin Helen Gosewish vorstellt, so wird einem ob der widerstrebenden Elemente des Fabrikanten-Kollektivs bange. (Dazu noch England als Supervisor dieses Films!)

Aber die Mitarbeiter einigten sich doch, die Gegensätze glichen sich aus, da man allein der Frau vor der Kamera dienen wollte. Das Wagnis ist gelungen: einen (zweiten) Star aus Hollywood wurde in Berlin eine erste Starrolle geschaffen, für die nicht nur der Kurfürstendamm, sondern die Hunder[t]prozentigen aller Rassen Sympathie aufbringen können. Von Hitler bis Ku-Klux-Klan.

Schwer war die Aufgabe: Hundert Rücksichten verweisen die Autoren auf mühevolle Konstruktionen. Soll doch ein Film und die Frau, die er ins Licht stellt, nicht nur an einer Ecke gefallen, deren Weltgenossen jedem Menschen das menschlichste Gefühl entgegenbringen, fern aller Fremdheit, und komme er aus fernstem Osten mit aller Mystik seiner Mandel- und Schlitzaugen.

Anna May Wong, die Oestliche, hat lang genug in den exotischen Gärten Kaliforniens gefilmt, um zu wissen, wie sie ihre mimische Kraft gegen den konventionellen Filmstil durchsetzen kann. Und Vollmöller hat gewiß aus einem Dutzend der vielen Dutzendfilme, die wir gar nicht erst nach Europa bekommen, die Geschichte von der gedemütigten und erniedrigten Magd abgelesen, in der etwa Viola Danna ein armes Hindumädchen spielt; die ihren Weißen liebt und dran sterben muß.

Auch Song muß sterben. Den Liebestod der Andersrassigen. Ach arme Butterfly, ach, arme Song.

Die Butterfly-Romantik mit dem Realismus der Sonja-Geschichte Dostojewskys - und die brutal-amerikanische Hafenviertel-Atmosphäre, in dieses Milieu konnte man Anna May Wong stellen, zwischen Literatur und Kintopp, damit diese Yankeechinesin mit den Künsten einer östlichen Nielsen spielen kann. Und sie spielt gut.

Auch wenn sie mehr der Venus als der Psyche gleicht und ihre rührende Jungfrau so tapfer strampeln und beißen, so wunderbegabt tanzen kann, daß man ihr und ihren Autoren nicht ganz treu bis in den Tod der Song folgt. Diese behende zähe Krabbe stirbt nicht so leicht. Aber da gibt es eben - das alte Gesetz ... und einen Unglücksfall für's sorry end.

Der Film darf das hemmungsvolle Liebepaar nicht zum Paaren treiben ... und so erfinden die Autoren die rührende Geschichte vom Parfüm der fremden Frau, das der erblindete Jack am Körper der verkleideten Song einatmet, so daß er sie anstelle der vermeintlichen Geliebten küßt. Die keusche Magd empfängt den Kuß, der der Herrin gebührt.

Filmisch eine besonders gut gelungene Episode der in eine lange aber spannende Kette romantischer Ereignisse aufgelösten Filmgeschichte. Eisenbahnüberfall, Varieté-Attraktionen - bis an die kitzeligen Grenzen der Nervenreizung geht der Film - - wenn Jack von den ausströmenden Dämpfen der D-Zug-Lokomotive erblindet - - oder Song als Varieténummer mit den Wurfmessern verwundet wird.

Der Eindruck wird zum Einhämmern. Man spürt den Ueberdruck der Regie. Reine Anschaulichkeit dringt aus dem Bild, sobald May Wong erscheint. Die Mongolin mit dem amerikanischen Girlkörper, in der nur beim Tanz der fremde Rhythmus, ein Wiegen aus dem Pflaumenblütentanz des Urlandes ihren Körper umzaubert.

Aber das Antlitz. Augen wie dunkle Truhen. Ihre Wimpern hängen wie ein Baumzweig über ihnen.

Ihre Lippen mimen amerikanisch - und doch hat sie vor allen ihren Kollegen ein Geheimnis ihrer Rasse voraus: daß die Maskenstarre ihres Antlitzes fixiert bleibt, auch wenn ihre Augen schreien, ihre Lippen aufbrennen. Dadurch ist sie für die Kamera geradezu auserlesen, die unter Gärtners porträtschaffender Hand denn auch eine Fülle fremden Lebens im fremden Antlitz uns menschlich nahe bringt.

Das ist eine große Tat der Film-Technik: das fremde Leben so ins nahe Licht zu bringen.

Die übrigen Mitwirkenden, unter denen der lustige Musikant Paul Hörbiger neben der unmöglichen Mary Kiel [!], dem blassen H.A. von Schlettow auffällt, stellen ein befriedigendes Gastspielensemble.

Heinrich George gibt die Masse weißer Mensch gegenüber der dunklen Dienerin. Eine undankbare Aufgabe, so lustlos, verschmiert, träge und brutal sein zu müssen. Er hat den Galgenhumor nicht mit ins Atelier gebracht. Auch ihm gelingen ein paar große Augenblicke - - .Die Schminke des Fuhrmann Henschel und der Menschenhaß des Hinkemann sitzen seinem verbummelten Artisten aus der - übrigens in ausgezeichneten Bildern eingeschnittenen Hafenwelt von Konstantinopel - zu tief im Herzen.

Ueber allem und vor allem also: das Schauspiel Anna May Wong.

Länge des Films: 6 Akte, 2739 Meter.
Weiße Zensurkarte: Für Jugendliche verboten.
Herstellung: Eichberg-Film G.m.b.H.
Verleih: Südfilm A.G.

Ernst Jäger.

(Quelle: Film-Kurier 10.Jg. Nr. 199, 21.8.1928)

Anna, die Chinesin.

Als der "Dieb von Bagdad" bei uns erschien, wies der "Kinematograph" ausführlich auf die Bedeutung der chinesischen Schauspielerin Anna May Wong hin, die zwar im Programm nur als Dienerin der Prinzessin Julanne Johnston erschien, diese aber an Intensität des Spiels und im Umfang der Rolle weit überragte. Der kluge Fairbanks wußte schon, was er tat.

Richard Eichberg, der mit Vorliebe unerprobten Talenten in seinen Filmen Gelegenheit gibt, sich auszuwirken, gibt jetzt Anna May Wong Gelegenheit, in einer ganz großen Rolle zu erscheinen. Denn dies ist schließlich auch charakteristisch für Amerika, daß man es nicht wagte, sie in einer führenden Rolle herauszustellen. - Selbst im "Wr. Wu" [!], wo jede Gelegenheit gewesen wäre, wurde Anna nur episodisch beschäftigt, dagegen Renée Adorée in den Vordergrund gerückt, wo sie[,] deren Fähigkeiten auf anderem Gebiete liegen, nicht mit Ehren bestehen konnte. Eichberg öffnet der chinesischen Künstlerin in dem Film "Schmutziges Geld" den Weg zum Weltruhm. Er hat in Neubabelsberg eine Stadt aufbauen lassen, die Singapur sein kann oder eine andere Hafenstadt des Ostens, worin Anna May Wong, wie aus der eben gefilmten Szene hervorzugehen schien, eine Hafendirne ist. Wenigstens schien Heinrich George, dem nach Wochen der Bartlosigkeit wieder ein Schnauzer über die Lippen hängt, ein betrunkener Matrose zu sein, der die Chinesin liebt. Mit ganz sparsamen Bewegungen, mit einem Schluchzen im Halse, das zu Herzen gehen wird. Die May Wong spiegelte in dieser Szene die Empfindungen Georges in ihrem Gesicht. Man weiß, daß diese Künstlerin vor allem mit den Augen spielt. Sie ging hier über den Kreis der bisher geübten Schauspielkunst hinaus.

(Quelle: Kinematograph, 22.Jg., Nr.1107, 6.5.1928; Rubrik: Hinter Filmkulissen)

"Song"

Uraufführung: Alhambra, Kurfürstendamm.

Große Premiere in der Alhambra am Kurfürstendamm, dem umgebauten, renovierten Theater, das jetzt von Eugen R. Schlesinger geführt wird und das in Paul Dessau einen wertvollen, geschickten Kapellmeister bekommen hat.

Man eröffnet das verjüngte Haus mit dem ersten Film, den Eichberg in Deutschland für British International gemacht hat, zeigt in dem Stück Anna May Wong, den Star, der unbedingt die Geschichte vom kleinen Malaienmädchen trägt und mit Heinrich George zusammen den Erfolg des Abends entscheidet.

Die Handlung, das muß klar gesagt werden, ist schlimmste Hintertreppe. Da wird ein kleines Malaienmädchen im Hafen von Jack, dem Artisten, gerettet, aber zwei Minuten darauf beinah gewaltsam dazu gezwungen, Zielscheibe beim Messerwurf in einer Vorstadtkneipe zu werden.

In diese Kneipe ist der einst bedeutende Artist gekommen, weil er auf eine Frau eifersüchtig war, seinen Nebenbuhler ins Wasser warf, selbst nachsprang und nachher in der Großstadt untertauchte, um sich der irdischen Gerechtigkeit zu entziehen.

Man kann sich denken, was sich ungefähr tut, wenn die Tänzerin und Jack zusammentreffen. Nein, man kann es nicht, denn hundertundfünfzig Meter ist sie wahnsinnig in ihn verliebt, zweihundert Meter weist sie ihn von sich, und schließlich geht er unter die Räuber, um Geld zu verdienen.

Er überfällt mit Komplicen einen Eisenbahnzug, verliert dabei das Augenlicht und redet sich ein, daß die Tänzerin ihn heilen läßt. In Wirklichkeit stammt das Geld von der Anna May Wong, die es aber gestohlen hat und die dafür einem jungen Mann gefällig sein muß.

Das heißt, genau weiß man das nicht, weil sie plötzlich als große Tänzerin im Palast-Varieté auftritt.

Jedenfalls erhält Jack das Augenlicht wieder, vergreift sich an seiner Retterin, sucht erst die tanzende Dame, und als er schließlich erfährt, was eigentlich los ist, die kleine Malaiin, die sich in diesem Augenblick in Schwerter stürzt, zwischen denen sie tanzen soll.

Einige Leute behaupten, daß Anna May Wong am Schluß stirbt, daß Heinrich George blind wird. Ganz klar ist die Sache nicht erwiesen.

Diese fürchterliche Geschichte hat Eichberg ausgezeichnet inszeniert. Er gibt ihr dekorativ den großen Rahmen, fügt fabelhafte Szenen aus Varieté und Kababett [!] zu, läßt elektrisches Licht in allen Beleuchtungseffekten spielen und macht aus Konstantinopel, dieser Stadt, die sich in ganz Europa am wundervollsten photographiert, so eine Art Film-Singapur.

Er entdeckt Anna May Wong nicht nur für Europa, sondern vielleicht für den Film, denn er stellt diese hochtalentierte Frau zum erstenmal in einen großen Rahmen, macht aus ihr eine asiatische Mary Pickfort, die in Heinrich George einen unübertrefflichen Partner hat. Dieser Mann findet sich selbst durch diesen Kitsch durch, der in der Idee von Vollmöller stammen soll, und der im einzelnen von Herrn Adolf Lantz und Frau Helen Gosewish verantwortlich gezeichnet ist. Sein Jack wird zu den großen schauspielerischen Leistungen deutscher Filmkunst gehören. Er bedeutet neben der May Wong den einzigen Gewinn. Frau Mary Kid wirkt deplaciert, Adalbert von Schlettow kann mit seiner Rolle nichts Rechtes anfangen und Paul Hörbiger sich nicht entfalten.

Wenn es Beifall gab, ist das Eichbergs Regie und den beiden Hauptdarstellern zu verdanken. In der Provinz, wo man an das Manuskript nicht so große Anforderungen stellt, wird der Film ein gutes Geschäft.

(Quelle: Kinematograph, 22.Jg., Nr.1146, 23.8.1928)

Song

Eichbergfilm der British International im Südfilm-Verleih

Alhambra

Ein glücklicher, großer Start. Die schlanke Chinesin mit den rätselvollen, unergründlichen Augen, Anna May Wong, hat auf der ganzen Linie gesiegt. Nicht etwa, weil ihre ostasiatische Fremdheit und Scheu bezaubert. Sondern, weil sie eine Gestalterin hohen Grades ist, eine Künstlerin, wie sie der Weltfilm nur ganz wenige besitzt.

Carl Vollmöller, der Vielgewandte, der Mirakelmann, hat eine Novelle geschrieben, in der ein kleines Chinesenmädel an der Liebe zu einem Manne, der von dieser Liebe nur leichtweg das Körperliche nimmt, zugrunde geht. In einem Milieu, das trostlos und bunt zugleich ist: Hafenkneipe einer orientalischen Stadt am Meer, eine Mischung von Marseille, Konstantinopel und Aden. In einem Vorstadtvarieté, einem kahlen Zimmer und einem Luxushotel vollziehen sich die Schicksale, bunt, seltsam und doch vom Hauch einer tiefen Menschlichkeit umweht.

Die Manuskriptbearbeiter Adolf Lantz und Helene Gosewich haben den rein psychologischen Stoff Vollmöllers auf Filmwirkung bearbeitet. Es ist dabei weniger ein geschlossenes, von Steigerung zu Steigerung schreitendes Drama herausgekommen, als ein fesselnder Filmroman mit dramatischen Effekten, mit stark vorgetriebenen Spannungen, mit glücklichen Situationen. Die Figuren sind mit bemerkenswerter Plastik herausgearbeitet: insbesondere die mit geradezu hingebender Liebe ziselierte Gestalt, die Anna May Wong zu verkörpern hat und aus der sie, vorweg bemerkt, ein menschliches Erlebnis ersten Ranges macht.

Ein Artist, breitschultrig, brutal, irgendwo von einer gelassenen Gutmütigkeit, befreit ein kleines Chinesenmädel von zwei Burschen, die sie bedrängen. Unausbleibliche Folge: sie geht nicht mehr von ihm. Er tritt in einem Hafenvarieté auf, hat eine Nummer, in der er mit breiten Messern die Silhouette einer menschlichen Gestalt abtastet. Die schlanke Chinesin wird jetzt Partnerin des Messerspielers, sie tanzt und verkauft an die lärmenden, lüsternen Gäste der Kneipe Postkarten.

Für den Artisten ist sie die Partnerin, mit der man zusammenlebt, die mit zu den Aktiven gehört, ohne daß irgendwelche gefühlsmäßigen Bande ihn verpflichten. Denn er ist ein Mann mit einer Vergangenheit, von der nicht loszukommen ist. Einstmals liebte er eine Artistin, warf ihretwegen einen Mann ins Meer und verschwand, angeblich ertrunken. Und diese Frau taucht jetzt plötzlich als gefeierter Star auf, eine Laune läßt sie ihren Freund bitten, sie in ein Hafenvarieté zu fahren - und da sehen sie sich wieder. Auch in dem großen Varietéstar erwachen kleine Gefühle. Nicht übermäßig, aber sie flirtet mit dem heruntergekommenen Geliebten von ehemals. Er nimmt die leichte Laune für das Wiedererwachen der großen Liebe, er braucht nur Geld, Geld, um mit dieser Dame standesgemäß aufzutreten. Aber das Geld liegt nicht auf der Straße: er beteiligt sich an einem Eisenbahnüberfall, der einen sensationellen Höhepunkt des Films bildet. Der Überfall mißlingt, der Artist versteckt sich unter der Lokomotive - und zischend, dampfend, pfeifend braust der Zug über ihn weg.

Als er sich wieder erhebt - die Schienen sind tief gelagert - haben ihm die heißen Dämpfe die Augen verletzt. Langsam spürt er, daß er erblindet ist - und nun erwacht in der kleinen Chinesin eine rührende Geliebte, die nur für den brutalen, finsteren Mann da ist, den sie liebt und der leidet. Mit einer scheuen, stillen Zärtlichkeit sorgt sie für ihn, sie gibt sich hin, sie stiehlt, sie tanzt im Hotel - und zieht sich ihre Lumpen an, um in die Klinik zu dem Erblindeten zu gehen. Sie spielt die Rolle des Varietéstars, nach der seine Leidenschaft verlangt, nur um ihm eine glückliche Minute zu verschaffen. Und als er, glücklich operiert, diesen Betrug merkt, packt er sie wie ein Paket und schleudert sie auf die Straße.

Zerschlagen wankt sie in das Luxushotel zurück und tanzt, in einem wunderbaren Kostüm, einen alten chinesischen Schwertertanz. Da erfährt er, daß der Varietéstar seit Wochen abgereist ist, daß alles, was er Gutes auf ihr Konto gesetzt hat, von der kleinen, scheuen, mißhandelten Chinesin für ihn getan ist, und er stürzt in das Hotel. Sie tanzt gerade zwischen den aufgerichteten, blitzenden Schwertern: da erscheint er, sie erschrickt und stürzt in einen der blitzenden Dolche. Wie ein Urmensch schleppt er sie auf seinen Armen in seine kahle Stube: und noch ihr letztes Wort, als seine Tränen fließen, ist die scheuliebende, mitleidsdurchwärmte Frage: "Tun dir noch deine Augen weh?" Und dann stirbt sie, still und menschenfern, wie sie in diesem ganzen, wundervoll menschlichen Film vor uns gelebt hat. Wenn ein Meister der Publikumswirkung wie Richard Eichberg einen so schweren, psychologisch zerklüfteten Stoff anfaßt, darf man damit rechnen, daß er ihn in filmwirksame Formen umgießt. Und er hat dieses schwierige Problem kunstvoll gelöst. Der Film verläßt nicht eine Minute lang sein hohes Niveau, und er ist so mit inneren Spannungen, optischen Reizen, überraschenden Situationen angefüllt, daß man immer neu mitgerissen wird. Und Eichberg hat die spezifischen filmischen Einfälle mit solcher Diskretion in den Rahmen der menschlich ergreifenden Handlung eingebaut, daß sie sich zwanglos in das schwermütig-farbige Gebilde einfügen.

Der Film ist bewußt eine einzige Rolle für Anna Wong, die eine Gestalt schafft, rührend wie die Gish, von einer anmutigen Heiterkeit, mit einer hingebenden, stillen Schwermut. Es ist vielleicht der beste Vergleich, den man gestern von einem alten Filmmann hörte: eine jugendliche Asta Nielsen. Anna May Wong kann wirklich alles: Hingabe, Scheue, Trauer, Heiterkeit - alles bringt sie zwanglos, natürlich und mit einer ungeheuer einfachen Gebärde. Man weiß natürlich nicht, wieweit hier Richard Eichbergs erfahrene Hand geführt hat. Aber jeder war überrascht, weil sich die Wong nie wiederholte, wie immer ein neuer Ausdruck kam, wie ungezwungen Trauer, Anmut und Drolerie sich in ihrem Spiel vermischte. Dieser deutsche Film wird mit seinem eigenen Erfolg den Ruhm Anna May Wongs als einer der größten Filmkünstlerinnen durch die Welt tragen.

Ihr Partner ist Heinrich George, der allmählich in das Format großer Menschgestaltung hineinwächst. Er hat die große darstellerische Begabung, auch das Unsympathische und Brutale einer Erscheinung noch menschlich verständlich und dadurch erträglich zu machen. Er ist ein Meister der Zwischentöne und es ist vor allem seiner Kunst zu verdanken, daß sein Artist bei aller Herzensroheit noch menschlich erträglich blieb. Etwas blaß und farblos war Mary Kid als Varietéstar: man hätte als Gegenspielerin für May Wong mehr eine dämonische, als eine blonde Schönheit erwartet. In einer kleinen Rolle fiel Paul Hörbiger auf, der witzig und mit unverwüstlichem Temperament einen Harmonikaspieler auf die Beine stellte.

Ganz hervorragend war die photographische Leistung des Films, für die an erster Stelle Heinrich Gärtner verantwortlich zeichnet, mit ihm Bruno Mondi. Es war geradezu ein Meisterstück der modernen Kamerakunst. Es sei hier nicht einmal von einzelnen Effekten gesprochen, wie etwa die photographische Gestaltung des Erblindens, sondern nur von dem allgemeinen Niveau, das geradezu vorbildlich zu nennen ist. Die Gestalten sind außerordentlich individuell photographiert, die Beleuchtung löst die Figuren von den Wänden, es ist nicht übermäßig "gesoftet" und es sind auch harte Effekte da, wo sie hingehören: kurzum, es ist ein mit seltener Liebe und seltener Kunst photographierter Film. W.A. Hermann hat stilvoll und mit großer künstlerischer Wirkung gebaut. Das Publikum war begeistert und Beifallssalven brausten durch das Theater, und die Künstler Anna May Wong an der Spitze, konnten sich nicht oft genug zeigen. M.P.

(Quelle: Lichtbildbühne 21.Jg., Nr.201, 21.8.1928)

Mit ihrer Darstellung des Malayen-Mädchens "Song" spielte sich Anna May Wong, von Richard Eichberg aus Hollywood nach Europa geholt, erstmals auch in den Mittelpunkt der deutschen Öffentlichkeit. Aber nicht nur das breite Publikum fand Gefallen an der auf einzigartige Weise unverbraucht und authentisch wirkenden jungen Chinesin, auch Intellektuelle zogen ihre "großen Augen, die Unaussprechliches zu - verschweigen scheinen", in den Bann. In diesem frei nach der Erzählung "Schmutziges Geld" von Karl Vollmoeller entstandenen Melodrama verkörpert sie die heimatlose Titelfigur, die sich in einen Matrosen (Heinrich George in einer frühen Paraderolle) verliebt. "Singapore - Hafenschenken mit Messerwerfern - Nachtlokal mit Ausstattungskünsten - im Eingang eine Messerstecherei zwischen Matrosen, zwischendurch der Tobsuchtsanfall eines blinden Messerwerfers, zuletzt ein Schwertertanz mit letalem Ausgang - das sind die Elemente, die Eichberg mit zielsicherem Blick und festem Zugriff zum Ganzen fügt" (Internationale Filmschau, Nr. 10, 25.9.1928). Die ungemeine Präzision, mit der Eichberg das Genremuster ausgestaltet, Momente zärtlicher Intimität ebenso intensiv zur Geltung bringt wie die emotionalen Wirkungen heftiger Dramatik, überzeugt noch heute und lässt "Song" vielleicht sogar als seinen gelungensten Film überhaupt erscheinen.

(Quelle: http://www.dhm.de/kino/eichberg_wiederentdeckt.html)

Diese Skizze erstaunt durch ihre Virtuosität, zumal wenn man bedenkt, daß sie vor [René Clairs] "Entr'acte" entstanden ist. (...) "Fait-divers" erzählt virtuos eine Geschichte, wie man sie als kurze Erzählung in einer Literaturzeitschrift oder einem Hochglanzmagazin lesen könnte. Die Verwendung der Großaufnahme, zuweilen zum Symbol ausgebaut, und die Darstellung der subjektiven Reaktionen der Protagonisten mögen diesem Experiment vorübergehend den Charakter einer abstrakten, dekorativ stilisierten Choreographie verleihen. Diese aber folgt stets der Absicht, dem Zuschauer ein leichtes Verständnis zu ermöglichen, eine einfache Übersetzung der visuellen Einheiten in einen klaren Prosatext.

(Quelle: Freddy Buache: Claude Autant-Lara, Paris 1982, S.10)

Paris mit seinen belebten Straßen, mit den Palais hinter geschmiedeten Eisentoren, den Boulevards und den Straßencafés, liefert den Rahmen - und ist letztlich die wahre Hauptperson des Films: Wir sehen es leben, wimmeln, sich beleben und in Stücke fallen, als wenn das Wesen der vermischten Meldung, die seine Harmonie zerstört, seinen trügerischen Schein nur besser hervortreten ließe. (...) "Fait divers" sollte für das genommen werden, was es ist: ein Versuch, ALLES allein mit Bildern zu sagen, (...).

(Quelle: Marcel Oms: "Claude Autant-Lara dans l'avant-garde française", in: Roger Favre/ Emili Teixidor (Hg.): Le cinéma d'avant garde. Le drame psychologique, Lausanne 1977, S.20-21)

Vorfilm: VERMISCHTE MELDUNGEN (FAITS DIVERS)

Frankreich 1924; Regie: Claude Autant-Lara; Drehbuch: Claude Autant-Lara; Kamera: Henri Barreyre; Darsteller: Paul Barthet, Louise Lara, Antonin Artaud; Produktion: Cinégraphic; Premiere: Dezember 1924; Farbe: schwarzweiß; Länge: 432 Meter, 19 Minuten (20 B/s); Zwischentitel: keine; Musikbegleitung: Stephen Horne (Flügel)

Ein Klassiker des französischen Avantgardefilms. Er erzählt eine Dreiecksgeschichte, die der Zeitungsrubrik "Vermischte Meldungen" entnommen sein könnte. Autant-Lara verwendet Stilmittel wie Doppel- und Dreifachbelichtungen, Schrägeinstellungen, extreme Großaufnahmen, Zeitlupe, mehrfache Wiederholungen derselben Handlung sowie Zeitsprünge. Für die Rolle von Monsieur II verpflichtete er den jungen Schriftsteller Antonin Artaud, der mit diesem Film eine Karriere als Schauspieler startete.

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Im Kino in der Brotfabrik: DER GROSSE DIKTATOR

»Chaplins erster Film, der von allen Möglichkeiten des Tons Gebrauch machte, ist eine beißende Satire auf Hitler und Nazideutschland. Chaplin spielt eine Doppelrolle als Hynkel, der Diktator von Tomania - eine brillante Karrikatur Hitlers-, und als der jüdische Friseur, der noch starke Züge des Tramps trägt.« (rororo-Filmlexikon)

Aufführungen: Fr 29.8. und Sa 30.8. um 19.00 Uhr, Brotfabrik [Reservierung]

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Die Musiker

Alle Aufführungen im Arkadenhof der Universität werden durch renommierte Stummfilmmusiker live begleitet. Lernen Sie hier die Musiker kennen, die bei den Internationalen Stummfilmtagen spielen.

Foto: Gilles Soubeyrand

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