Donnerstag, 14. August 2008
21.00 Uhr - Arkadenhof
USA 1924; Regie: Fred C. Newmeyer, Sam Taylor; Drehbuch: Sam Taylor, Ted Wilde, Tim Whelan; Kamera: Walter Lundin, Henry N. Kohler; Darsteller: Harold Lloyd, Jobyna Ralston, Richard Daniels, Carlton Griffin, Mickey Daniels, Nola Dolberg, Judy King, Charles Stevenson; Produktion: Harold Lloyd Corporation; Premiere: 20.4.1924; Farbe: schwarzweiß; Länge: 2.266 Meter, 82 Minuten (24 B/s); Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Aljoscha Zimmermann (Flügel) und Sabrina Hausmann (Violine)
Was als romantische Komödie über einen verträumten Schneidergesellen beginnt, der in seiner Phantasie zum Frauenhelden wird, endet mit einer halsbrecherischen Jagd per Auto, Feuerwehr, Straßenbahn und Pferdekutsche quer durch Los Angeles. MÄDCHENSCHEU war einer der größten Erfolge Harold Lloyds, des neben Chaplin beliebtesten amerikanischen Stummfilmkomikers. Sein furioses Finale war Vorlage für die Schlußsequenz in DIE REIFEPRÜFUNG mit Dustin Hoffman, bei der Lloyd als Berater mitwirkte.
Kanada 2000; Regie: Guy Maddin; Drehbuch: Guy Maddin; Kamera: Guy Maddin, deco dawson; Darsteller: Leslie Bais, Caelum Vatnsdal, Shaun Balbar, Greg Klymkiw, Tammy Gillis, Carson Natrass; Produktion: Niv Fichman, Judy Shapiro, Jennifer Weiss; Premiere: 7.9.2000 (Toronto); Farbe: schwarzweiß; Länge: 6 Minuten (24 B/s); Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Tonspur
Es gab in den letzten Jahren viele Versuche, Stummfilme zu imitieren, doch diese zeigen in aller Regel ein erschreckendes Unverständnis: Es reicht eben nicht, einen Film in Schwarzweiß und ohne Dialoge herzustellen, um die Stummfilmästhetik zu erfassen. Guy Maddin gelingt in seinem furiosen Trailer eines fiktiven Stummfilms mit Hilfe digitaler Bildbearbeitungseffekte und der stampfenden Musik eines legendären sowjetischen Kompilationsfilms eine hypnotische Wirkung, die dem Stummfilm nahekommt.
Freitag, 15. August 2008
21.00 Uhr - Arkadenhof
Deutschland 1919; Regie: Fritz Lang; Drehbuch: Fritz Lang; Kamera: Karl Freund, Emil Schünemann; Bauten: Otto Hunte, Karl Ludwig Kirmse, Hermann Warm, Heinrich Umlauff; Darsteller: Carl de Vogt, Ressel Orla, Lil Dagover, Georg John, Rudolf Lettinger, Thea Zander, Reiner Steiner, Friedrich Kühne, Edgar Pauly, Meinhard Maur, Paul Morgan, K.A. Römer, Paul Biensfeldt; Produktion: Decla-Film, Berlin; Premiere: 3.10.1919; Farbe: mehrfarbig viragiert; Länge: 1.657 Meter, 80 Minuten (18 B/s); Zwischentitel: tschechisch mit deutscher Übersetzung; Musikbegleitung: Aljoscha Zimmermann (Flügel) und Sabrina Hausmann (Violine)
Ein Abenteuerspektakel, in dessen Mittelpunkt der verwegene Kay Hoog, ein Vorfahre von Indiana Jones, und die Jagd nach einem unterirdischen Inka-Schatz stehen, hinter dem auch eine chinesische Geheimorganisation her ist. Eine Jagd um die Welt beginnt, gespickt mit tollkühnen Kämpfen und aufregenden Verfolgungen. Der Film, von dem nur im tschechischen Filmarchiv Material erhalten ist, wurde in jahrelanger Arbeit neu restauriert und wieder mit seinen ursprünglichen Einfärbungen versehen.
22.30 Uhr - Arkadenhof
Deutschland 1920; Regie: Fritz Lang; Drehbuch: Fritz Lang; Kamera: Karl Freund; Bauten: Otto Hunte, Karl Ludwig Kirmse, Hermann Warm, Heinrich Umlauff; Darsteller: Carl de Vogt, Ressel Orla, Lil Dagover, Georg John, Rudolf; Lettinger, Thea Zander, Reiner Steiner, Friedrich Kühne, Edgar Pauly, Meinhard Maur, Paul Morgan, K.A. Römer, Paul Biensfeldt; Produktion: Decla-Film, Berlin; Premiere: 6.2.1920; Farbe: mehrfarbig viragiert; Länge: 2.486 Meter, 108 Minuten (20 B/s) ; Zwischentitel: tschechisch mit deutscher Übersetzung; Musikbegleitung: Aljoscha Zimmermann (Flügel) und Sabrina Hausmann (Violine)
Der zweite Teil der SPINNEN konzentriert sich in seiner Gestaltung mehr auf Innenräume und deutet die Visionen der späteren Filme Fritz Langs, DR. MABUSE, METROPOLIS und SPIONE, bereits an: Unter dem Chinesenviertel von San Francisco, in dem die Organisation der Gegenspieler Kay Hoogs ihre Zentrale betreibt, liegt eine unterirdische Stadt, in der das Verbrechen regiert. Die Jagd nach einem diamantenen Buddha-Kopf endet auf den Falklandinseln - gefilmt in der Märkischen Heide bei Berlin.
Samstag, 16. August 2008
21.00 Uhr - Arkadenhof
Japan 1933; Regie: Mikio Naruse; Drehbuch: Mikio Naruse, Tadao Ikeda; Kamera: Suketaro Ikai; Darsteller: Sumiko Kurishima, Teruko Kojima, Tatsuo Saito, Atsushi Arai, Mitsuko Yoshikawa, Takeshi Sakamoto, Kenji Oyama, Shigeru Ogura, Choko Iida, Ranko Sawa; Produktion: Shochiku Kinema Kenkyûjo; Premiere: 8.6.1933; Farbe: schwarzweiß; Länge: 1.754 Meter, 64 Minuten (24 B/s); Zwischentitel: japanisch mit englischer Übersetzung; Musikbegleitung: Aljoscha Zimmermann (Flügel)
Eine starke Frau steht im Mittelpunkt des Films, der als der stilistisch geschlossenste Stummfilm Mikio Naruses gilt: Omitsu arbeitet als Hostess in einer Bar, um sich und ihren Sohn über Wasser zu halten. Als eines Tages ihr arbeitsloser Mann Mizuhara wieder auftaucht, akzeptiert sie ihn nur widerwillig. Naruse erzählt seine Geschichte rein visuell. Die ursprüngliche Anfangssequenz, in der Omitsu aus dem Gefängnis entlassen wird, wo sie wegen Prostitution einsaß, wurde von der Zensur geschnitten.
22.30 Uhr - Arkadenhof
USA 1923; Regie: Fred C. Newmeyer, Sam Taylor; Drehbuch: Hal Roach, Sam Taylor, Tim Whelan; Kamera: Walter Lundin; Darsteller: Harold Lloyd, Mildred Davis, Bill Strother, Noah Young, Westcott B. Clarke, Mickey Daniels, Anna Townsend, Charles Stevenson, Fred C. Newmeyer; Produktion: Hal Roach Studios; Premiere: 1.4.1923; arbe: schwarzweiß; Länge: 1.852 Meter, 73 Minuten (22 B/s) Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Joachim Bärenz (Flügel) und Christian Roderburg (Schlagzeug)
Um Karriere zu machen, geht Harold Lloyd in die Großstadt, wo er aber nur einen Job als kleiner Kaufhausangestellter findet. Als seine Braut, der er regelmäßig Briefe mit erfundenen Berichten über seinen beruflichen Erfolg schreibt, zu Besuch kommt, muß er sich einiges einfallen lassen. AUSGERECHNET WOLKENKRATZER ist Lloyds berühmtester Film: Das Bild, das ihn am Zeiger einer Hochhausuhr zeigt, ist in die Filmgeschichte eingegangen. Der Film besticht durch perfektes Timing und eine Fülle visueller Gags.
Sonntag, 17. August 2008
15.00 Uhr - Rheinisches LandesMuseum Bonn
Die Veranstaltungen im Rheinischen Landesmuseum sind kostenpflichtig. Sie können für diese Veranstaltung online Karten reservieren.
Max Neufeld, der 1904 als Schauspieler im Theater debütierte, dann zum Film wechselte und zwischen 1919 und 1957 mehr als 60 Filme als Regisseur gedreht hat, ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Das Filmarchiv Austria hat viele seiner Stummfilme restauriert, ihm eine Retrospektive gewidmet und ein Buch über ihn herausgebracht, so daß wir heute einen Regisseur mit persönlicher Handschrift wiederentdecken können. Nikolaus Wostry stellt den Regisseur, seine Filme und ihre Restaurierung vor.
17.00 Uhr - Rheinisches LandesMuseum Bonn
Die Veranstaltungen im Rheinischen Landesmuseum sind kostenpflichtig. Sie können für diese Veranstaltung online Karten reservieren.
Die musikalische Begleitung ist entscheidend für die Wirkung eines Stummfilms. Da nur in seltenen Fällen originale Noten erhalten sind, muß jeder heutige Musiker eine neue Begleitung finden, mit der er die Filme - indem er z.B. Spannungsbögen unterstreicht und Figuren charakterisiert - dem Publikum näher bringt. In seinem Vortrag gewährt Neil Brand Einblicke in seine Arbeitsweise und führt anhand eines Beispiels mit Live-Kommentierung vor, wie er seine Musik aus dem Moment heraus entwickelt.
21.00 Uhr - Arkadenhof
UdSSR 1930; Regie: Jakow Protasanow; Drehbuch: Jakow Protasanow, nach Motiven des gleichnamigen Romans von Harald Bergstedt; Kamera: Pjotr Jermolow; Bauten: Sergej Koslowski, Wladimir Baljusek; Darsteller: Anatoli Ktorow, Igor Iljinski, Mikhail Klimow, Maria Strelkowa, Igor Arkadin, Anatoli Gorjunow, Wladimir Uralski, N. Wassilijewa, Feofan Schipulinski; Produktion: Meshrabpomfilm, Moskau; Premiere: 25.8.1930; Farbe: schwarzweiß; Länge: 2.322 Meter, 102 Minuten (20 B/s); Zwischentitel: russisch mit deutscher Übersetzung; Musikbegleitung: Joachim Bärenz (Flügel)
Eine böse Satire auf die Geschäfte mit Religion und Heiligen, die von Vertretern der Kirche betrieben werden. Zwei Gauner brechen aus dem Gefängnis aus und mischen sich auf der Flucht vor der Polizei unter die Menschenmassen, die zu einem Wallfahrtsort pilgern. Der Komiker des russischen Stummfilms Iljinski brilliert in einer Paraderolle. Der Regisseur Jakow Protasanow schuf einige der populärsten Filme des sowjetischen Stummfilmkinos - zu denen auch DAS FEST DES HEILIGEN JÜRGEN zählt.
Frankreich 1898; Regie: Georges Hatot, Louis Lumière; Kamera: Alexandre Promio; Darsteller: Bretteau; Produktion: Lumière; Premiere: Anfang 1898; Farbe: schwarzweiß; Länge: 196 Meter, 11 Minuten (16 B/s); Zwischentitel: keine; Musikbegleitung: Joachim Bärenz (Flügel)
Ein früher, für seine Zeit ungewöhnlich langer und aufwendig gestalteter Jesus-Film aus der Produktion der Gebrüder Lumière. In 13 Tableaus, die von der Geburt Jesu bis zu seiner Auferstehung reichen, agieren die Schauspieler vor gemalten Kulissen, deren Begrenzungen im Bild deutlich zu sehen sind. Ursprünglich wurden die jeweils nur eine Minute langen Bilder als Einzelfilme vorgeführt, so daß der Film, der Auftakt unzähliger Jesus-Filme, auch als Vorform der späteren Form des Serials gesehen werden kann.
Montag, 18. August 2008
21.00 Uhr - Arkadenhof
USA 1925; Regie: King Vidor; Drehbuch: Laurence Stallings, Harry Behn; Kamera: John Arnold; Darsteller: John Gilbert, Renée Adorée, Hobart Bosworth, Claire McDowell, Claire Adams, Robert Ober, Tom O'Brien, Karl Dane, Rosita Marstini; Produktion: Metro-Goldwyn-Mayer Corporation; Premiere: 5.11.1925 (Grauman's Egyptian Theatre, Hollywood); Farbe: schwarzweiß mit viragierten und kolorierten Sequenzen; Länge: 3.423 Meter, 149 Minuten (20 B/s); Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Neil Brand (Flügel)
Einer der erfolgreichsten Stummfilme liegt nun wieder in der neu rekonstruierten Premierenfassung mit eingefärbten Sequenzen vor. Die Geschichte eines Sohnes aus gutem Hause, der 1917 in den Krieg nach Frankreich zieht, ist auch heute noch ein ungemein fesselndes Erlebnis. King Vidor, der sich von Kriegsveteranen beraten ließ, gelang es wie nur wenigen Filmemachern nach ihm, das Kriegsgeschehen ohne Beschönigung erfahrbar zu machen und mit anrührenden menschlichen Schicksalen zu verbinden.
Nun ist trotz aller Proteste der große amerikanische Film zum erstenmal in einem deutschen Lichtspieltheater gelaufen, wenigstens offiziell. Es muß festgestellt werden, daß in der jetzigen Bearbeitung nichts mehr übrig geblieben ist, was irgendwie Anlaß zu Bedenken oder Beschwerden geben könnte, es muß aber ebenso betont werden, daß die jetzige Fassung nicht mehr mit dem Original übereinstimmt, daß vielmehr jetzt eine revidierte, geläuterte Ausgabe vorliegt, die nichts mehr mit Deutschfreundlichkeit oder Deutschfeindlichkeit zu tun hat, aus der vielmehr alles, was Partei sein könnte, restlos geschieden ist.
Was jetzt übrig blieb, ist eine Liebesgeschichte. Die Erzählung von dem Engländer oder Amerikaner, der sich in eine Französin verliebt, der sie auch heiraten möchte, wenn nicht gerade im entscheidenden Augenblick ein Brief von der Braut überm Wasser einträfe.
Er zieht in die Schlacht, wird verwundet, kommt am Kriegsende nach Hause, wo sich herausstellt, daß die Braut inzwischen den Bruder liebergewonnen hat wie ihn.
Er selbst, verkrüppelt, kehrt nach Frankreich zurück, um das Mädchen, das er während des Krieges liebgewann, als Frau nach Hause heimzuführen. Selbstverständlich liegt der große Wert dieses Films nicht etwa in der Handlung, vielmehr in der ganzen Art, wie dieses Bild dargeboten ist. Die schauspielerischen Leistungen bewegen sich auf beachtlicher Höhe. Die reinen Spielszenen sind von tiefer Wirkung, eindringlich und selten gut gesteigert. Dazu gibt es die beliebten amerikanischen großangelegten Kriegsbilder. Pulverdampf, Kugelregen, Tanks, Nahkämpfe im Schützengraben, Leuchtraketen und alles das, was dem Arsenal des modernen Films für solche Zwecke zur Verfügung steht.
Bewundernswert die Anordnung der Massen, von selten starker Wirkung die anrückenden Autokolonnen in die vordersten Reihen, der Marsch der Krieger von der Etappe in die Stellung und eine Reihe von anderen Augenblicksbildern.
Malerisch der Blick in die Kirche, die zum Lazarett umgewandelt ist, wundervoll in der Stimmung auch die Szene am Schluß, wo der Engländer weit über das Gelände, anscheinend im Abendlicht, der Geliebten entgegenschreitet.
Jeanne, die kleine Französin, wird von Renee Adoree gegeben. Sie ist keines der ausdruckslosen Girls, von denen in amerikanischen Filmen so oft dreizehn auf das Dutzend gehen. Sie ist lebendig, frisch, schelmisch, und hat auch für die dramatischen Szenen große Ausdruckskraft.
Ausgezeichnet auch John Gilbert als ihr Partner Jim Apperson, ebenso gut am Anfang als verwöhntes Muttersöhnchen wie später, als gereifter Mensch. Werner R. Heymann schrieb zu diesem großen amerikanischen Film eine absolut europäische Musik. Er verwendete selbstverständlich bekannte Motive, läßt einmal Märsche, dann wieder lyrische Intermezzi erklingen und verstärkte durch die ganze Art der musikalischen Anlage die Wirkung. Es gab zum Schluß Beifall, und es hat den Anschein, als ob das deutsche Publikum diesen Film trotz allem, was vorher darüber geschrieben wurde, in seinen Theatern mit großem Interesse sehen wird.
(Quelle: Kinematograph, 21.Jg., Nr.1079, 23.10.1927)
Die große Parade
Von einem gelegentlichen New-Yorker Mitarbeiter, Dr. Hanns Joachim Seidel, erhalten wir einen ausführlichen Bericht über den vielumstrittenen Film "The big Parade", dem wir folgende Abschnitte entnehmen:
Zur Unterrichtung der deutschen Kinobesucher sei auf den Inhalt dieses Dramas etwas eingegangen. Der Programmzettel bezeichnet den Film folgendermaßen: "Prächtig, bedeutungsvoll, drollig, schrecklich, häßlich, wundervoll, heroisch, entzückend. Es ist nicht nur ein Drama, sondern Leben! - - Nicht nur für Amerika, sondern für jedermann dasjenige, was das menschliche Herz erschüttert." Wie sieht nun dieser prächtige, drollige, entzückende Film aus? Es sei nicht auf die übliche Kriegsliebesgeschichte eines amerikanischen Soldaten mit einer Französin, die den Hintergrund bildet, eingegangen. Es ist ein bis zur höchsten Realistik gesteigerter Kriegsfilm, er zeigt Amerikaner und Deutsche im Kampf. Aber wie zeigt er beide? Die Amerikaner spazieren Arm in Arm mit gefälltem Bajonett gummikauend, lachend und Witze reißend vor gegen die "Hunnen". Die hinterlistigen Hunnen dagegen sitzen auf allen Baumgipfeln mit ihren Maschinengewehren, der ganze Wald ist gespickt voll mit ihnen. Die Hunnen schießen wie wild (im Ernstfall würde nicht einer der Stürmenden auch nur einen Schritt vor getan haben, so schnell wären sie niedergemäht). Nur ganz vereinzelt fällt ein Amerikaner (es würde ja dem Publikum sonst nicht gefallen), bis sie auf Schrittnähe an die M.-G.-Nester herankommen, um dann eine Handgranate in die Baumkronen ausgerechnet so zu werfen, daß sie oben hängenbleibt, explodiert und die Deutschen wie Auerhähne heruntergeholt werden. Das übrige wird dann mit dem Bajonett sehr gründlich besorgt. Es ist selbstverständlich, daß deutsche Handgranaten geistesgegenwärtig zurückgeworfen werden und daß die feigen Hunnen bei den gemütlich heranspazierenden Amerikanern sofort alle die Hände hochheben und überlaufen. Eine Szene hat mich aber, der ich selbst den Westkampf in seinen schrecklichsten Momenten kennen gelernt habe, besonders mit tiefer Verabscheuung berührt. Ein leicht verwundeter Amerikaner findet im nächtlichen Trichterfeld einen jungen, blonden, schwerverwundeten Deutschen. Wie ein wildes Tier stürzt er auf ihn zu, schüttelt den Halbtoten ab wie einen Hasen, zieht seine Waffe und wedelt damit vor dem um sein nacktes Leben Flehenden herum, bis er endlich das Hunnengesicht herumreißt, damit er es nicht mehr zu sehen braucht. -
Die Goldwyn-Mayer Production war sicher nicht im westlichen Großkampf, sonst würde sie wissen, daß selbst im mörderischen Schlachten zwei todwunde Gegner, und wäre der eine selbst ein Schwarzer, sich zusammengefunden hätten zu einer Kameradschaft des Todes. Wo war da Haß und Rache, wenn beiden das warme Blut aus ihren Wunden rann? Waren es nicht gerade die tiefsten und ergreifendsten Augenblicke inmitten dieser Hölle, die uns noch an ein Menschentum glauben ließen?
Goldwyn-Mayer wissen es besser, und mit ihnen wissen es nun auch im Jahr 1925/1926 die Amerikaner wieder. Auf ihren Gesichtern sieht man Genugtuung, wenn die Hunnen hingemäht werden und das weite Feld bedecken. Nur zwei ehemalige Soldaten, die in meiner Nähe saßen, schimpften laut los. Wir haben den Krieg verloren, Goldwyn-Mayer haben gesiegt; und die amerikanischen Zeitungen triumphieren. Immerhin gibt es einige, die sich nicht zu sagen scheuen, daß man schließlich auch mit anderen Filmen Geschäfte machen kann.
[Hanns Joachim Seidel]
(Quelle: Kinematograph, 20.Jg., Nr.998, 4.4.1926)
Die große Parade.
Uraufführung U.T., Kurfürstendamm.
Und nun hat auch das deutsche Publikum seit dem gestrigen Abend Gelegenheit, jenen Film zu sehen, der, wie kein zweiter, im Laufe der letzten zwei Jahre die Gemüter aufgewühlt hat - "Die große Parade" King Vidors. Nach allem Vorangegangenem war diese Premiere in Deutschland fraglos ein Experiment. Und dieses Experiment ist gelungen. Keine Opposition regte sich im festlich gestimmten U.T., Kurfürstendamm. Mochte man es auch nicht recht verstehen, wenn sich ein paar klatschende Hände regten, als die unübersehbare Kolonne der mit Soldaten beladenen Lastautos zur Front rollte - ein Bild, das nicht frohen Applaus, sondern eher den bitteren Gedanken auslösen mußte, daß wir dieser erdrückenden Übermacht an Menschen und Material unterlegen sind: so war um so echter der tosende Beifall, in den auch der Rezensent einstimmte, als ein paar gutsitzende Titel den Protest gegen den Wahnsinn des Völkermordens, gegen Verlogenheit des Hurra-Patriotismus in die Welt hinausschrien. Zum Schluß des Films löste sich die starke Ergriffenheit der Zuschauer nochmals in starkem Beifall.
Eine eingehende kritische Würdigung dieser gewaltigen Leistung behalten wir uns für unsere Montagsausgabe vor.
H. W-g. [= Hans Wollenberg]
(Quelle: Lichtbildbühne, 20.Jg., Nr.253, 22.10.1927)
Die große Parade
Der Metro-Großfilm im U.F. Kurfürstendamm
Es erübrigt sich über den Verlauf der mit Spannung erwarteten Freitag-Premiere dieses Films noch zu sprechen - es ist dies bereits in einer Vorkritik unserer Sonnabend-Nummer geschehen. Heute handelt es sich darum, dieses Werk als solches, rein kritisch und losgelöst aus allen politischen Zusammenhängen und Gedankengängen an sich zu würdigen. Es gibt nicht allzuviel Filme, die einem zweimal zum Erlebnis werden können. Nach der Vorstellung der "Großen Parade" am 14.Juni im geschlossenen Kreis war für uns der Film am Freitag kein neuer, erstmaliger Eindruck. Er hat darum an Wirkung nicht verloren. Er hat auch zum zweiten Male gepackt - über die größere Distanz hinweg, mit der man ihm bei einer zweiten Besichtigung gegenüberstand.
Die Geschichte ist äußerst schlicht, die dem Film zugrundeliegt, und gerade darin liegt vielleicht das Geheimnis des ungewöhnlichen Erfolges. Die Primitivität der erfundenen Handlung verstärkt im Zusammenhange mit dem gewaltigen Naturalismus, in welchem das Kriegsgeschehen nachgestaltet ist, jene Illusion der Wirklichkeit bis zur Vervollkommnung, hinter der das Bewußtsein: Du siehst "nur einen Film" - völlig verdrängt wird.
Drei junge Männer: ein Bauarbeiter auf hohem Gerüst - ein Geschirrwäscher - und der verwöhnte Sohn eines reichen Vaters: in drei alltägliche Menschenleben greift jäh der Krieg hinein. Die Uniform nivelliert - macht sie zu Brüdern. Man spürt noch einmal - was man als Soldat so oft empfunden - angesichts dieses Films vielleicht noch bewußter: der Krieg ist eine riesige unerbittliche Maschine - und wer in diese Maschinerie hineingerät, hört auf, er selbst - Individuum - zu sein; wird in dem Räderwerk mit all den anderen zu einer einzigen willenlosen, gleichförmigen, unzweckhaften Masse zusammengeschmolzen.
Die drei kommen nach Frankreich ins Bürgerquartier. Triebhaft vegetieren sie von einem Tag zum anderen - wie du und ich als Soldat draußen gelebt haben. All das wird noch einmal in diesem Film mit überwältigender Realität lebendig. Der feldgraue Humor des militärischen Alltags steht wieder auf, erweckt durch eine unerhörte Beobachtungsgabe. Aber ein Humor, der zu echt ist, um, auf dem tragisch-düsteren Hintergrund "Krieg", zu verletzen - Widerspruch hervorzurufen.
In der derben Gestalt eines hübschen französischen Bauernmädels greift die Liebe in das vegetative Soldaten-Dasein des einen hinein, der früher einmal ein reicher junger Amerikaner war und drüben eine Girl-Braut sitzen hat. Da schmettert es Alarm. Und nun kommt eine der gewaltigsten Situationen, die filmische Kunst je erfand und gestaltete, - eine Szene, um deretwillen allein schon dieser Film gesehen werden muß: Der Abschied der dunklen Französin von ihrem amerikanischen Liebsten - ein Bild, in dem alles Weh, alles Herzeleid, alle Grausamkeit der Welt zusammengedrängt ist zu einer aus tiefsten Herzzuckungen aufstöhnenden Symphonie.
Folgen die gigantischen Bilder vom Anmarsch der amerikanischen Truppen, Vormarsch in Schützenlinien - Trichterfeld, Schlamm, Dreck, Blut - Gräben - feuernde Geschütze, einschlagende Gasgranaten, funkende Flieger - geisternde Scheinwerfer - das Höllen-Orchester des modernen Krieges in einer noch nicht im Film erlebten Steigerung. Hier ist es das immense technische Können, das restlos Bewunderung abzwingt.
Der Bauarbeiter, der Geschirrwäscher fallen auf Schleichpatrouille. Der Dritte der drei Getreuen wird schwerverwundet. In der als Lazarett eingerichteten Kirche finden wir ihn wieder. Hier hört er, daß das Dorf seiner geliebten Jeanne umkämpft ward. Mit dem frischverbundenen Bein humpelt er dorthin - findet es in Ruinen, von den Bewohnern geräumt - ohnmächtig bricht der Verwundete nieder - Sanitätstruppen lesen ihn auf. Der Krieg ist vorbei. Am Krückstock - mit einem Bein - kehrt er ins Vaterhaus zurück. Sein Herz blieb in Frankreich bei dem dunklen Bauernmädel. Und Mutterliebe weist ihm den Weg. Er kehrt dorthin zurück, wo er einst im Quartier lag, als feldgraue Nummer - findet sie wieder - jubelnd, selig - für immer.
An King Vidors Regie ist für den Fachmann bewundernswert, wie er die Gestaltungsfähigkeit ganz großer, in diesen Dimensionen noch nie gesehener Tableaus in sich vereint mit der Gabe, subtilste Innenvorgänge in Heiterkeit und Schmerz durch eine Spielleitung von ungewöhnlicher Feinheit sichtbar zu machen. Man braucht nur die darstellerische Leistung John Gilberts, des eigentlichen Helden dieses Films, mit dem zu vergleichen, was wir sonst von Gilbert leider gewohnt sind, um den Niveau-Unterschied dieser Spielleitung und dieses Films gegenüber anderen zu ermessen. Ebenso Renée Adorée, die kleine Französin, die hier, weltfern von jeder Schablone und unter Verzicht auf alles, was amerikanische Konvention, Eleganz und Startum heißt, eine hinreißende Frauengestalt auf die Beine stellt. Ganz hervorragend, vielleicht die lebendigste Erscheinung dieses Films, ist der lange, ewig Gummi kauende Kamerad Slimm Karl Danes. Nicht verschwiegen darf werden der Name des dritten Getreuen O'Brien.
Daß die Kameraleute, die hier am Werke waren, eine Glanzleistung vollbracht haben, sei zum Schluß festgestellt.
H.W-g. [= Hans Wollenberg]
(Quelle: Lichtbildbühne, 20.Jg., Nr. 254, 24.10.1927)
Rich playboy Jim Apperson (John Gilbert) joins the army in a burst of patriotic fervor in the spring of 1917, only to discover that war is not an adventure but a horrific nightmare. The Big Parade was one of the most successful films of the 1920s (it played at New York City's Astor Theatre for nearly two years). It not only helped to establish the fledgling Metro-Goldwyn-Mayer studio, but also ushered in a series of 48 49 anti-war films (...). The film established King Vidor's reputation as a top Hollywood director, and elevated John Gilbert to stardom as a romantic lead, seriously challenging Rudolph Valentino's "great lover" status. (...) The authentic depiction of the war scenes was a triumph for the artists and technical crews, who took their lead from Laurence Stallings, a decorated veteran of the Great War who lost a leg in battle.Vidor always credited Stallings for "telling me more about the war than I got out of all the synopses and books. He had more stuff to tell - more knowledge for my purpose - than the Committee on Public Information's 750,000 feet of stored films, which my agent pored over in Washington." (...)
Anthony L'Abbate, Caroline Yeager
(Vollständiger Text/ Quelle: http://www.cinetecadelfriuli.org/gcm/ed_precedenti/edizione2006/edizione2006_frameset.html)
Vor einer Hochflut amerikanischer Kriegsfilme Der beste Film der kommenden Saison, so heißt es allgemein, ist King Vidors "The Big Parade" mit John Gilbert und Renee Andoree [!]. Es ist ein Metro-Goldwyn-Mayer-Film und wird binnen weniger Wochen seine Premiere in Graumanns Egyptian Theatre in Hollywood erleben, was an sich schon eine große Auszeichnung für einen Film bedeutet. Grauman hat in diesem Hause bisher nur Filme wie "Die Zehn Gebote", "The Covered Wagon", "The Goldrush", "The Thief of Bagdad" und "Robin Hood" gezeigt. "The Big Parade" ist ein Kriegsfilm, doch, wie es heißt, nicht chauvinistisch. Sein Erfolg wird eine Hochflut weiterer Kriegsfilme verursachen. Einer derselben, ein First National Film, mit dem Titel "The Viennese Medley" (Wiener Poutpurri [!]), ist bereits fertiggestellt. Die Regie ist von einem Deutschen, Kurt Rehfeld, unter der Aufsicht von June Mathis geführt worden. Der Film behandelt die Zustände in Wien während der Inflationsperiode. Paramount hat ebenfalls einen Kriegsfilm begonnen: "Behind the Front" (Hinter der Front), doch ist dies ein Lustspiel mit Wallace Beery und Raymond Hatton.
(Quelle: Film-Kurier, 7.Jg., Nr.262, 6.11.1925)
Ein deutschfeindlicher Akt.
(Sonderbericht des Film-Kurier)
Wie uns aus Newyork gekabelt wird, gestaltete sich die Premiere "The Big Parade" in Hollywood zu einem gesellschaftlichen Ereignis - aber für Deutschland zu einem höchst bedauerlichen, skandalösen Vorfall, wie man ihn zwischen Amerika und Deutschland für unmöglich gehalten hätte. Der Film "Die große Parade" hat ausgesprochen deutschfeindliche Tendenz. Er bezeichnet in seinen Titeln die deutschen Soldaten
als Hunnen.
Auf der Bühne im Vorspiel wurde neben anderen Persönlichkeiten der Zeitgeschichte
Hindenburg
gezeigt. Ob auch diese Darbietung verletzenden Charakter trug, konnten wir bisher nicht ermitteln.
Wir sehen uns genötigt, zunächst diese Tatsachen der Oeffentlichkeit bekannt zu geben.
Die notwendigen Schritte gegen die verantwortlichen Inszenatoren sind, wie wir annehmen, auch vom Auswärtigen Amt bereits eingeleitet.
(Quelle: Film-Kurier, 7.Jg., Nr.269, 14.11.1925)
Nicht deutschfeindlich?
Auf die Mitteilung in der Sonnabendnummer des "Film-Kurier", die von einer aus Newyork stammenden Information über einen deutschfeindlichen Film berichtete, erhalten wir aus Hollywood gekabelt, daß "The big parade" im Gesamtcharakter nicht deutschfeindlich sei und sich jeglicher Propaganda enthalte.
Durch diese Kabelmeldung sind unsere Informationen leider noch nicht entkräftet, wir glauben aber zu wissen, daß infolge unseres Protestes der Film in seinen Titeln gemildert worden ist. Sobald weitere Mitteilungen vorliegen, werden wir nähere Einzelheiten bekanntgeben.
(Quelle: Film-Kurier, 7.Jg., Nr.270, 16.11.1925)
Der Hunnen-Film.
Hollywood, den 7. November.
(Von unserem Korrespondenten.)
Das Ereignis der Woche war die Weltpremiere des Metrofilms "The Big Parade", über die ich bereits kurz gekabelt habe. Der Film selbst - vom künstlerischen Standpunkt gesehen - ist ein echtes Kunstwerk, ein Erlebnis, das man nicht so bald vergißt, besonders wenn man auch im Feld gewesen ist und das wahre Gesicht des Krieges zu sehen bekommen hat. Zum erstenmal, daß im Film ein realistisches Bild des Weltkrieges geboten wird, ein Bild, das sogar "Jaccuse" in seiner technischen Vollkommenheit übertrifft. Schade, daß dieses geniale Produkt King Vidors, der auch darstellerisch aus seinem Ensemble mit Renee Adoree und John Gilbert an der Spitze erstklassige Leistungen herausgeholt hat, nicht in Deutschland gezeigt werden kann, denn skrupellose Profitpolitik hat den Film derart raffiniert geschnitten und getitelt, daß er für die naiven Hurrapatrioten und Deutschenhasser ein erwünschter Anlaß zu antideutschen Gefühlsausbrüchen ist. - Es kommt unter anderem ein Titel vor, in dem die deutschen Soldaten mit "verdammten, dreckigen Hunnen" apostrophiert werden. Ich bin überzeugt, daß diese tendenziösen Entgleisungen weder im Sinne des Regisseurs oder des Autors waren, noch Gnade vor dem Zensor gefunden hätten. (In Kalifornien gibt es keine Zensuren.) Aber von der Metro-Direktion hätte man schließlich soviel Takt erwartet, daß sie, die mit Deutschland Geschäfte - und nicht gerade die schlechtesten - macht, dafür Sorge trägt, daß diese schamlose Beschimpfung eines ihrer besten Kunden erspart geblieben wäre.
Sid Grauman, der Direktor des Egyptian Theaters in Hollywood, hat wieder einmal den Beweis geliefert, daß er mit Recht als der fähigste Show-man Amerikas bezeichnet wird. Er hat durch eine noch nie dagewesene Straßenpropaganda mit Hilfe starken militärischen Aufgebots jeder Waffenkategorie die Aufmerksamkeit des Publikums und der Presse, somit also ganz Amerikas, auf den Film gelenkt.
Freilich durchkreuzt auch er die pazifistischen Bestrebungen des durch seine Satire "What Price Glory?" bekannten Dramatikers Lawrence Stallings und überschreit durch seine Reklame für die amerikanische Armee den Ruf: "Die Waffen nieder!".
Ein selbst in Hollywood nicht gesehenes Bild bot das festliche Parkett, in dem alles, was Namen in der Filmindustrie hat, vertreten war. In dem Prolog auf der Bühne erschien in einem Tableau "Männer, die die Geschichte machen". Neben Wilson, Foch, Diaz, Pershing, Joffre und anderen Berufsgenossen ..... General-Feldmarschall Hindenburg in lebensechter Maske. Bezeichnend, ist, daß das übrigens hervorragend aufgebaute Szenario von einem Deutschamerikaner Harry Behn, einem Schüler des Intendanten Jeßner, geschrieben wurde und seine erste filmische Tätigkeit darstellt. Man kann also von diesem Neuling noch große Dinge erwarten.
Selbstverständlich wird dieser Film in der patriotischen Aufmachung ein Bombenschlager für die amerikanischen und alliierten Kinos.
[Hanns Winter]
(Quelle: Film-Kurier, 7.Jg., Nr.280, 28.11.1925)
Diplomatischer Erfolg in U.S.A.
Auf Grund des Berichtes unseres Hollywooder Vertreters Hanns Winter über die Premiere des Metro-Kriegsfilms "Die große Parade" wurden die antideutschen Szenen und Titel ausgemerzt, der Film in dieser neuen Fassung Vertretern der deutschen Gesandtschaft, des Konsulats und der deutsch-amerikanischen Vereine vorgeführt, so daß tatsächlich gegen die Vorführung dieses Meisterwerkes nichts einzuwenden ist. Es ist erfreulich, daß die Metro auf Grund des Protestes im "Film-Kurier" für diese Korrektur gesorgt hat, denn es wäre ein Jammer gewesen, wenn dieses ausgezeichnete Bild wegen einiger mit der Handlung nicht zusammenhängender Entgleisungen dem deutschen Publikum vorenthalten worden wäre.
(Quelle: Film-Kurier, 8.Jg., Nr.45, 22.2.1926)
Amerikas Europa-Spekulation
Von Robert Ramin.
(...) Die leitenden Köpfe der Metro-Goldwyn-Mayer-Corp., die, wie so viele Filmamerikaner, aus den früheren österreichischen Kronländern oder den daran grenzenden Ländern stammen, gebärden sich seit einiger Zeit so hundertprozentig, als ob sie der Ku-Klux-Klan selber wären. Sie haben - nachdem Kriegsfilme seit den Erfolgen des "Schwarzen Engels" wieder einmal Mode sind - in der "Big Parade" einen Film hergestellt, der von Taktlosigkeiten wimmelte und eine deutliche Tendenz gegen Deutschland aufwies. Dieser Film ist jetzt in deutschfeindlicher Tendenz vom "Mare nostrum" übertroffen worden, (...). (...)
(Quelle: Kinematograph, 20.Jg., Nr.995, 14.3.1926)
Deutschland - Amerika
Bislang haben wir die Polemik der L.B.B. gegen uns nur von der humoristischen Seite betrachtet. (...) Daß der "Film-Kurier" "einem ausgesprochenen Hetzfilm gegen Deutschland das Leben gerettet hat", ist reiner Unsinn. Für Verfechter des "ernsten Journalismus" sollte es sich empfehlen, Stücke anzusehen oder durch Gewährsmänner ansehen zu lassen, bevor man sie verreißt und als "albernes, erfolgloses Machwerk" bezeichnet, "das von Gift und Galle gegen Deutschland strotzt". In Wirklichkeit ist "Big parade", "Die große Parade", ein technisch guter Film mit keinerlei deutschfeindicher Tendenz. Der auf unser Betreiben entfernte Zwischentitel war nicht etwa "deutschfeindlich", er konnte zu Mißdeutungen Anlaß geben, Grund genug für uns, seine Streichung zu veranlassen.
Wir nehmen an, daß im Kopfe des Herrn Wolfssohn [von der LBB] eine kleine Begriffstrübung eingetreten ist, die eine Verwechslung von "Big parade" und "Mare nostrum" veranlaßt hat. (...).
(Quelle: Film-Kurier 8.Jg., Nr.66, 18.3.1926)
Die große Parade
Geschlossene Vorführung und Abstimmung im Gloria-Palast
Nun kennen wir sie also auch, diese "Große Parade", die die Spalten der deutschen Presse leider so häufig gefüllt, die sogar amtliche Stellen im Auslande in Bewegung gesetzt hat. Wir von der Fachpresse wußten aber noch mehr von diesem Film: Wir wissen, daß er nicht nur in Amerika einen Geschäftsrekord aufgestellt hat, wie kaum ein zweiter Film. Die allerwenigsten aber wußten ein drittes und nicht minder interessantes Faktum: daß nämlich dieses Manuskript das erste Szenarium aus der Feder eines Journalisten ist, der mit einem abgeschossenen Bein aus dem Menschenmorden zurückkehrte und sein eigenes kleines Erlebnis im größten aller Kriege darin nachgestaltet hat. Dies alles war hinreichender Anlaß, einen auf diesen Film besonders neugierig zu machen. Die Metro und ihre deutsche Vertriebsfirma Parusamet gaben gestern einem geschlossenen Kreise, der sich aus den Männern der Presse, der Industrie und der Behörden zusammensetzte, Gelegenheit, diese Neugierde zu befriedigen.
Eines ist vorweg zu bemerken: der deutsche Bearbeiter hat - in jeder Hinsicht - ausgezeichnete Arbeit geleistet. Die Gestalt, welche er dem Film gegeben, die ausgezeichnete Betitelung usw. lassen nicht nur keine Bedenken aufkommen, sondern nötigen zu vollem Beifall. Und dieser Beifall brach gestern im Gloria-Palast mehrfach spontan aus. Was wir sahen, war
ein Film gegen den Krieg,
eine glühende, gerade durch ihre Sachlichkeit überzeugende Anklage wider das Massenmorden, von einer Durchschlagskraft, wie sie von keinem Roman, von keinem Manifest ausgehen kann, sondern nur im Film immanent ist. Man erlebt noch einmal das Schicksal des "Unbekannten Soldaten", des einfachen Mannes im grauen Rock, der seine Memoiren mit Blut in die flandrische Erde geschrieben hat. Und man nimmt wahr, daß sich dieses Schicksal jenseits der Drahtverhaue im gleichen Rhythmus, unter den gleichen Zuckungen abgespielt hat, wie auf unserer Seite. Man lebt mit den "Leuten" im Feldquartier, man stürmt mit ihnen vor im Stahlhagel der Maschinengewehre, man drückt sich mit ihnen in die lehmigen Wände der Granattrichter, fühlt das Sperrfeuer über den Kopf hindonnern, schleicht auf Patrouille mit ihnen durch den zerwühlten Dreck den feindlichen Gräben entgegen.
"Als wir auszogen, war Hurra-Geschrei, und als wir heimkehrten, war Hurra-Geschrei. Aber was dazwischen liegt, ist grenzenloses Unglück." So etwa lautet der Titel, der die Lehre dieses Films, seinen Sinn - wenn man will, seine "Tendenz" - zusammenfaßt. Hineingewebt in diesen gewaltigen Untergrund ist das Einzelschicksal eines englischen Soldaten, sein Liebeserlebnis mit einer französischen Bauerntochter, seine Verwundung, die ihn ein Bein, seine Heimkehr, die ihm die Verlobte kostet und ihn, nach Kriegsende, noch einmal in das alte Quartier zu seiner alten Liebe zurücktreibt, um sich für immer mit ihr zu vereinen. Das alles wird in einer schlichten, menschlichen Sprache erzählt, die ein jedes Herz rührt. Man vergißt, daß diese schmutzstarrenden Uniformen englische sind - es könnten deutsche sein. Das Erlebnis ist das gleiche, der Ton, der hier erklingt, ist nicht national gebunden. Es ist das Schicksal des Krieges überhaupt, das alle Völker betroffen, in deren Leben er eingriff.
Wir können nicht beurteilen, welche Elemente des Films seine Ablehnung durch deutsche Kreise im Auslande verursacht haben. Wir können nur feststellen, daß das Bild, welches man uns gestern im Gloria-Palast vorführte, zu den stärksten Erzeugnissen gehört, die die Filmkunst bisher jemals hervorgebracht hat. Und daß seinem Regisseur King Vidor ob dieser Leistung ein Platz in den Annalen der Filmkunst gehört.
H. W-g. [= Hans Wollenberg]
(Quelle: Lichtbildbühne, 20.Jg., Nr.142, 15.6.1927)
Die deutsche Presse für "Die große Parade"
Das Ergebnis der Abstimmung darüber, ob "Die große Parade" in den deutschen Kinotheatern aufgeführt werden solle oder nicht, lautet mit überwältigender Mehrheit: Ja! Es wurden insgesamt über 200 Stimmzettel nach Schluß der Vorstellung abgegeben. Für die Aufführung des Films war die sechsfache Zahl der Stimmen. Dabei blieben die Stimmzettel der unter den Pressevertretern anwesenden amerikanischen Journalisten unberücksichtigt.
(Quelle: Lichtbildbühne, 20.Jg., Nr.142, 15.6.1927)
"Die große Parade" in Berlin.
Vorschau im Gloria-Palast.
Gestern wurde vor geladenem Publikum der Metro-Film "Die große Parade" in einer Sonderbearbeitung für Deutschland gezeigt. Ein Buch, bei dem an den wertvollsten Stellen vier, fünf, Seiten fehlen, offenbar herausgerissen in der Absicht, uns den Inhalt eben dieser vier, fünf Seiten vorzuenthalten, erregt Mißstimmung und Verwirrung des Lesers und ein Film, bei dem fühlbare Lücken hineingeschnitten, wesensfremde Titel eingeschoben wurden, kann unmöglich einen reinen, geschlossenen Eindruck hinterlassen. Unter solchen Umständen wird die Beurteilung des Films erschwert, da man nicht wissen kann, wem man seine Mißstimmung zu verdanken hat: dem Original oder dem Bearbeiter.
Zweifellos wurde an vielen Stellen der Film nicht im Originalschnitt gezeigt, darüber hinaus liegen auch einige leichte Korrekturen der ursprünglichen Tendenz vor.
Wir zweifeln nicht daran, daß die Metro diesen Film in Deutschland herausbringen wird.
Er enthält, wie wir bereits mehrfach im "Film-Kurier" ausführten, keinerlei direkt deutschfeindliche Tendenz.
Die Etikette, daß er etwa ein Antikriegsfilm oder ein über den Nationen stehendes Werk ist, gibt sich der Film aber zu Unrecht. Tatsache ist, daß die "große Parade" sich insofern gegen Deutschland richtet, als der Aufmarsch der amerikanischen Truppen gegen unsere Soldaten, gegen unser Volk gezeigt wird.
Es darf nicht verkannt werden, daß der Film den antideutschen Offensivgeist kaschiert und daß die Granattrichterszene, in der der Amerikaner dem sterbenden Deutschen eine Zigarette reicht, eine wohltuende Geste ist.
Irgendeine ernstliche Veranlassung, den Film hinsichtlich seiner Aufführbarkeit zur Debatte zu stellen, lag im Gegensatz zu den antideutschen Hetzfilmen "Mare nostrum" und "Die vier apokalyptischen Reiter" überhaupt nicht vor. Die Abstimmung durch die Metro bedeutete daher lediglich einen gutgelungenen Reklametrick, eine Vorschau für Interessenten, die ungestört und ohne Zwischenfall verlief.
In den Arbeitervierteln Berlins und im Innern des Reiches wird freilich der einhellige Beifall von der Berliner Gedächtniskirche einige Opposition finden. Einmal, weil es trotz der durch die deutschen Sozialdemokraten bewilligten Kriegskredite von 1914 im Jahre 1927 doch mehr Kriegsgegner geben dürfte als Militaristen.
Zum zweiten, weil die Nationalisten ihrerseits an den Uniformen der Sieger im Weltkrieg Anstoß nehmen.
Reine Freude werden daher nur die Freunde des Films, die Kenner des Filmischen erleben. Denn nach der Seite des Dramaturgisch-Technischen hin hat der Film ohne Frage viele Meriten. Eine ausführliche kritische Würdigung des Films werden wir anläßlich seiner offiziellen Berliner Premiere veröffentlichen.
Auf jeden Fall ist das Rein-Filmische des Werkes das Erfreuliche, über Ehrlichkeit seiner Gesinnung wird man geteilter Meinung sein müssen. Der amerikanische Militarismus zeigt seinen Patriotismus im Gegensatz zu mancher abendländischen Kriegervereinsmeierei frisch-fröhlich, unbekümmert. Aber seine Schöpfer haben von den Leiden des deutschen Volkes in den Jahren 1914 bis 1918 keine Ahnung gehabt. Doch dieses deutsche Volk selbst hat ja schnell und ausgiebig vergessen.
Die Jugend wird von diesem Film in Deutschland lernen, wie lustig und "romantisch" der Krieg sei - - denn schließlich findet der "Held" sein Franzosenmädel, wenn er auch hinkt.
Trotz des Weltkrieges, trotz der Ozeane, die zwischen den Menschen liegen. So lustig - so "romantisch" war dieser letzte, wie wird der nächste Krieg sein?
(Quelle: Film-Kurier, 9.Jg., Nr.140, 15.6.1927)
Die Rekordeinnahmen der "Großen Parade"
Einer der größten Geschäftsfilme der Welt.
Der Metro-Goldwyn-Mayer Film "Die große Parade" lief in fast sämtlichen Ländern der Erde mit Riesenerfolg. Noch nie hat ein Film ähnliche Rekordeinnahmeziffern erzielt. In New York lief der Film annähernd zwei Jahre in einem Theater, in London war er 26 Wochen auf dem Spielplan. Der Film wurde von King Vidor inszeniert. Die Hauptrollen sind mit John Gilbert und Renée Adorée besetzt.
Noch im Laufe des Monats Oktober wird der Film, der im Verleih der Parusamet erscheint, seine Uraufführung in einem großen Berliner Ufa-Theater erleben.
(Quelle: Film-Kurier, 8.Jg., Nr.245, 17.10.1927)
Die Große Parade
(U.T. Kurfürstendamm)
Ueber diesen Film ist hier schon seinerzeit ausführlich berichtet worden - anläßlich jener Aufführung vor Berliner Pressevertretern, in der wir über die Möglichkeit einer deutschen Aufführung abgestimmt haben. Heute noch einiges Grundsätzliches.
"Big Parade" darf nicht verwechselt werden mit irgendeinem andern Kriegs- oder Antikriegsfilm; dieser Film ist von durchaus anderer Art. Und er ist der einzige in seiner Art.
Er bringt etwas zustande, was die Schaubühne seit fünfzig oder mehr Jahren nicht mehr zustandebringt: Hohe Deklamation, großes Pathos, das nicht leer ist, sondern hinreißt, schweben macht, weinen macht. Ueberall hörte man schluchzen in der gestrigen Aufführung. Wenn die Charlotte Wolter oder die Rachel Alexandriner deklamierte, war alles in großer Stummheit und Ergriffenheit gebannt. Nach dieser Generation von Mimen war Deklamation gleichbedeutend mit Langweile ... bis zur "Big Parade". "Big Parade" beginnt in heroischen und elegischen Bildmarken zu deklamieren: und alles ist in großer Stummheit und Ergriffenheit gebannt.
Dieser Film wird, trotz seines Welterfolges, noch nicht ganz richtig erkannt. Er ist nicht nur "besser" als andere Filme - er ist ganz einzig.
Andere Filme erzählen, plaudern, girren, schreien, wimmern - dieser Film bewegt sich in der Sphäre des hohen, getragenen Wortes. Ich kann nicht sagen, ob die Liebesgeschichte darin besser oder schlechter ist als die Liebesgeschichte in anderen Filmen; aber eines weiß ich: daß sie eine dunkel-süße Elegie ist wie in keinem anderen Film. Es gibt keine besonders große Kulissen-Wehmut in dieser Liebesgeschichte; aber es gibt darin die zarte Versunkenheit einer Frau, und den zarten, stillen, mühsam lächelnden Schmerz, als das Mädchen erfährt, ihr Liebster sei schon verlobt. Das ist unbeschreiblich schön.
Aber dann erst beginnt die große Kriegs-Ode:
Der Marschbefehl in [!] die Front. In fünf Minuten ist die friedliche Landstraße übersät mit Train, Artillerie, Tanks, Autos, Motorzyklen, Infanteriekolonnen ... meilen-meilenweit. Wir kennen nur dieses Bild. Eine Stunde später ist sie wieder ganz leer und friedlich ... nur ein Mädchen weint ihrem Bräutigam nach.
Dann beginnt das Gehen durch einen Wald, in Schwarmlinie. Die ersten Leichen liegen da. Die ersten aus der eigenen Linie fallen ... Daneben einer, vorn einer, hinter einer. Oh, wie kann nur dieses Bild! ... und dann beginnt die Hölle.
Zwei Tage später sehen wir wieder die friedliche Landstraße. Und wieder ist sie übersäet mit Kolonnen, meilen-meilenweit: Sanitätskolonnen, die aus der Gefechtslinie zurückgehen, angefüllt mit Verwundeten, Krüppeln, Sterbenden. Wer diese Bild-Antithese der Landstraße gesehen hat, ist ein großer heroischer Dramatiker des Films. Es ist nichts Geringeres, das zu erfinden, als den letzten Akt von "Wallensteins Tod" zu schreiben.
Dieser Regisseur heißt King Vidor. Ueberall hält er sich auf diesem schroffen Gipfel der großen Geste[,] der Bildgeste, der donnernden Symphonie des Weltgerichtes - auf diesem schroffen, eisigen Gipfel: ohne je ins Leere abzustürzen. Wem, außer ihm, wäre dieses Bild eingefallen, wer, außer ihm, hätte es wagen dürfen: Die beiden Kameraden, die halb irrsinnig vor Schmerz mit gefälltem Bajonett gegen die deutschen Schützengräben rennen, zwei gegen eine ganze Armee, um ihren armen gefallenen Kameraden zu rächen. Man hat diesen Film schon einmal gesehen. Man erinnert sich an alles. Nichts überrascht einen.
Aber nach zwei, drei Bildern ist man wieder eingesponnen in diese Melodie wie in die Melodie eines alten, dunklen Landsknechtliedes. Ich dachte an eines - und ich hörte die nächtig-rollenden Rhythmen, mit denen Gustav Mahler diese primitiven Verse umkleidet hat:
"Ihr Brüder, ihr Brüder,
ihr zieht an mir vorüber,
als wär's mit mir schon vorbei,
als wär's mit mir schon vorbei ..."
gesungen von einem verwundeten Landsknecht, der im Stoppelfeld liegt, während seine Kameraden über ihn hinweg zum Angriff vorgehen. Solcher Art ist dieser Film
Immer wieder denkt man an Verse, an Gedichte. So ist dieser Film. Nach vorn rennen, rasen, tuten die Lastautos. Zurück, mit den Verwundeten, fahren sie ganz langsam und still, in einer langen Reihe. Wie die beiden lustigen Pferde auf der Wiese, bei Mörike, wo es dann plötzlich leise und langsam klingt:
"Sie werden schrittweis geh'n mit deiner Leiche,
vielleicht, vielleicht ..."
Man spricht in letzter Zeit beim Film soviel von "Symphonien". Hier ist eine Symphonie.
Schwer zu sagen, ob die Schauspieler gut spielen oder nicht. John Gilbert ist gewiß ein guter Schauspieler. Und Renée Adorée ist das junge Mädchen mit dem mühsam lächelnden Schmerz, mit der zarten Versunkenheit, die Nymphe, die lächelnd-weinend in den Wald flieht, als sie hört, ihr Liebster sei schon verlobt.
Der Film zeigt das Signum: Metro-Goldwyn-Mayer-Film der Parusamet.
Willy Haas.
(Quelle: Film-Kurier, 8.Jg., Nr.250, 22.10.1927)
Dienstag, 19. August 2008
21.00 Uhr - Arkadenhof
USA 1927; Regie: Frank Urson; Drehbuch: Leonore Coffee, nach dem Theaterstück von Maurine Dallas Watkins; Kamera: Peverell Marley; Ausstattung: J.M. [Mitchell] Leisen; Darsteller: Phyllis Haver, Victor Varconi, Eugene Pallette, Virginia Bradford, Clarence Burton, Warner Richmond, T. Roy Barnes, Sidney D'Albrook, Otto Lederer, May Robson, Julia Faye; Produktion: DeMille Pictures Corporation; Premiere: 26.3.1928; Farbe: schwarzweiß; Länge: 2.952 Meter, 117 Minuten (22 B/s); Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Neil Brand (Flügel) und Günter A. Buchwald (Violine)
Die erste Verfilmung jenes Stoffes, der als Musical 2002 mit Catherine Zeta-Jones, Renée Zellweger und Richard Gere neuverfilmt wurde, ist eine unterhaltsame Komödie über amerikanisches Gerichtswesen, Sensationsjournalismus und Showbusineß. Roxie Hart erschießt einen Mann. Überrascht von dem einsetzenden Presserummel lernt sie, den Mordfall geschickt zu nutzen, um auf die Titelseiten der Boulevardpresse zu gelangen. Mit Hilfe eines gerissenen Anwalts versucht sie, vor Gericht einen Freispruch zu erwirken.
USA 1920; Regie: Gregory LaCava; Drehbuch: Thomas A. 'Tad' Dorgan (Comic); Animationen: Gregory La Cava; Produktion: J. R. Bray Studios; Premiere: 6.6.1920; Farbe: schwarzweiß; Länge:111 Meter, 6 Minuten (16 B/s); Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Neil Brand (Flügel)
Gregory La Cava zeichnete Comic strips, bevor er 1916 in die Trickfilmproduktion einstieg und in den 20er Jahren zur Spielfilmregie wechselte. Als Regisseur von Hollywoodkomödien wurde er in den 30er Jahren berühmt, während seine frühen Zeichentrickfilme heute weitgehend vergessen sind. SMOKEY RAUCHT handelt von einem Hund, dem der Arzt das Rauchen verbietet. Verzweifelt läuft er durch die Stadt, landet bei einem Chinesen mit Opium-Pfeife - und verliert sich in wilden Wahnvorstellungen.
Mittwoch, 20. August 2008
21.00 Uhr - Arkadenhof
Norwegen 1927; Regie: Walter Fyrst; Drehbuch: Alf Rød, nach zwei Geschichten von Mikkjel Fønhus; Kamera: Ragnar Westfelt; Darsteller: Tryggve Larssen, Bengt Djurberg, Julie Lampe, Tove Tellback, Harald Stormoen, Einar Tveito, Egil Hjorth-Jenssen, Mimi Kihle, Hauk Aabel, Nils Ahrén; Produktion: Fyrst-Film; Produzent: Helge Lunde; Premiere: 26.12.1927 (Oslo); Farbe: mehrfarbig viragiert; Länge: 2.020 Meter, 98 Minuten (18 B/s); Zwischentitel: norwegisch mit deutscher Übersetzung; Musikbegleitung: Günter A. Buchwald (Flügel und Violine)
Das skandinavische Kino hat in der Stummfilmzeit weltweite Achtung erfahren wegen seiner eindrucksvollen Einbeziehung der Natur in Geschichten von menschlicher Dramatik. Der Troll-Elch soll, einer alten Legende zufolge, die Inkarnation eines toten Menschen sein. Hans darf die schöne Ingrid, Tochter eines reichen Bauern, erst heiraten, wenn er den Geister-Elch getötet hat. Als Hans des Mordes an seinem Rivalen Gunnar beschuldigt wird, muß er in die Stadt fliehen und dort auf dem Jahrmarkt arbeiten.
USA 1917; Regie: Charles Chaplin; Drehbuch: Charles Chaplin, Vincent Bryan, Maverick Terrell; Kamera: Roland Totheroh; Darsteller: Charles Chaplin, Edna Purviance, Eric Campbell, Albert Austin, Henry Bergman, Kitty Bradbury, Frank J. Coleman, William Gillespie, Tom Harrington, James T. Kelley, John Rand, Tiny Sandford, Janet Miller Sully, Loyal Underwood, Tom Wilson; Produktion: Lone Star Corporation; Premiere: 17.6.1917; Farbe: schwarzweiß; Länge: 617 Meter, 30 Minuten (18 B/s); Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Günter A. Buchwald (Flügel und Violine)
Einer der besten Kurzfilme von und mit Charlie Chaplin, der seine Komödie vor einem sehr realistischen Hintergrund entwickelt: Auf einem Schiff aus Europa landet der Tramp in Amerika, wo sich sein amerikanischer Traum jedoch nicht so recht zu erfüllen scheint. Mittellos versucht er in einem Lokal sowohl das Mädchen für sich zu gewinnen als auch eine warme Mahlzeit zu ergattern. Neben raffinierten und virtuosen Gags enthält der Film scharfe Kritik an sozialen Mißständen in den USA.
Donnerstag, 21. August 2008
21.00 Uhr - Arkadenhof
Deutschland 1920; Regie: Karlheinz Martin; Drehbuch: Karlheinz Martin, Herbert Juttke nach dem Theaterstück von Georg Kaiser; Kamera: Carl Hoffmann; Bildentwurf und Figuren: Robert Neppach; Darsteller: Ernst Deutsch, Erna Morena, Hans Heinrich von Twardowski, Eberhard Wrede, Adolf Edgar Licho, Hugo Döblin, Frieda Richard, Lotte Stein, Roma Bahn, Lo Heym; Produktion: Ilag-Film Berlin; Farbe: schwarzweiß; Länge: 1.325 Meter, 73 Minuten (16 B/s); Zwischentitel: deutsch; Musikbegleitung: SchlagEnsemble H/F/M
Einer der wenigen reinen expressionistischen Filme, mit verzerrten Kulissen, harten Kontrasten und stilisiertem Spiel der Darsteller. Erzählt wird die Geschichte vom Kassierer einer Bank, der Geld stiehlt, um sich in die Vergnügungen der Großstadt zu stürzen. Der Film kam seinerzeit nicht in die deutschen Kinos, sondern erlebte seine Uraufführung in Japan, wo sich die einzige Kopie erhalten hat. Die in der originalen Grafik rekonstruierten Zwischentitel wurden vom Filmmuseum München in den Film eingefügt.
Frankreich 1928; Regie: Ladislas Starewitch; Drehbuch: Ladislas Starewitch; Kamera: Ladislas Starewitch; Puppen und Animation: Ladislas Starewitch, Irène Starewitch; Kostüme: Anna Starewitch; Darsteller: Nina Star (= Starewitch), Bob Zoubowitch; Produktion: Les Films Louis Nalpas; Premiere: 8.9.1928 (Berlin),19.12.1928 (Paris); Farbe: mehrfarbig viragiert und getönt; Länge: 910 Meter, 33 Minuten (24 B/s); Zwischentitel: französisch mit deutscher Übersetzung; Musikbegleitung: Günter A. Buchwald (Flügel und Violine)
Der aus Rußland emigrierte Ladislas Starewitch schuf phantastische Puppentrickfilme, in denen er unterschiedlichste Animationstechniken anwandte und oft seine Tochter Nina mitspielen ließ. DIE WUNDERUHR ist sein Meisterwerk, in dem er verschiedene Geschichten mit einer Rahmenhandlung verband. Der neu restaurierte, wie im Original eingefärbte und getönte Film besteht aus zwei Teilen: DIE GESCHICHTE VOM MÄDCHEN, DAS PRINZESSIN WERDEN WOLLTE und DER VERZAUBERTE WALD.
Freitag, 22. August 2008
21.00 Uhr - Arkadenhof
Österreich 1928; Regie: Max Neufeld; Drehbuch: Fritz Zoreff, Siegfried Bernfeld, Max Neufeld; Kamera: Viktor Gluck; Bauten: Franz Meschkan, Hans Ledersteger; Darsteller: Dina Gralla, Claire Lotto, Alphons Fryland, Oskar Beregi, Richard Waldemar, Otto Schmöle, Viktor Franz, Cornelius Kirschner; Produktion: Hugo-Engel- Film GmbH, Wien; Premiere: 28.3.1928 (Berlin, Marmorhaus), 14.9.1928 (Wien); Farbe: schwarzweiß; Länge: 1.756 Meter, 64 Minuten (24B/s); Zwischentitel: serbokroatisch mit deutscher Übersetzung; Musikbegleitung: Maud Nelissen
Eine vergnügliche Verwechslungskomödie aus dem Wien der 20er Jahre: Ein Graf soll eine ihm unbekannte Fabrikantentochter heiraten. Da er sich auf dem Standesamt verspätet, platzt die Hochzeit. Daß die Braut durch eine Verwechslung in einem Appartement Unterschlupf findet, in dem auch der Graf wohnt, führt zu turbulenten Szenen. Mit einem Esprit, der an Ernst Lubitsch anknüpft, und vielen originellen visuellen Einfällen entstand einer der komischsten Filme des österreichischen Regisseurs Max Neufeld.
22.30 Uhr - Arkadenhof
Schweden 1922; Regie: Victor Sjöström; Drehbuch: Victor Sjöström, Hjalmar BergmanKamera: Julius JaenzonBauten: Axel Esbensen, Alexander Bakó; Darsteller: Jenny Hasselquist, Ivan Hedqvist, Tore Svennberg, Gösta Ekman, Knut Lindroth, Waldemar Wohlström, Nils Asther, Paul Seeling, Nils Lundell, Tyra Dörum, Bror Berger, Lars Egge, Edvin Adolphson, Nils Jacobsson, Olof Ås, Torsten Bergström, Edvin Adolphson, Julia Cæsar, Emil Fjellström, Artur Rolén; Produktion: Svensk Filmindustri; Premiere: 1.1.1922; Farbe: schwarzweiß; Länge: 1.787 Meter, 89 Min. (18 B/s); Zwischentitel: schwedisch mit deutscher Übersetzung; Musikbegleitung: Joachim Bärenz (Flügel)
Der vorletzte Film Sjöströms vor seinem Gang nach Hollywood erzählt eine düstere Geschichte aus dem Mittelalter: Ursula darf nicht den Mann heiraten, den sie liebt, sondern muß eine Ehe mit einem deutlich älteren Bildhauer eingehen. Sie entwickelt den Plan, ihren Ehemann zu vergiften. Mit prächtigen Dekors, einer ausgefeilten Lichtsetzung und beeindruckender Kameraarbeit setzt Sjöström sein Drama um Schuld, Sühne und Vergebung um, das mit sparsamen Zwischentiteln rein visuell erzählt wird.
Samstag, 23. August 2008
21.00 Uhr - Arkadenhof
Deutschland 1928; Regie: Gennaro Righelli; Drehbuch: Curt J. Braun, Walter Jonas nach dem Roman "Le Rouge et le noir" ("Rot und Schwarz") von Stendhal; Kamera: Friedrich Weinmann; Darsteller: Iwan Mosjukin, Lil Dagover, José Davert, Jean Dax, Agnes Petersen, Félix de Pomés, Hubert von Meyerinck, Dillo Lombardi, Valeria Blanka; Produktion: Greenbaum Film, Berlin / Terra-Film, Berlin; Premiere: 25.10.1928 (Berlin); Farbe: mehrfarbig viragiert; Länge: 1.790 Meter, 65 Minuten (24 B/s); Zwischentitel: französisch mit deutscher Übersetzung; Musikbegleitung: Joachim Bärenz (Flügel)
Mosjukin war unbestrittener Star aufwendiger Produktionen wie CASANOVA oder DER KURIER DES ZAREN. In Righellis sehr freier Adaption von Stendhals Roman "Rot und Schwarz" spielt er den Provinzler Julien Sorel, der 1830 nach Paris kommt, um dort Karriere zu machen und die Tochter eines Marquis zu heiraten. Seine Vergangenheit holt ihn jedoch ein. Der Ausstattungsfilm hat sich nur in einer gekürzten französischen Fassung erhalten, die ein sehr modern anmutendes, rasches Erzähltempo aufweist.
22.30 Uhr - Arkadenhof
GB 1928; Regie: Miles Mander; Drehbuch: Miles Mander, Alma Reville, nach Manders Theaterstück "Common People" und seinem Roman "Oasis"; Kamera: Walter Blakeley; Ausstattung: Wilfred Arnold; Darsteller: Madeleine Carroll, Miles Mander, John Loder, Margot Armand, Ella Atherton, Ivo Dawson, Margaret Roach, John St. John, Naomi Jacob, Bernard Vaughan, Walter Wichelow, Beryl Egerton, Theodore Mander; Produktion: Mander Production Syndicate für Gainsborough Pictures; Premiere: Oktober 1928; Farbe: schwarzweiß; Länge: 2.114 Meter, 84 Minuten (22 B/s); Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Stephen Horne (Flügel)
Alma Reville, die Ehefrau und engste Mitarbeiterin von Alfred Hitchcock, begann ihre Karriere als Cutterin und Drehbuchautorin. Das Drehbuch zu dem spannenden Ehedrama DAS WUNSCHKIND schrieb sie zusammen mit Miles Mander, einem populären englischen Schauspieler, der auch die männliche Hauptrolle spielt und Regie führt. Es geht um eine Ehefrau, die ihren Mann liebt, obwohl er sie dauernd betrügt. Als er sie verläßt, schmiedet sie den Plan, ihn mit einem Wunschkind zurückzuholen.
Sonntag, 24. August 2008
15.00 Uhr - Rheinisches LandesMuseum Bonn
Die Veranstaltungen im Rheinischen Landesmuseum sind kostenpflichtig. Sie können für diese Veranstaltung online Karten reservieren.
Der Maler und Grafiker Walter Ruttmann entdeckte den Film 1920 und schuf die ersten abstrakten Zeichentrickfilme der Welt. Populär waren seine phantasievollen Werbefilme, die heute weitgehend vergessen sind. Als der Tonfilm aufkam, experimentierte Ruttmann sofort mit dem neuen Medium, stellte einen "Tonfilm ohne Bild" her und den Vorläufer des Musikvideos. Das Filmmuseum München bereitet eine DVD mit den Werken von Ruttmann vor, über deren Restaurierungen Stefan Drößler sprechen wird.
17.00 Uhr - Rheinisches LandesMuseum Bonn
Deutschland 1927; Regie: Walter Ruttmann; Drehbuch: Karl Freund, Carl Mayer, Walter Ruttmann; Kamera: Robert Baberske, Reimar Kuntze, Lázsló Schäffer, Karl Freund; Bauten: Erich Kettelhut; Schnitt: Walter Ruttmann; Produktion: Deutsche Vereins-Film, Les Productions Fox Europa; Premiere: 23.09.1927 (Berlin, Tauentzien-Palast); Farbe: schwarzweiß; Länge: 65 Minuten; Musik: Edmund Meisel (Orchestereinspielung)
Die Veranstaltungen im Rheinischen Landesmuseum sind kostenpflichtig. Sie können für diese Veranstaltung online Karten reservieren.
Mit versteckter Kamera filmte Ruttmann in den Straßen von Berlin, um die Aufnahmen zum Tagesablauf einer Großstadt zu montieren. Edmund Meisel schrieb dazu eine legendäre Filmmusik, von der sich nur ein Klavierauszug erhalten hat. Im Herbst 2007 wurde die rekonstruierte Musik erstmals wieder in der Originalbesetzung mit 75 Musikern aufgeführt. Der Film wurde umkopiert und vom Filmmuseum München digital überarbeitet. Zur Aufführung gelangt diese neue Fassung in einer digitalen Projektion.
21.00 Uhr - Arkadenhof
D/GB 1929; Regie: Richard Eichberg; Drehbuch: Adolf Lantz, Helen Gosewisch, nach der Novelle "Schmutziges Geld" von Karl Vollmöller; Kamera: Heinrich Gärtner, Bruno Mondi; Darsteller: Anna May Wong, Heinrich George, Mary Kid, Hans Adalbert Schlettow, Paul Hörbiger, Julius E. Herrmann; Produktion: Eichberg Film, Berlin / British International Pictures, London; Premiere: 21.8.1928; Farbe: schwarzweiß; Länge: 2.696 Meter, 98 Minuten (24 B/s); Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Stephen Horne (Flügel)
Richard Eichberg war über ein Vierteljahrhundert einer der erfolgreichsten Regisseure des deutschsprachigen Unterhaltungskinos, der von der Kritik aber selten ernst genommen wurde. Dabei schuf er einige faszinierende Filme wie das Melodram SONG, die sich durch eindrückliche Bildgestaltung, sorgfältige Ausstattung und großartige Schauspielerleistungen auszeichnen. Er verpflichtete Hollywood-Star Anna May Wong als Malayenmädchen Song, das einem von Heinrich George gespielten Matrosen verfällt.
Frankreich 1924; Regie: Claude Autant-Lara; Drehbuch: Claude Autant-Lara; Kamera: Henri Barreyre; Darsteller: Paul Barthet, Louise Lara, Antonin Artaud; Produktion: Cinégraphic; Premiere: Dezember 1924; Farbe: schwarzweiß; Länge: 432 Meter, 19 Minuten (20 B/s); Zwischentitel: keine; Musikbegleitung: Stephen Horne (Flügel)
Ein Klassiker des französischen Avantgardefilms. Er erzählt eine Dreiecksgeschichte, die der Zeitungsrubrik "Vermischte Meldungen" entnommen sein könnte. Autant-Lara verwendet Stilmittel wie Doppel- und Dreifachbelichtungen, Schrägeinstellungen, extreme Großaufnahmen, Zeitlupe, mehrfache Wiederholungen derselben Handlung sowie Zeitsprünge. Für die Rolle von Monsieur II verpflichtete er den jungen Schriftsteller Antonin Artaud, der mit diesem Film eine Karriere als Schauspieler startete.
Anzeige:
Im Kino in der Brotfabrik: DER GROSSE DIKTATOR
»Chaplins erster Film, der von allen Möglichkeiten des Tons Gebrauch machte, ist eine beißende Satire auf Hitler und Nazideutschland. Chaplin spielt eine Doppelrolle als Hynkel, der Diktator von Tomania - eine brillante Karrikatur Hitlers-, und als der jüdische Friseur, der noch starke Züge des Tramps trägt.« (rororo-Filmlexikon)
Aufführungen: Fr 29.8. und Sa 30.8. um 19.00 Uhr, Brotfabrik [Reservierung]
Ende: Anzeige
Alle Aufführungen im Arkadenhof der Universität werden durch renommierte Stummfilmmusiker live begleitet. Lernen Sie hier die Musiker kennen, die bei den Internationalen Stummfilmtagen spielen.
Foto: Gilles Soubeyrand
Anzeige:
Anzeige: