Donnerstag, 14. August 2008
21.00 Uhr - Arkadenhof
USA 1924; Regie: Fred C. Newmeyer, Sam Taylor; Drehbuch: Sam Taylor, Ted Wilde, Tim Whelan; Kamera: Walter Lundin, Henry N. Kohler; Darsteller: Harold Lloyd, Jobyna Ralston, Richard Daniels, Carlton Griffin, Mickey Daniels, Nola Dolberg, Judy King, Charles Stevenson; Produktion: Harold Lloyd Corporation; Premiere: 20.4.1924; Farbe: schwarzweiß; Länge: 2.266 Meter, 82 Minuten (24 B/s); Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Aljoscha Zimmermann (Flügel) und Sabrina Hausmann (Violine)
Was als romantische Komödie über einen verträumten Schneidergesellen beginnt, der in seiner Phantasie zum Frauenhelden wird, endet mit einer halsbrecherischen Jagd per Auto, Feuerwehr, Straßenbahn und Pferdekutsche quer durch Los Angeles. MÄDCHENSCHEU war einer der größten Erfolge Harold Lloyds, des neben Chaplin beliebtesten amerikanischen Stummfilmkomikers. Sein furioses Finale war Vorlage für die Schlußsequenz in DIE REIFEPRÜFUNG mit Dustin Hoffman, bei der Lloyd als Berater mitwirkte.
Kanada 2000; Regie: Guy Maddin; Drehbuch: Guy Maddin; Kamera: Guy Maddin, deco dawson; Darsteller: Leslie Bais, Caelum Vatnsdal, Shaun Balbar, Greg Klymkiw, Tammy Gillis, Carson Natrass; Produktion: Niv Fichman, Judy Shapiro, Jennifer Weiss; Premiere: 7.9.2000 (Toronto); Farbe: schwarzweiß; Länge: 6 Minuten (24 B/s); Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Tonspur
Es gab in den letzten Jahren viele Versuche, Stummfilme zu imitieren, doch diese zeigen in aller Regel ein erschreckendes Unverständnis: Es reicht eben nicht, einen Film in Schwarzweiß und ohne Dialoge herzustellen, um die Stummfilmästhetik zu erfassen. Guy Maddin gelingt in seinem furiosen Trailer eines fiktiven Stummfilms mit Hilfe digitaler Bildbearbeitungseffekte und der stampfenden Musik eines legendären sowjetischen Kompilationsfilms eine hypnotische Wirkung, die dem Stummfilm nahekommt.
Freitag, 15. August 2008
21.00 Uhr - Arkadenhof
Deutschland 1919; Regie: Fritz Lang; Drehbuch: Fritz Lang; Kamera: Karl Freund, Emil Schünemann; Bauten: Otto Hunte, Karl Ludwig Kirmse, Hermann Warm, Heinrich Umlauff; Darsteller: Carl de Vogt, Ressel Orla, Lil Dagover, Georg John, Rudolf Lettinger, Thea Zander, Reiner Steiner, Friedrich Kühne, Edgar Pauly, Meinhard Maur, Paul Morgan, K.A. Römer, Paul Biensfeldt; Produktion: Decla-Film, Berlin; Premiere: 3.10.1919; Farbe: mehrfarbig viragiert; Länge: 1.657 Meter, 80 Minuten (18 B/s); Zwischentitel: tschechisch mit deutscher Übersetzung; Musikbegleitung: Aljoscha Zimmermann (Flügel) und Sabrina Hausmann (Violine)
Ein Abenteuerspektakel, in dessen Mittelpunkt der verwegene Kay Hoog, ein Vorfahre von Indiana Jones, und die Jagd nach einem unterirdischen Inka-Schatz stehen, hinter dem auch eine chinesische Geheimorganisation her ist. Eine Jagd um die Welt beginnt, gespickt mit tollkühnen Kämpfen und aufregenden Verfolgungen. Der Film, von dem nur im tschechischen Filmarchiv Material erhalten ist, wurde in jahrelanger Arbeit neu restauriert und wieder mit seinen ursprünglichen Einfärbungen versehen.
22.30 Uhr - Arkadenhof
Deutschland 1920; Regie: Fritz Lang; Drehbuch: Fritz Lang; Kamera: Karl Freund; Bauten: Otto Hunte, Karl Ludwig Kirmse, Hermann Warm, Heinrich Umlauff; Darsteller: Carl de Vogt, Ressel Orla, Lil Dagover, Georg John, Rudolf; Lettinger, Thea Zander, Reiner Steiner, Friedrich Kühne, Edgar Pauly, Meinhard Maur, Paul Morgan, K.A. Römer, Paul Biensfeldt; Produktion: Decla-Film, Berlin; Premiere: 6.2.1920; Farbe: mehrfarbig viragiert; Länge: 2.486 Meter, 108 Minuten (20 B/s) ; Zwischentitel: tschechisch mit deutscher Übersetzung; Musikbegleitung: Aljoscha Zimmermann (Flügel) und Sabrina Hausmann (Violine)
Der zweite Teil der SPINNEN konzentriert sich in seiner Gestaltung mehr auf Innenräume und deutet die Visionen der späteren Filme Fritz Langs, DR. MABUSE, METROPOLIS und SPIONE, bereits an: Unter dem Chinesenviertel von San Francisco, in dem die Organisation der Gegenspieler Kay Hoogs ihre Zentrale betreibt, liegt eine unterirdische Stadt, in der das Verbrechen regiert. Die Jagd nach einem diamantenen Buddha-Kopf endet auf den Falklandinseln - gefilmt in der Märkischen Heide bei Berlin.
Samstag, 16. August 2008
21.00 Uhr - Arkadenhof
Japan 1933; Regie: Mikio Naruse; Drehbuch: Mikio Naruse, Tadao Ikeda; Kamera: Suketaro Ikai; Darsteller: Sumiko Kurishima, Teruko Kojima, Tatsuo Saito, Atsushi Arai, Mitsuko Yoshikawa, Takeshi Sakamoto, Kenji Oyama, Shigeru Ogura, Choko Iida, Ranko Sawa; Produktion: Shochiku Kinema Kenkyûjo; Premiere: 8.6.1933; Farbe: schwarzweiß; Länge: 1.754 Meter, 64 Minuten (24 B/s); Zwischentitel: japanisch mit englischer Übersetzung; Musikbegleitung: Aljoscha Zimmermann (Flügel)
Eine starke Frau steht im Mittelpunkt des Films, der als der stilistisch geschlossenste Stummfilm Mikio Naruses gilt: Omitsu arbeitet als Hostess in einer Bar, um sich und ihren Sohn über Wasser zu halten. Als eines Tages ihr arbeitsloser Mann Mizuhara wieder auftaucht, akzeptiert sie ihn nur widerwillig. Naruse erzählt seine Geschichte rein visuell. Die ursprüngliche Anfangssequenz, in der Omitsu aus dem Gefängnis entlassen wird, wo sie wegen Prostitution einsaß, wurde von der Zensur geschnitten.
22.30 Uhr - Arkadenhof
USA 1923; Regie: Fred C. Newmeyer, Sam Taylor; Drehbuch: Hal Roach, Sam Taylor, Tim Whelan; Kamera: Walter Lundin; Darsteller: Harold Lloyd, Mildred Davis, Bill Strother, Noah Young, Westcott B. Clarke, Mickey Daniels, Anna Townsend, Charles Stevenson, Fred C. Newmeyer; Produktion: Hal Roach Studios; Premiere: 1.4.1923; arbe: schwarzweiß; Länge: 1.852 Meter, 73 Minuten (22 B/s) Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Joachim Bärenz (Flügel) und Christian Roderburg (Schlagzeug)
Um Karriere zu machen, geht Harold Lloyd in die Großstadt, wo er aber nur einen Job als kleiner Kaufhausangestellter findet. Als seine Braut, der er regelmäßig Briefe mit erfundenen Berichten über seinen beruflichen Erfolg schreibt, zu Besuch kommt, muß er sich einiges einfallen lassen. AUSGERECHNET WOLKENKRATZER ist Lloyds berühmtester Film: Das Bild, das ihn am Zeiger einer Hochhausuhr zeigt, ist in die Filmgeschichte eingegangen. Der Film besticht durch perfektes Timing und eine Fülle visueller Gags.
Harold Lloyd, der sonst nur das beliebte Spielzeug der Amerikaner, das Automobil, in seinen Filmen durch alle Ängste einer verfolgten Unschuld hetzt, hat sich hier einen Film schreiben lassen, der an Tollheiten alles übertrifft, was die amerikanische Groteske bisher schuf. Dem Publikum ging bereits nach dem ersten Akt die Puste aus - und es war mehr als einer im Parkett, der keine Laute des Gelächters mehr zu formen vermochte, sondern seiner Kehle unartikulierte Schreie entfahren ließ, die, obgleich sie nichts Menschliches mehr an sich hatten, trotzdem den Gipfel menschlichen Vergnügens bedeuten.
Harold Lloyd beginnt diese Komödie vollkommen im Stil seiner bisherigen Arbeiten. Er ist der nette junge Mann mit Hornbrille und Strohhut, der ein wenig leichtsinnig durch das Leben geht, aber immer mit seiner Dreistigkeit durchkommt. Als Ladenschwengel bringt er sich mühsam durch das Leben, schwindelt aber seiner Braut vor, er sei Generaldirektor des Warenhauses geworden, in dem er am Schnittwarenlager steht. Als sie ihn darauf besucht, gerät er in tausend Ängste, weiß es aber doch so zu drehen, daß sie immer im Glauben ist, "Er" sei der mächtigste Mann des zwanzig Stockwerke hohen Hauses. Bis hierher verläuft die Geschichte nicht anders als in den üblichen Lloydfilmen - aber dann begibt sich in der zweiten Hälfte die Sensation, daß "Er" die zwanzig Stockwerke erklettern muß, um die tausend Dollar zu erlangen, mit deren Hilfe er heiraten will. Eigentlich ist ja nur seine Absicht, sich in das erste Stockwerk zu wagen und dann durch seinen Freund, den Dachdecker, abgewechselt zu werden, der an dem Geschäft mit der Hälfte beteiligt werden soll. Allein das mißlingt von Stockwerk zu Stockwerk, da der Dachdecker von einem Polizisten gejagt wird. Die Vorgänge bis zum Dach, die doch eigentlich in einer geraden Linie verlaufen müßten, sind nun erfüllt von den phantastischsten Vorgängen. Man kann es sich überhaupt nicht ausmalen, was den Manuskriptschreibern alles eingefallen ist, was sie aus den beschränkten Möglichkeiten gemacht haben.
Es sind gewiß die haarsträubendsten Situationen, die jemals in einem Film gezeigt wurden, denen aber soviel Humor anhaftet, daß niemand sie als das erkennt, was sie sind, nämlich gestellte Situationen. "Ausgerechnet Wolkenkratzer" hat die genialsten Trickaufnahmen der Kinematographie. Wenn Harold Lloyd im zwölften Stockwerk in ein Netz gerät, wenn er im fünfzehnten am Uhrzeiger hoch über der von Menschen wimmelnden Straße hängt, wenn er im sechszehnten von der Fahnenstange in die Uhr zurückrutscht und wenn er endlich auf dem Dach in die Zugleine gerät, um an einem Bein über der Tiefe zu pendeln, so ist das ein Anblick, wie ihn bisher kein Film bot.
(Quelle: Der Kinematograph, 18.Jg., Nr.898, 4.5.1924)
Ausgerechnet Wolkenkratzer!
(Mozartsaal.)
Der Weg vom Ein- bis Zweiakter zum abendfüllenden Fünf- bis Siebenakter ist für einen Humoristen so ziemlich der schwierigste, den es überhaupt gibt. Man nehme etwa Chaplin. Natürlich ist der "Kid" eine herrliche Sache; ob er aber so ganz unerhört von innen her konzentriert ist, wie mancher Chaplin-Zweiakter: das ist eine andere Frage. Aehnlich liegt die Sache hier. Der Film ist fabelhaft gearbeitet: äußerlich eine ganz dichte Mosaik aus lauter unbedingt einschlagenden Pointen: ein technisches Wunder allerersten Ranges. Aber es fehlt einem irgend etwas ... erst zum Schluß ist man darauf gekommen, was: dieser wunderbare Harald [!] Lloydsche Pessimismus, sein beinahe philosophisches Schlemihltum, das uns immer so sehr entzückt hat; mit einem Wort: sein Kern. Man lacht, lacht, lacht ununterbrochen ... ich glaube, es ist noch niemals bei einem Lustspiel so viel gelacht worden, wie gestern. Aber man fühlt sich doch immerfort ein bißchen bedrückt. Die Sache ist technisch auch nicht um einen Meter zu lang ... aber sie ist, ich möchte sagen: persönlich überdehnt, sie ist kein "document humain" mehr, wie jeder andere Harald Lloyd-Film. Es ist etwa so, wie wenn ein ausgezeichneter Aphoristiker einen - durchaus vorzüglichen - sechsbändigen Roman schriebe ...
Aber man darf vielleicht über diese Dinge gar nicht sprechen, weil man sich da auf ein Plateau stellt, das man Filmen gegenüber im allgemeinen gar nicht einnimmt. Man müßte eigentlich vorerst ganz einfach feststellen, daß dieser Film einer der aller-, allerbesten Sensationsfilme ist, die es überhaupt gibt. Schon die Grundidee ist schlagend: einen ganzen großen Film überhaupt nicht auf der Horizontalfläche, sondern auf einer Vertikalfläche, nämlich auf der Fassade eines Wolkenkratzers spielen zu lassen. Es gibt nur eine einzige Sensation: Harald Lloyd klettert die Fassade hinauf. Aber diese Sensation dauert eine geschlagene Stunde, und in dieser Stunde vergeht auch nicht eine Minute ohne irgendein Sekundär-Sensatiönchen, bei dem einem der Atem stockt. Und zum Schluß gibt es noch eines ... das sich in Worten überhaupt nicht beschreiben läßt, das noch niemals gesehen wurde, seit es Filme gibt. Es war etwas wie ein lachendes Schaudern, ein ganz gruseliges Lachen, das den blendenden Enderfolg gestern abend entschied. Das müßte man vorerst sagen ... und dann erst das, was ich zuerst gesagt habe. Der Film steht eben auf jener außerordentlichen technischen Höhe, die dem Kritiker schon eine ganz neue Plattform erlaubt. (Hinzugefügt sei noch, daß unser deutscher Regisseur Schönfelder den Film mit taktvoller Hand zurechtgeschnitten hat.)
Ein Wort muß noch über den ausgezeichneten dekorativen Rahmen gesprochen werden, den Herr Brodnitz, der Leiter des Theaters, sich zu dieser Premiere hinzuphantasiert hat. Er ist schon an und für sich eine Sehenswürdigkeit. Das Foyer magisch erleuchtet, Fassaden von Wolkenkratzern an allen vier Wänden ... man glaubt sich in irgendeiner grotesken hyperamerikanischen Zukunftsstadt. Alle Diener witzig kostümiert, ein lustiger Monosketch von Curt Bois als Prolog, das filmische Beiprogramm ("London bei Nacht") stilistisch tadellos auf das Hauptprogramm abgestimmt ... ein ganz harmonischer, einheitlicher Abend. Sollte unser freundschaftlicher Appell an Herrn Brodnitz (in einem Leitartikel "Das Beiprogramm") so schnell eine praktische Wirkung geübt haben? Darauf könnten wir stolz sein. Jedenfalls steht es heute so, daß alle Berliner Theaterbesitzer sich diese sorgfältige und wohldurchdachte Inszenierungsarbeit zum Beispiel nehmen könnten. Vielleicht beginnt hier eine neue Epoche des europäischen Lichtspieltheaters.
Der Verleih firmiert: Südfilm A.G.
W.H.
(Quelle: Film-Kurier, 6.Jg., Nr.104, 2.5.1924)
Ein Wolkenkratzer der Filmkomik
Ehre, wem Ehre gebührt. - Wenn man über die Berliner Premiere von "Safety Last" schreiben will - der deutsche Titel "Ausgerechnet Wolkenkratzer" ist zwar im Moment sehr zugkräftig, scheint aber, da an die doch immerhin nicht ewige Popularität eines gewissen Schlagers gebunden, doch für die Dauer nicht sehr glücklich gewählt: man hätte den Film vielleicht "Das ist die Höhe!" nennen können - wenn man also über diese Premiere schreibt, so muß man füglich mit einem Loblied auf Hanns Brodnitz beginnen. Wir haben mit Vergnügen verfolgt, wie er es von Film zu Film besser verstanden hat, diejenigen Prinzipien der "Theateraufmachung" in der Praxis anzuwenden, die wir, seit Jahren, an dieser Stelle immer und immer wieder gepredigt haben. Was heute in dieser Hinsicht im Mozartsaal geboten wird, braucht den Vergleich mit den besten Leistungen des Auslandes nicht zu scheuen, (von dem wir in eben dieser Kunst der Aufmachung nur lernen konnten). - Zunächst einmal sind die Vorräume des Theaters schon in einer dem Stil des Films gemäßen Weise ausgestattet, und dann sorgt auch draußen schon die Musik für richtige Stimmung; sodann folgt ein zwar größtenteils aus "alten Ladenhütern" bestehendes, aber darum nicht minder witziges und wirkungsvolles Zwiegespräch zwischen Curt Bois (als Harald Lloyds jüngerer Bruder) und Willy Schaeffers; sodann ein Grotesktanz, und jetzt beginnt mit einem Pistolenschuß vor einem in die denkbar beste Stimmung versetzten Publikum der Film zu laufen.
Es ist hier in den letzten Monaten manches abfällige Wort über amerikanische Filme geschrieben worden; es mußte festgestellt werden, daß auch sehr berühmte Gerichte aus der amerikanischen Filmküche nur mit Wasser gekocht sind. Daß aber die Amerikaner in ihrer ureigensten Domäne, nämlich dem grotesk-komischen Film unvergleichliches leisten, dafür gab dieser Film wieder einen treffenden Beweis.
Über die "Handlung" des Films irgend etwas sagen zu wollen, wäre lächerlich. Es gibt darin gar keine und es braucht keine zu geben, außer der, daß Harald Lloyd die Fassade eines Wolkenkratzers hinaufklettert; eine unerhört virtuose Leistung nicht nur des als Komiker wie als Artist gleich Unvergleichlichen, sondern auch des Operateurs und Erfinders der zahllosen Tricks, die diese Leistung möglich machen.
Aus einer unerschöpflichen Quelle sprudelt der Ideenreichtum dieses Films, dessen Tempo, dank einer meisterhaften Schneidetechnik, geradezu atembeklemmend ist. Der Film ist mit einem unerhörten Verständnis für die Psychologie des Publikums gemacht. Wundervoll, wie jedes Mal, wenn durch irgendeine neue tolle Sensation den Nerven das Äußerste zugemutet wird, unmittelbar hinterher durch kleine humoristische Lichter die Entspannung erfolgt.
Um diesen Film richtig zu würdigen, müßte man nicht eine räumlich begrenzte Kritik, sondern ein Buch schreiben. Denn dieser Film (und nicht der allein) ist irgendwie typisch für die Mentalität des Amerikaners. - Sicher ist jedenfalls, daß dieses Werk bei uns nicht minder als in seinem Ursprungsland, eine unfehlbare Publikumswirksamkeit bewähren wird. - Man muß ihn freilich auch geschickt "aufzumachen" verstehen, und es wäre wünschenswert, wenn sich hier die Theaterbesitzer der Provinz (soweit es in kleinerem Rahmen möglich ist) an dem musterhaften Vorbild des Berliner Uraufführungstheaters ein Beispiel nehmen würden. - (Der Film erscheint im Verleih der Südfilm A.-G.).
hfr.
(Quelle: Lichtbildbühne, 17.Jg., Nr.49/50, 3.5.1924)
"Wir drehten bei "Safety Last" als erstes die Kletterei. Wir wußten nicht genau, wie der Film anfangen würde. Aber wir hatten die Kletterei im Kasten und waren sehr zufrieden damit. (...) In jenen Tagen gab es natürlich noch keine Rückprojektion, wenn man mich also beim Klettern sieht, dann klettere ich wirklich. Wir ließen unterhalb der Fenster des Wolkenkratzers Plattformen anbringen - etwa drei bis vier Meter tiefer, mit Matratzen gepolstert. Nach Beendigung der Dreharbeiten warfen wir eine Puppe auf eine dieser Plattformen, sie prallte ab und stürzte auf die Straße. Ich muß verrückt gewesen sein, das zu machen."
(Quelle: Harold Lloyd, zitiert nach: Kevin Brownlow: Pioniere des Films. Vom Stummfilm bis Hollywood, Basel-Frankfurt/Main 1997, S.541)
Nur zu deutlich ist hinter all den Witzen die soziale Misere des kleinen Verkäufers erkennbar. (...) Wer in "Safety Last!" nur ein Auge für den spektakulären (...) Höhepunkt hat, dem entgeht nicht nur das Vergnügen über wunderbare Gags im ersten Teil, sondern auch die dramaturgische Pointe: Denn die Kletterei mit den Alternativen Aufstieg und Sieg oder Absturz und Tod ist lediglich die bezwingende Metapher für den komisch inszenierten Kampf ums soziale Überleben.
(Quelle: Philipp Stiasny: "Ausgerechnet Wolkenkratzer", in: Heinz-B. Heller/ Matthias Steinle (Hg.): Filmgenres: Komödie, Stuttgart 2005, S.48)
The period between the end of World War I and the Stock Market Crash in 1929 was one of great potential and opportunity. From a traditional rural background had risen a new, urban America.The world had changed more since the turn of the century than at any other time, with the electric light, the automobile, and the airplane fast becoming a part of daily life. (...) An important feature of the period was the arrival of immigrants, not only from abroad but from the American countryside, all of them wanting to extract the best from rapidly expanding towns and cities. The film's storyline reflects this aspect of life in the 1920s, with Harold Lloyd playing a young man who leaves his rural home to make his fortune in the big city. Equally, the means by which the central character tries to achieve material success - climbing a skyscraper - can be seen as a metaphor of the struggle for the American Dream. (...) The climb was achieved using straightforward photography. No trick effects such as mirrors, miniatures, or double exposures were used. (...)
(Vollständiger Text/ Quelle: http://www.cinetecadelfriuli.org/gcm/ed_precedenti/edizione2007/edizione2007_frameset.html)
(...) Im Gegensatz zu Keaton, der immer großen Wert darauf legte, vor Beginn der Dreharbeiten Anfang, Mitte und Ende eines Films zu kennen, und sich darauf verließ, daß der Rest "sich finden werde", arbeitete Lloyd von einer zentralen Idee aus - meist war es ein Schauplatz oder eine allgemeine Inspiration, wie für Safety Last das Erlebnis eines echten Fassadenkletterers. Erst nachdem das Motiv feststand, bestimmte man, welche Eigenschaften der Held in diesem Kontext haben sollte. Danach kamen die Gags, die rasch zu einzelnen Sequenzen, von Lloyd "Inseln" genannt, ausgebaut wurden. Ganz zum Schluß, und oft nachdem große Teile der "Inseln" abgedreht waren, konzentrierte man sich auf die eigentliche Handlung. (...)
(Quelle: Wolfram Tichy: Harold Lloyd, Luzern - Frankfurt/ Main 1979, S. 65-68.)
(...) Harold Clayton Lloyd (1893-1971) war unter den vier von James Agee so genannten klassischen Filmkomikern Hollywoods der von Natur aus am wenigsten komische. Er spielte den Typ des optimistisch-konformen amerikanischen Durchschnittsjungen, dem eine geradezu aufdringliche Normalität und Naivität eigen ist. Allein seine Schüchternheit erreicht ein gewisses Extrem (...), das ihn über den Durchschnitt heraushebt. (...) Die groteske Wirkung seiner Filme (...) basierte auf gut ausgetüftelten Gags, die ihren Höhepunkt bisweilen in halsbrecherischen Actionszenen fanden. (...) Man möchte meinen, mit den schwindelerregend realistischen und semidokumentarisch wirkenden Bildern von "Safety Last" sei das "Fühlkino", das Aldous Huxley in seinem Roman "Schöne neue Welt" beschrieb, vorzeitig Wirklichkeit geworden: Denn bei diesen Szenen sollte sich dem Zuschauer der Magen umdrehen, und dies um so mehr, als Lloyd seinerzeit eine echte Identifikationsfigur war. Filme wie dieser unterstrichen schon sehr früh den Primat des US-Kinos: Die Virtuosität, die die Amerikaner in ihrem Film entwickelt hätten, könnten wir ihnen einfach gar nicht nachmachen, bedauerte der deutsche Rezensent Fritz Olimsky: "Lernen können wir dabei in erster Linie das eine, nämlich das Wesen des Films begreifen."
(Quelle: Rolf Giesen: "Ausgerechnet Wolkenkratzer!", in: Thomas Koebner (Hg.): Filmklassiker. Beschreibungen und Kommentare, Bd. 1: 1913-1946, Stuttgart 4. Aufl. 2002, S.95-97)
Sonntag, 17. August 2008
15.00 Uhr - Rheinisches LandesMuseum Bonn
Die Veranstaltungen im Rheinischen Landesmuseum sind kostenpflichtig. Sie können für diese Veranstaltung online Karten reservieren.
Max Neufeld, der 1904 als Schauspieler im Theater debütierte, dann zum Film wechselte und zwischen 1919 und 1957 mehr als 60 Filme als Regisseur gedreht hat, ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Das Filmarchiv Austria hat viele seiner Stummfilme restauriert, ihm eine Retrospektive gewidmet und ein Buch über ihn herausgebracht, so daß wir heute einen Regisseur mit persönlicher Handschrift wiederentdecken können. Nikolaus Wostry stellt den Regisseur, seine Filme und ihre Restaurierung vor.
17.00 Uhr - Rheinisches LandesMuseum Bonn
Die Veranstaltungen im Rheinischen Landesmuseum sind kostenpflichtig. Sie können für diese Veranstaltung online Karten reservieren.
Die musikalische Begleitung ist entscheidend für die Wirkung eines Stummfilms. Da nur in seltenen Fällen originale Noten erhalten sind, muß jeder heutige Musiker eine neue Begleitung finden, mit der er die Filme - indem er z.B. Spannungsbögen unterstreicht und Figuren charakterisiert - dem Publikum näher bringt. In seinem Vortrag gewährt Neil Brand Einblicke in seine Arbeitsweise und führt anhand eines Beispiels mit Live-Kommentierung vor, wie er seine Musik aus dem Moment heraus entwickelt.
21.00 Uhr - Arkadenhof
UdSSR 1930; Regie: Jakow Protasanow; Drehbuch: Jakow Protasanow, nach Motiven des gleichnamigen Romans von Harald Bergstedt; Kamera: Pjotr Jermolow; Bauten: Sergej Koslowski, Wladimir Baljusek; Darsteller: Anatoli Ktorow, Igor Iljinski, Mikhail Klimow, Maria Strelkowa, Igor Arkadin, Anatoli Gorjunow, Wladimir Uralski, N. Wassilijewa, Feofan Schipulinski; Produktion: Meshrabpomfilm, Moskau; Premiere: 25.8.1930; Farbe: schwarzweiß; Länge: 2.322 Meter, 102 Minuten (20 B/s); Zwischentitel: russisch mit deutscher Übersetzung; Musikbegleitung: Joachim Bärenz (Flügel)
Eine böse Satire auf die Geschäfte mit Religion und Heiligen, die von Vertretern der Kirche betrieben werden. Zwei Gauner brechen aus dem Gefängnis aus und mischen sich auf der Flucht vor der Polizei unter die Menschenmassen, die zu einem Wallfahrtsort pilgern. Der Komiker des russischen Stummfilms Iljinski brilliert in einer Paraderolle. Der Regisseur Jakow Protasanow schuf einige der populärsten Filme des sowjetischen Stummfilmkinos - zu denen auch DAS FEST DES HEILIGEN JÜRGEN zählt.
Frankreich 1898; Regie: Georges Hatot, Louis Lumière; Kamera: Alexandre Promio; Darsteller: Bretteau; Produktion: Lumière; Premiere: Anfang 1898; Farbe: schwarzweiß; Länge: 196 Meter, 11 Minuten (16 B/s); Zwischentitel: keine; Musikbegleitung: Joachim Bärenz (Flügel)
Ein früher, für seine Zeit ungewöhnlich langer und aufwendig gestalteter Jesus-Film aus der Produktion der Gebrüder Lumière. In 13 Tableaus, die von der Geburt Jesu bis zu seiner Auferstehung reichen, agieren die Schauspieler vor gemalten Kulissen, deren Begrenzungen im Bild deutlich zu sehen sind. Ursprünglich wurden die jeweils nur eine Minute langen Bilder als Einzelfilme vorgeführt, so daß der Film, der Auftakt unzähliger Jesus-Filme, auch als Vorform der späteren Form des Serials gesehen werden kann.
Montag, 18. August 2008
21.00 Uhr - Arkadenhof
USA 1925; Regie: King Vidor; Drehbuch: Laurence Stallings, Harry Behn; Kamera: John Arnold; Darsteller: John Gilbert, Renée Adorée, Hobart Bosworth, Claire McDowell, Claire Adams, Robert Ober, Tom O'Brien, Karl Dane, Rosita Marstini; Produktion: Metro-Goldwyn-Mayer Corporation; Premiere: 5.11.1925 (Grauman's Egyptian Theatre, Hollywood); Farbe: schwarzweiß mit viragierten und kolorierten Sequenzen; Länge: 3.423 Meter, 149 Minuten (20 B/s); Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Neil Brand (Flügel)
Einer der erfolgreichsten Stummfilme liegt nun wieder in der neu rekonstruierten Premierenfassung mit eingefärbten Sequenzen vor. Die Geschichte eines Sohnes aus gutem Hause, der 1917 in den Krieg nach Frankreich zieht, ist auch heute noch ein ungemein fesselndes Erlebnis. King Vidor, der sich von Kriegsveteranen beraten ließ, gelang es wie nur wenigen Filmemachern nach ihm, das Kriegsgeschehen ohne Beschönigung erfahrbar zu machen und mit anrührenden menschlichen Schicksalen zu verbinden.
Dienstag, 19. August 2008
21.00 Uhr - Arkadenhof
USA 1927; Regie: Frank Urson; Drehbuch: Leonore Coffee, nach dem Theaterstück von Maurine Dallas Watkins; Kamera: Peverell Marley; Ausstattung: J.M. [Mitchell] Leisen; Darsteller: Phyllis Haver, Victor Varconi, Eugene Pallette, Virginia Bradford, Clarence Burton, Warner Richmond, T. Roy Barnes, Sidney D'Albrook, Otto Lederer, May Robson, Julia Faye; Produktion: DeMille Pictures Corporation; Premiere: 26.3.1928; Farbe: schwarzweiß; Länge: 2.952 Meter, 117 Minuten (22 B/s); Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Neil Brand (Flügel) und Günter A. Buchwald (Violine)
Die erste Verfilmung jenes Stoffes, der als Musical 2002 mit Catherine Zeta-Jones, Renée Zellweger und Richard Gere neuverfilmt wurde, ist eine unterhaltsame Komödie über amerikanisches Gerichtswesen, Sensationsjournalismus und Showbusineß. Roxie Hart erschießt einen Mann. Überrascht von dem einsetzenden Presserummel lernt sie, den Mordfall geschickt zu nutzen, um auf die Titelseiten der Boulevardpresse zu gelangen. Mit Hilfe eines gerissenen Anwalts versucht sie, vor Gericht einen Freispruch zu erwirken.
USA 1920; Regie: Gregory LaCava; Drehbuch: Thomas A. 'Tad' Dorgan (Comic); Animationen: Gregory La Cava; Produktion: J. R. Bray Studios; Premiere: 6.6.1920; Farbe: schwarzweiß; Länge:111 Meter, 6 Minuten (16 B/s); Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Neil Brand (Flügel)
Gregory La Cava zeichnete Comic strips, bevor er 1916 in die Trickfilmproduktion einstieg und in den 20er Jahren zur Spielfilmregie wechselte. Als Regisseur von Hollywoodkomödien wurde er in den 30er Jahren berühmt, während seine frühen Zeichentrickfilme heute weitgehend vergessen sind. SMOKEY RAUCHT handelt von einem Hund, dem der Arzt das Rauchen verbietet. Verzweifelt läuft er durch die Stadt, landet bei einem Chinesen mit Opium-Pfeife - und verliert sich in wilden Wahnvorstellungen.
Mittwoch, 20. August 2008
21.00 Uhr - Arkadenhof
Norwegen 1927; Regie: Walter Fyrst; Drehbuch: Alf Rød, nach zwei Geschichten von Mikkjel Fønhus; Kamera: Ragnar Westfelt; Darsteller: Tryggve Larssen, Bengt Djurberg, Julie Lampe, Tove Tellback, Harald Stormoen, Einar Tveito, Egil Hjorth-Jenssen, Mimi Kihle, Hauk Aabel, Nils Ahrén; Produktion: Fyrst-Film; Produzent: Helge Lunde; Premiere: 26.12.1927 (Oslo); Farbe: mehrfarbig viragiert; Länge: 2.020 Meter, 98 Minuten (18 B/s); Zwischentitel: norwegisch mit deutscher Übersetzung; Musikbegleitung: Günter A. Buchwald (Flügel und Violine)
Das skandinavische Kino hat in der Stummfilmzeit weltweite Achtung erfahren wegen seiner eindrucksvollen Einbeziehung der Natur in Geschichten von menschlicher Dramatik. Der Troll-Elch soll, einer alten Legende zufolge, die Inkarnation eines toten Menschen sein. Hans darf die schöne Ingrid, Tochter eines reichen Bauern, erst heiraten, wenn er den Geister-Elch getötet hat. Als Hans des Mordes an seinem Rivalen Gunnar beschuldigt wird, muß er in die Stadt fliehen und dort auf dem Jahrmarkt arbeiten.
USA 1917; Regie: Charles Chaplin; Drehbuch: Charles Chaplin, Vincent Bryan, Maverick Terrell; Kamera: Roland Totheroh; Darsteller: Charles Chaplin, Edna Purviance, Eric Campbell, Albert Austin, Henry Bergman, Kitty Bradbury, Frank J. Coleman, William Gillespie, Tom Harrington, James T. Kelley, John Rand, Tiny Sandford, Janet Miller Sully, Loyal Underwood, Tom Wilson; Produktion: Lone Star Corporation; Premiere: 17.6.1917; Farbe: schwarzweiß; Länge: 617 Meter, 30 Minuten (18 B/s); Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Günter A. Buchwald (Flügel und Violine)
Einer der besten Kurzfilme von und mit Charlie Chaplin, der seine Komödie vor einem sehr realistischen Hintergrund entwickelt: Auf einem Schiff aus Europa landet der Tramp in Amerika, wo sich sein amerikanischer Traum jedoch nicht so recht zu erfüllen scheint. Mittellos versucht er in einem Lokal sowohl das Mädchen für sich zu gewinnen als auch eine warme Mahlzeit zu ergattern. Neben raffinierten und virtuosen Gags enthält der Film scharfe Kritik an sozialen Mißständen in den USA.
Donnerstag, 21. August 2008
21.00 Uhr - Arkadenhof
Deutschland 1920; Regie: Karlheinz Martin; Drehbuch: Karlheinz Martin, Herbert Juttke nach dem Theaterstück von Georg Kaiser; Kamera: Carl Hoffmann; Bildentwurf und Figuren: Robert Neppach; Darsteller: Ernst Deutsch, Erna Morena, Hans Heinrich von Twardowski, Eberhard Wrede, Adolf Edgar Licho, Hugo Döblin, Frieda Richard, Lotte Stein, Roma Bahn, Lo Heym; Produktion: Ilag-Film Berlin; Farbe: schwarzweiß; Länge: 1.325 Meter, 73 Minuten (16 B/s); Zwischentitel: deutsch; Musikbegleitung: SchlagEnsemble H/F/M
Einer der wenigen reinen expressionistischen Filme, mit verzerrten Kulissen, harten Kontrasten und stilisiertem Spiel der Darsteller. Erzählt wird die Geschichte vom Kassierer einer Bank, der Geld stiehlt, um sich in die Vergnügungen der Großstadt zu stürzen. Der Film kam seinerzeit nicht in die deutschen Kinos, sondern erlebte seine Uraufführung in Japan, wo sich die einzige Kopie erhalten hat. Die in der originalen Grafik rekonstruierten Zwischentitel wurden vom Filmmuseum München in den Film eingefügt.
Frankreich 1928; Regie: Ladislas Starewitch; Drehbuch: Ladislas Starewitch; Kamera: Ladislas Starewitch; Puppen und Animation: Ladislas Starewitch, Irène Starewitch; Kostüme: Anna Starewitch; Darsteller: Nina Star (= Starewitch), Bob Zoubowitch; Produktion: Les Films Louis Nalpas; Premiere: 8.9.1928 (Berlin),19.12.1928 (Paris); Farbe: mehrfarbig viragiert und getönt; Länge: 910 Meter, 33 Minuten (24 B/s); Zwischentitel: französisch mit deutscher Übersetzung; Musikbegleitung: Günter A. Buchwald (Flügel und Violine)
Der aus Rußland emigrierte Ladislas Starewitch schuf phantastische Puppentrickfilme, in denen er unterschiedlichste Animationstechniken anwandte und oft seine Tochter Nina mitspielen ließ. DIE WUNDERUHR ist sein Meisterwerk, in dem er verschiedene Geschichten mit einer Rahmenhandlung verband. Der neu restaurierte, wie im Original eingefärbte und getönte Film besteht aus zwei Teilen: DIE GESCHICHTE VOM MÄDCHEN, DAS PRINZESSIN WERDEN WOLLTE und DER VERZAUBERTE WALD.
Freitag, 22. August 2008
21.00 Uhr - Arkadenhof
Österreich 1928; Regie: Max Neufeld; Drehbuch: Fritz Zoreff, Siegfried Bernfeld, Max Neufeld; Kamera: Viktor Gluck; Bauten: Franz Meschkan, Hans Ledersteger; Darsteller: Dina Gralla, Claire Lotto, Alphons Fryland, Oskar Beregi, Richard Waldemar, Otto Schmöle, Viktor Franz, Cornelius Kirschner; Produktion: Hugo-Engel- Film GmbH, Wien; Premiere: 28.3.1928 (Berlin, Marmorhaus), 14.9.1928 (Wien); Farbe: schwarzweiß; Länge: 1.756 Meter, 64 Minuten (24B/s); Zwischentitel: serbokroatisch mit deutscher Übersetzung; Musikbegleitung: Maud Nelissen
Eine vergnügliche Verwechslungskomödie aus dem Wien der 20er Jahre: Ein Graf soll eine ihm unbekannte Fabrikantentochter heiraten. Da er sich auf dem Standesamt verspätet, platzt die Hochzeit. Daß die Braut durch eine Verwechslung in einem Appartement Unterschlupf findet, in dem auch der Graf wohnt, führt zu turbulenten Szenen. Mit einem Esprit, der an Ernst Lubitsch anknüpft, und vielen originellen visuellen Einfällen entstand einer der komischsten Filme des österreichischen Regisseurs Max Neufeld.
22.30 Uhr - Arkadenhof
Schweden 1922; Regie: Victor Sjöström; Drehbuch: Victor Sjöström, Hjalmar BergmanKamera: Julius JaenzonBauten: Axel Esbensen, Alexander Bakó; Darsteller: Jenny Hasselquist, Ivan Hedqvist, Tore Svennberg, Gösta Ekman, Knut Lindroth, Waldemar Wohlström, Nils Asther, Paul Seeling, Nils Lundell, Tyra Dörum, Bror Berger, Lars Egge, Edvin Adolphson, Nils Jacobsson, Olof Ås, Torsten Bergström, Edvin Adolphson, Julia Cæsar, Emil Fjellström, Artur Rolén; Produktion: Svensk Filmindustri; Premiere: 1.1.1922; Farbe: schwarzweiß; Länge: 1.787 Meter, 89 Min. (18 B/s); Zwischentitel: schwedisch mit deutscher Übersetzung; Musikbegleitung: Joachim Bärenz (Flügel)
Der vorletzte Film Sjöströms vor seinem Gang nach Hollywood erzählt eine düstere Geschichte aus dem Mittelalter: Ursula darf nicht den Mann heiraten, den sie liebt, sondern muß eine Ehe mit einem deutlich älteren Bildhauer eingehen. Sie entwickelt den Plan, ihren Ehemann zu vergiften. Mit prächtigen Dekors, einer ausgefeilten Lichtsetzung und beeindruckender Kameraarbeit setzt Sjöström sein Drama um Schuld, Sühne und Vergebung um, das mit sparsamen Zwischentiteln rein visuell erzählt wird.
Samstag, 23. August 2008
21.00 Uhr - Arkadenhof
Deutschland 1928; Regie: Gennaro Righelli; Drehbuch: Curt J. Braun, Walter Jonas nach dem Roman "Le Rouge et le noir" ("Rot und Schwarz") von Stendhal; Kamera: Friedrich Weinmann; Darsteller: Iwan Mosjukin, Lil Dagover, José Davert, Jean Dax, Agnes Petersen, Félix de Pomés, Hubert von Meyerinck, Dillo Lombardi, Valeria Blanka; Produktion: Greenbaum Film, Berlin / Terra-Film, Berlin; Premiere: 25.10.1928 (Berlin); Farbe: mehrfarbig viragiert; Länge: 1.790 Meter, 65 Minuten (24 B/s); Zwischentitel: französisch mit deutscher Übersetzung; Musikbegleitung: Joachim Bärenz (Flügel)
Mosjukin war unbestrittener Star aufwendiger Produktionen wie CASANOVA oder DER KURIER DES ZAREN. In Righellis sehr freier Adaption von Stendhals Roman "Rot und Schwarz" spielt er den Provinzler Julien Sorel, der 1830 nach Paris kommt, um dort Karriere zu machen und die Tochter eines Marquis zu heiraten. Seine Vergangenheit holt ihn jedoch ein. Der Ausstattungsfilm hat sich nur in einer gekürzten französischen Fassung erhalten, die ein sehr modern anmutendes, rasches Erzähltempo aufweist.
22.30 Uhr - Arkadenhof
GB 1928; Regie: Miles Mander; Drehbuch: Miles Mander, Alma Reville, nach Manders Theaterstück "Common People" und seinem Roman "Oasis"; Kamera: Walter Blakeley; Ausstattung: Wilfred Arnold; Darsteller: Madeleine Carroll, Miles Mander, John Loder, Margot Armand, Ella Atherton, Ivo Dawson, Margaret Roach, John St. John, Naomi Jacob, Bernard Vaughan, Walter Wichelow, Beryl Egerton, Theodore Mander; Produktion: Mander Production Syndicate für Gainsborough Pictures; Premiere: Oktober 1928; Farbe: schwarzweiß; Länge: 2.114 Meter, 84 Minuten (22 B/s); Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Stephen Horne (Flügel)
Alma Reville, die Ehefrau und engste Mitarbeiterin von Alfred Hitchcock, begann ihre Karriere als Cutterin und Drehbuchautorin. Das Drehbuch zu dem spannenden Ehedrama DAS WUNSCHKIND schrieb sie zusammen mit Miles Mander, einem populären englischen Schauspieler, der auch die männliche Hauptrolle spielt und Regie führt. Es geht um eine Ehefrau, die ihren Mann liebt, obwohl er sie dauernd betrügt. Als er sie verläßt, schmiedet sie den Plan, ihn mit einem Wunschkind zurückzuholen.
Sonntag, 24. August 2008
15.00 Uhr - Rheinisches LandesMuseum Bonn
Die Veranstaltungen im Rheinischen Landesmuseum sind kostenpflichtig. Sie können für diese Veranstaltung online Karten reservieren.
Der Maler und Grafiker Walter Ruttmann entdeckte den Film 1920 und schuf die ersten abstrakten Zeichentrickfilme der Welt. Populär waren seine phantasievollen Werbefilme, die heute weitgehend vergessen sind. Als der Tonfilm aufkam, experimentierte Ruttmann sofort mit dem neuen Medium, stellte einen "Tonfilm ohne Bild" her und den Vorläufer des Musikvideos. Das Filmmuseum München bereitet eine DVD mit den Werken von Ruttmann vor, über deren Restaurierungen Stefan Drößler sprechen wird.
17.00 Uhr - Rheinisches LandesMuseum Bonn
Deutschland 1927; Regie: Walter Ruttmann; Drehbuch: Karl Freund, Carl Mayer, Walter Ruttmann; Kamera: Robert Baberske, Reimar Kuntze, Lázsló Schäffer, Karl Freund; Bauten: Erich Kettelhut; Schnitt: Walter Ruttmann; Produktion: Deutsche Vereins-Film, Les Productions Fox Europa; Premiere: 23.09.1927 (Berlin, Tauentzien-Palast); Farbe: schwarzweiß; Länge: 65 Minuten; Musik: Edmund Meisel (Orchestereinspielung)
Die Veranstaltungen im Rheinischen Landesmuseum sind kostenpflichtig. Sie können für diese Veranstaltung online Karten reservieren.
Mit versteckter Kamera filmte Ruttmann in den Straßen von Berlin, um die Aufnahmen zum Tagesablauf einer Großstadt zu montieren. Edmund Meisel schrieb dazu eine legendäre Filmmusik, von der sich nur ein Klavierauszug erhalten hat. Im Herbst 2007 wurde die rekonstruierte Musik erstmals wieder in der Originalbesetzung mit 75 Musikern aufgeführt. Der Film wurde umkopiert und vom Filmmuseum München digital überarbeitet. Zur Aufführung gelangt diese neue Fassung in einer digitalen Projektion.
21.00 Uhr - Arkadenhof
D/GB 1929; Regie: Richard Eichberg; Drehbuch: Adolf Lantz, Helen Gosewisch, nach der Novelle "Schmutziges Geld" von Karl Vollmöller; Kamera: Heinrich Gärtner, Bruno Mondi; Darsteller: Anna May Wong, Heinrich George, Mary Kid, Hans Adalbert Schlettow, Paul Hörbiger, Julius E. Herrmann; Produktion: Eichberg Film, Berlin / British International Pictures, London; Premiere: 21.8.1928; Farbe: schwarzweiß; Länge: 2.696 Meter, 98 Minuten (24 B/s); Zwischentitel: englisch; Musikbegleitung: Stephen Horne (Flügel)
Richard Eichberg war über ein Vierteljahrhundert einer der erfolgreichsten Regisseure des deutschsprachigen Unterhaltungskinos, der von der Kritik aber selten ernst genommen wurde. Dabei schuf er einige faszinierende Filme wie das Melodram SONG, die sich durch eindrückliche Bildgestaltung, sorgfältige Ausstattung und großartige Schauspielerleistungen auszeichnen. Er verpflichtete Hollywood-Star Anna May Wong als Malayenmädchen Song, das einem von Heinrich George gespielten Matrosen verfällt.
Frankreich 1924; Regie: Claude Autant-Lara; Drehbuch: Claude Autant-Lara; Kamera: Henri Barreyre; Darsteller: Paul Barthet, Louise Lara, Antonin Artaud; Produktion: Cinégraphic; Premiere: Dezember 1924; Farbe: schwarzweiß; Länge: 432 Meter, 19 Minuten (20 B/s); Zwischentitel: keine; Musikbegleitung: Stephen Horne (Flügel)
Ein Klassiker des französischen Avantgardefilms. Er erzählt eine Dreiecksgeschichte, die der Zeitungsrubrik "Vermischte Meldungen" entnommen sein könnte. Autant-Lara verwendet Stilmittel wie Doppel- und Dreifachbelichtungen, Schrägeinstellungen, extreme Großaufnahmen, Zeitlupe, mehrfache Wiederholungen derselben Handlung sowie Zeitsprünge. Für die Rolle von Monsieur II verpflichtete er den jungen Schriftsteller Antonin Artaud, der mit diesem Film eine Karriere als Schauspieler startete.
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Im Kino in der Brotfabrik: DER GROSSE DIKTATOR
»Chaplins erster Film, der von allen Möglichkeiten des Tons Gebrauch machte, ist eine beißende Satire auf Hitler und Nazideutschland. Chaplin spielt eine Doppelrolle als Hynkel, der Diktator von Tomania - eine brillante Karrikatur Hitlers-, und als der jüdische Friseur, der noch starke Züge des Tramps trägt.« (rororo-Filmlexikon)
Aufführungen: Fr 29.8. und Sa 30.8. um 19.00 Uhr, Brotfabrik [Reservierung]
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Alle Aufführungen im Arkadenhof der Universität werden durch renommierte Stummfilmmusiker live begleitet. Lernen Sie hier die Musiker kennen, die bei den Internationalen Stummfilmtagen spielen.
Foto: Gilles Soubeyrand
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