Internationale Stummfilmtage - 24. Bonner Sommerkino
Pressemitteilung vom 21. April 2008

Eröffnungsfilm 2008: GIRL SHY (Harold Lloyd: Mädchenscheu)

Internationale Stummfilmtage - 24. Bonner Sommerkino 2008 vom 14. - 24. August 2008

Bonn, 21. April 2008. Vom 14. bis zum 24. August macht der Förderverein Filmkultur Bonn e.V. den Arkadenhof der Uni Bonn wieder zum Kino. Zehn Abende gibt es unter freiem Himmel restaurierte Stummfilmschätze aus Filmarchiven der ganzen Welt zu entdecken, die von namhaften Stummfilmmusikern zu neuem Leben erweckt werden. Das Zusammenspiel der Bilder auf der Großbildleinwand, des Veranstaltungsortes, der Musik, des Publikums, des Wetters und der Atmosphäre machen jede Aufführung zu einem einzigartigen Ereignis. Der Eröffnungsfilm ist in diesem Jahr »Girl Shy« (Harold Lloyd: Mädchenscheu; USA 1924). Die Musiker des Eröffnungsabends sind Aljoscha Zimmermann (Flügel) und seine Tochter Sabrina Hausmann (Violine).

»Es ist bezeichnend für die Oberflächlichkeit, mit der Lloyd von der Mehrzahl seiner [...] Kritiker behandelt wird, daß nur sehr wenige das lyrische Element in seinen Filmen zu würdigen wissen, obwohl ähnlich schöne und ganz vom Bild her wirkende Liebesszenen bei keinem anderen Komiker außer Chaplin zu finden sind.« (Wolfram Tichy: Harold Lloyd, Luzern - Frankfurt/ Main 1979, S.75ff)

Harold Lloyd verkörpert in dem Film Girl Shy einen Schneider, der in seiner Fantasie ein Casanova, im wahren Leben aber Frauen gegenüber extrem schüchtern ist. Dies führt dazu, dass seine Freundin einen Heiratsschwindler ehelichen will. Lloyd kann dies nach einer virtuosen Hetzjagd mit verschiedensten Verkehrsmitteln in letzter Sekunde verhindern. Die akrobatischen Meisterleistungen des Komikers werden während der Stummfilmtage mit Safety Last noch einmal unter dem Bonner Nachthimmel auf der großen Leinwand im Innenhof des kurfürstlichen Schlosses zu sehen sein. Dieser Film ist Lloyds wohl bekanntester Film, nicht zuletzt wegen der berühmten Szene, in der der Komiker am Zeiger einer Uhr hängt

Als das Sommerkino 1985 zum ersten Mal stattfand, konnten sich die beiden Organisatoren, Matthias Keuthen und Stefan Drößler, noch nicht vorstellen, wie sich aus ihrer Idee, in Bonn ein Open-Air-Kino zu realisieren (so wie sie es aus mediterranen Ländern wie Italien kannten) einmal Deutschlands größtes und wichtigstes Stummfilmfestival entwickeln würde. Es hat vieler Schritte bedurft, um Skeptiker davon zu überzeugen, dass eine solche Veranstaltung nicht nur an einem Wochenende, sondern sogar 11 Tage stattfinden sollte und dass man auch mit Filmen außerhalb des aktuellen Mainstream-Angebotes erfolgreich sein kann. Das Publikum ist nach wie vor wichtigste Basis des Sommerkinos. Es beweist jedes Jahr wieder Entdeckerfreude und lässt sich auch von schlechtem Wetter nicht abschrecken. So sichert es mit seinen Spenden den Fortbestand der trotz der Zuschüsse chronisch unterfinanzierten Veranstaltung. Auch dieses Jahr könnte das Festival aber natürlich ohne die Unterstützung der Stadt Bonn, der Filmstiftung NRW, des BKM -Filmförderung des Bundes, der Universität Bonn und des Rheinischen LandesMuseums nicht stattfinden. Seit 1995 werden ausschließlich Stummfilme gezeigt. Diese sind keineswegs nur primitive Vorläufer des Tonfilms. Es sind vielmehr Werke, die die Möglichkeiten der Bildersprache und Montage mit einer Unverbrauchtheit und in einer Vielfalt erkunden, die auch heute noch beeindrucken. Um sie genießen zu können, braucht man weder filmhistorisch spezialisiert zu sein noch einem Geheimbund anzugehören. Ist der erste »Schock« über die Abwesenheit jener ununterbrochenen Dialoge, die später oft über das Fehlen bildlicher Qualitäten hinweghelfen mussten, einmal überwunden, wirken viele dieser Filme frisch wie am ersten Tag.

Die Gründe für die häufig anzutreffende Skepsis gegenüber Stummfilmen liegen unter anderem in der lange Zeit üblichen Aufführungspraxis: Vorbei sind zum Glück die Zeiten, in denen Stummfilme auf Tonfilmprojektoren gezeigt wurden, deren Geschwindigkeit nicht regelbar war, so dass die Bilder viel zu schnell liefen und der falsche Eindruck aufkommen konnte, diese Filme seien technisch primitiv. Auch die Praxis, die stummen Meisterwerke in den Tempeln der Filmkunst in ahistorischer Stille andächtig zu zelebrieren, hat bestimmt zur Schwellenangst beigetragen. Und die Qualität der zur Vorführung gelangenden Kopien war oft zweifelhaft, was z.T. irrige Meinungen über die Ästhetik dieser Filme aufkommen ließ. So hielt man harte Schwarzweiß-Kontraste für eine gewollte Besonderheit des deutschen expressionistischen Films, wo doch Grautöne und Colorierung lediglich durch die wiederholten Kopiervorgänge verlorengegangen waren.

In Bonn hingegen werden teils berühmte, teils neu entdeckte Stummfilme in qualitativ guten, oftmals frisch restaurierten Kopien gezeigt. Die Filme werden begleitet von erfahrenen Stummfilmpianisten, die weltweit zu den Besten ihres Fachs gehören. Dass die Vorführung auch hinsichtlich des exakten Bildformats und der richtigen Laufgeschwindigkeit gepflegt wird, ist selbstverständlich. Die konsequente, fachkundige und liebevolle Pflege dieser Tradition hat sich gelohnt.

Neben den abendlichen Aufführungen im Arkadenhof der Universität um jeweils 21 Uhr wird es auch in diesem Jahr an den beiden Sonntagen wieder ein begleitendes Rahmenprogramm im Rheinischen Landesmuseum geben. Lassen auch Sie sich entführen in die Welt des frühen Kinos in der unvergleichlichen Atmosphäre von Deutschlands größtem Stummfilmfestival!

Über den Förderverein Filmkultur Bonn e.V.

Der Förderverein Filmkultur Bonn e.V. wurde Anfang der 90er Jahre gegründet, um den großen Bedarf an filmhistorischen Projekten besser umsetzen zu können. Der Förderverein ist Ansprechpartner in allen filmarchivarischen Fragen und hat eine Reputation weit über Bonn hinaus. Auch in Fragen der filmischen Bildung hat der Förderverein innovative Programme für den Nachwuchs und in der Erwachsenenbildung entwickelt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.film-ist-kultur.de/sommerkino

Belegexemplar erbeten

Pressekontakt:
Jessica von Wülfing
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