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Hollywood spricht deutsch |
Vortrag von Stefan Drößler mit Ausschnitten aus:
A LADY TO LOVE - Victor Seastrom, 1930
DIE SEHNSUCHT JEDER FRAU - Victor Sjöström, 1930
ANNA CHRISTIE - Clarence Brown, 1930
ANNA CHRISTIE - Jacques Feyder, 1931
THE BIG TRAIL - Raoul Walsh, 1931 (Foto)
DIE GROSSE FAHRT - Raoul Walsh / Lewis Seiler, 1931
ABENTEUER IM URWALD - Ernest Schoedsack / Leo Mittler, 1931
THE LAUREL-HARDY MURDER CASE - James Parrott, 1930
NOCHE DE DUENDES - James Parrott, 1930
SPUK UM MITTERNACHT - James Parrot, 1931
WIR SCHALTEN UM AUF HOLLYWOOD - Frank Reicher, 1931
MENSCHEN HINTER GITTERN - Paul Fejos, 1931
PARLOR, BEDROOM AND BATH - Edward Sedgwick, 1931
CASANOVA WIDER WILLEN - Edward Brophy, 1931
Um auf dem deutschen Markt erfolgreich zu sein, stellten die Hollywood-Studios zu Beginn der Tonfilmzeit von ihren Produktionen deutsche Versionen her, indem sie ihre Stars phonetisch auswendig gelerntes Deutsch sprechen ließen und deutsche Schauspieler, Regisseure, Autoren und Sprachtrainer nach Hollywood holten. Stefan Drößler beschreibt ein wenig erforschtes Kapitel Filmgeschichte mit Hilfe von zahlreichen Ausschnitten aus wenig bekannten Filmen.
Als THE SINGING FOOL am 3. Juni 1929 im Berliner Gloria-Palast Premiere hatte und als der erste hundertprozentige Tonfilm im deutschen Kino für ausverkaufte Vorstellungen sorgte, lief der Film in der amerikanischen Originalfassung. Um den Film für das deutsche Publikum verständlich zu machen, hatte man auf das Stilmittel der Stummfilmzeit zurückgegriffen und bei wichtigen Dialogen deutsche Zwischentitel in den Film eingeschnitten. Doch die Sensation der "sprechenden Leinwand" verlangte bald nach mehr: Das deutsche Publikum wollte verstehen, was auf der Leinwand gesprochen wurde, wollte Filme in deutscher Sprache. Noch bevor deutsche Filmproduzenten deutsche Tonfilme herstellen konnten, kamen im Oktober 1929 deutschsprachige Filme aus Großbritannien und aus Amerika in die deutschen Kinos: Da man noch keine Möglichkeit der Tonmischung hatte und Tonspuren nur komplett ohne Bearbeitungsmöglichkeiten aufnehmen konnte, was zwangsläufig zu Synchronitätsproblemen führte, verfielen die Produzenten auf das Konzept der Sprachversionen: Man drehte den kompletten Film ein zweites Mal und ließ die Schauspieler (ein phonetisch auswendig gelerntes) Deutsch sprechen oder wechselte die Hauptdarsteller einfach aus. Zwischen Ende 1929 und Frühjahr 1931 entstanden ein paar Dutzend solcher Sprachversionen in Hollywood, die sich aber auf dem deutschen Markt nicht durchsetzten: Das Besondere eines amerikanischen Films war ja gerade, daß man amerikanische Stars sehen konnte und nicht nur die bekannten Gesichtern deutscher Schauspieler, und das manchmal hilflose Deutsch-Gestammel von Greta Garbo, Edward G. Robinson, Norma Shearer, Adolphe Menjou, Buster Keaton, Stan Laurel und Oliver Hardy konnte auf Dauer nicht überzeugen.
Stefan Drößler