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UN CHIEN ANDALOU
EIN ANDALUSISCHER HUND
Frankreich 1928 - Regie: Luis Buñuel - Drehbuch: Luis Buñuel und Salvador Dalí - Kamera: Albert Duverger - Darsteller: Simone Mareuil, Pierre Batcheff, Jaime Miravilles, Luís Buñuel, Salvador Dalí - Produktion: [in Recherche] - Premiere: (Paris) - Archiv: Filmmuseum München - Farbe: schwarzweiß - 422 m, 18 min. bei 20 B/s


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Der große Klassiker des surrealistischen Films, der in Zusammenarbeit von Luis Buñuel mit Salvador Dalí entstanden ist. Buñuel ist am Anfang des Filmes zu sehen, wie er ein Rasiermesser schleift, mit dem ein Auge zerschnitten wird ­ einer der berühmtesten Schockmomente der Filmgeschichte. Salvador Dalí spielt einen der katholischen Seminaristen, die neben Eselkadavern und Konzertflügel an den Seilen hängen, die Hauptdarsteller Pierre Batcheff durch das Zimmer zu ziehen versucht, um sich einer jungen Frau zu nähern.

"Elf Einstellungen, und danach geschieht, was nicht geschehen darf und nicht geschehen kann. Und siehe, es geschieht doch. Die Hand, die das Rasiermesser schärft. Die Nagelprobe. Die französische Fenstertür. Das silber weiße Ateliermondlicht. Der Balkon. Und der Mann tritt hinaus, die Klinge in der Hand, und erhebt sein Provinzathletenantlitz mit der Zigarette im Maul zum Nachtgestirn. Wolken strömen übers Himmelschwarz wie Schwertklingen dem Mond entgegen. Plötzlich befinden sich zwei Personen auf dem Balkon, eine sitzende, eine stehende. Die Schöne lächelt. Der Athlet, ausgestattet mit nüchternem, somnambulen Schlächtergesicht (ein in die Drangsale des Aufruhrs vernarrter Spanier namens Luis Buñuel), tritt hinter die Frau, weitet mit den Fingern der Linken ihr Auge und führt mit der Rechten die Rasierklinge zum horizontalen Schnitt. Die Wolke am Firmament setzt seine Bewegung fort: Sie zieht vor dem Mond vorüber. Und der Betrachter? Er erlieg t der Macht der Kino-Alchimie. Er nimmt, entsetzt-hypnotisiert, das Zertrennen der Pupille vorweg. Er sieht im Mond ein Auge in effigie, zertrennt von der Wolke. Aber er ist Bewohner des besänftigenden Kontinents Kultur. Es handelt sich, wie er wähnt, um eine Metapher. Das Messer, weiß er, wird das wirkliche Auge nicht zerschneiden. Denn es existieren Tabus, Grenzen, die man nicht zu überschreiten wagt. Der Film läuft weiter. Großaufnahme der Pupille: Mond in Schwarz. Das Rasiermesser fährt hindurch. Das Auge klafft. Gelatine quillt heraus. Als wäre die alte, geordnete Welt nicht hiermit zerbrochen, fügt der Film ans Gezeig te den lapidaren Zwischentitel 'Huit ans après ...' und fährt fort, weitere Ungeheuerlichkeiten vorzuzeigen, als handle es sich um Poesie oder Kochrezepte."
Harry Tomicek, in: Neue Zürcher Zeitung, 19./20.2.2000


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