|
| ||
Die Tochter des Wassers (La Fille de l'eau) |
Frankreich 1924
Regie: Jean Renoir
Drehbuch: Pierre Lestringuez, Jean Renoir
Kamera: Jean Bachelet, Alphonse Gibory
Darsteller: Catherine Hessling, Pierre Philippe (= Pierre Lestringuez), Pierre Champagne, Maurice Touzé, Georges Térof, Mme Fockenberghe, Harold Lewingston, Charlotte Clasis, Henriette Moret, Pierre Renoir, André Derain, Léon Salem, Mimi Champagne
Produktion: Jean Renoir
Premiere: 12.12.1924
Archiv: Filmmuseum München
Farbe: schwarz weiß
Länge: 1.632 Meter, 71 Minuten (20 B/s)
Zwischentitel: englisch
Musikbegleitung: Joachim Bärenz (Flügel)
Jean Renoirs zweiter Film, mit einer Bande von Freunden in zwei Sommermonaten an den Ufern der Loing gedreht. Eine melodramatische Geschichte im Stil der Zeit, die Bilder impressionistisch, eine Landpartie, die noch die Handschrift von Auguste trägt. Dazu schwindelerregende technische Experimente, um das neue Medium auszuloten: ein Alptraum der Hauptdarstellerin (und Renoirs damaliger Frau) Catherine Hessling ist Vorwand für furiose 360º-Schwenks in Doppelbelichtung mit vorüberziehenden Wolken ... "Ich war auf der Suche nach einer Grammatik", sagt Renoir später dazu.
Ein Schleppkahn. Er gehört zwei Brüdern. Einer von ihnen fällt ins Wasser, ertrinkt. Seine Tochter Virginie bleibt bei dem anderen, Jef, einem brutalen Kerl. Sie wird gepeinigt und gequält, flieht schließlich. Bei Zigeunern findet sie Unterschlupf und zieht mit ihnen durch die Lande. Doch plötzlich, in Folge eines Diebstahls, bei dem ein Feuer ausbricht, bleibt sie alleine zurück. In einem fürchterlichen Gewitter ist sie nahe dran, ihr Leben zu verlieren. Doch ein ihr freundschaftlich zugetaner junger Mann nimmt sie mit zu Müllersleuten. Später dann, nachdem sie den schrecklichen Onkel wiedergesehen hat, wird sie denjenen, dem ihr Herz gehört, heiraten.
Ist das alles? Nein, das ist nur die einfache Geschichte, worum die Figuren kreisen, die alles andere als Dekor sind ... Wir haben da die Müllersleute, einen lächerlich-blasierten Bauern, einen ungehobelten Mechaniker, einen Wirt mit Zahnweh, eine pfeifenrauchende Zigeunerin, Menschen mit Gewohnheiten, Manien und Ticks, die uns ganz beiläufig gezeigt werden, aber insbesondere haben wir Tableaus, derer wir nie überdrüssig werden, das Leben auf dem Schleppkahn, auf dem Land und in einem Salon in der Provinz.
Jede Figur hat ihre Eigenheiten, und das nicht nur durch die physische Erscheinung der Darsteller: die Typen, die wir sehen, entstehen nicht durch karikaturale Überzeichnung. Und der Film ist umso angenehmer, da er keine Längen hat ...
Sollte ich etwa vergessen haben, die Namen des Drehbuchautors und des Regisseurs zu erwähnen: M. Pierre Lestringuez und M. Jean Renoir? Sie haben verstanden, was das Kino ist, soviel steht fest. Auf daß sie Filme machen!
Jean Wahl, in: L'Intransigeant, 20./22.12.1924