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TILLIES GESTÖRTE ROMANZE (TILLIE'S PUNCTURED ROMANCE)

Programm: Bonn 2007 Druckversion Festival-Archiv

USA 1914 - Regie: Mack Sennett - Drehbuch: Mack Sennett, Hampton Del Ruth nach dem Bühnenstück 'Tillie's Nightmare' von A. Baldwin Sloane und Edgar Smith - Kamera: Hans F. Koenekamp, Frank D. Williams - Darsteller: Marie Dressler, Charles Chaplin, Mabel Normand, Mack Swain, Charley Parrott (= Chase), Charles Bennett, Chester Conklin, Al. St. John, Slim Slummerville, Edgar Kennedy, Alice Davenport, Minta Durfee, Glen Cavender - Produktion: Keystone Film Company - Premiere: 14.11.1914 - Format: 35mm - Länge: 1.688 Meter, 85 Minuten (18 Bilder/sec) - Farbe: schwarzweiß - Zwischentitel: englisch

Musikbegleitung: Joachim Bärenz

Eine legendäre Stummfilmkomödie, in der gleich ein Dutzend Schauspieler mitwirken, die später als Komiker Solo-Filmkarrieren machen sollten. Jahrzehntelang nur in verstümmelten Fassungen erhalten, gelang es dem UCLA-Filmarchiv in jahrelanger Arbeit, den Film aus Material von sehr unterschiedlicher Bildqualität wieder zusammenzusetzen. Zu entdecken ist ein Werk, das die Prinzipien des Slapsticks erstmals auf einen abendfüllenden Spielfilm ausdehnt.

Besprechungen

Miss Dressler ist die zentrale Figur, aber Chaplins Kamerapossen sind wesentlich für das Funktionieren des Films. Mack Sennett hat Regie geführt, und er hat seine Sache gut gemacht. Miss Dressler trägt Kleidung, die sie lächerlich erscheinen läßt. Außerdem macht sie Gesten und verzieht ihr Gesicht in alle Richtungen, was auch zum Gelingen beiträgt. Der Film dauert ein bißchen zu lang, aber das ausgelassene, zum Brüllen komische Finale ist das Warten wert.

Variety 1.1.1915. (Zum englischen Originaltext)

Sennett [verfiel] auf der Suche nach einem Theatererfolg, den er verfilmen konnte, auf "Tillie's Nightmare" (...). Die 1910 geschriebene Komödie hatte eine lange und triumphale Spielzeit am Broadway gehabt, und ihr Star, Marie Dressler, war Amerikas größte Komikerpersönlichkeit in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. (...)

Um hohe Einnahmen an den Kinokassen zu sichern, lag es nahe, neben Marie Dressler die beiden Topstars des Studios, Chaplin und Mabel [Normand], einzusetzen. (...) Der gewaltige Erfolg des Films machte ihn zu einem Meilenstein in Chaplins Karriere.

David Robinson: Chaplin. Sein Leben. Seine Kunst, Zürich 1989, S.161 f.

(...) tatsächlich handelt es sich hier um einen frühen Versuch, die Dramaturgie der Slapstick-One-Reeler (Kurzfilme von ca. 15 Minuten Länge) auf Spielfilmlänge zu bringen. Prinzipiell hat man hierfür eine alternierende Form gefunden, in der Sequenzen, worin Tillie zusammen mit Charlie auftaucht, sich mit solchen abwechseln, in denen Tillie allein agiert. Daraus entsteht eine Struktur, in der Situationen, wie sie auch schon für One-Reeler entworfen wurden, zu einer Handlungskette zusammengefügt werden können. Mack Sennett, Produzent und Regisseur der Keystone Company, kann somit seine Erfahrungen der frühen Kurzfilme aneinanderreihen, um diese abendfüllende Komödie zu drehen. Durch dieses Prinzip entsteht freilich keine stringente Spielfilmhandlung (...), sondern eine recht absurde Handlungsfolge, die aber gerade geeignet ist, die grotesken Formen des Slapstick auf eine Laufzeit von knapp 75 Minuten zu bringen.

Peter Ellenbruch: "Tillies Romanze auf Raten", in: Heinz-B. Heller/Matthias Steinle (Hg.): Filmgenres. Komödie, Stuttgart 2005, S.32 f.




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