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TERJE VIGEN |
Schweden 1917
Regie: Victor Sjöström
Drehbuch: Victor Sjöström, Gustaf Molandernach einer Ballade von Henrik Ibsen
Kamera: Julius Jaenzon
Darsteller: Victor Sjöström, Bergliot Husberg, August Falck, Edith Erastoff
Produktion: Svenska Biografteatern AB, Stockholm
Premiere: 29.1.1917 (Stockholm)
Format: 35 mm
Länge: 1.160 Meter, 60 Minuten (17 Bilder/sec)
Farbe: mehrfarbig viragiert
Zwischentitel: deutsch
Musikalische Begleitung: Günter A. Buchwald
Das erste große Meisterwerk des schwedischen Stummfilms basiert auf einer Ballade von Henrik Ibsen über Schuld und Vergebung: Der norwegische Fischer Terje Vigen verliert durch eine englische Seeblockade im Krieg gegen Napoleon seine Familie. Die frisch restaurierte deutsche Fassung des Films, die farbig viragiert ist und eine weit bessere Bildqualität besitzt als alle bisher bekannten Kopien des Films, erlebt beim Bonner Sommerkino ihre Premiere.
1916 weilte Sjöström im Norden Norwegens, in der Seestadt Grimstad. Henrik Ibsen hatte in dieser Stadt seine Jugendzeit verbracht und sich von den Fischern und Matrosen Geschichten erzählen lassen. Hier entstand auch seine Ballade "Terje Vigen". Sie behandelt den Mut und die Aufopferung eines norwegischen Fischers, der während eines Unwetters einen Menschen rettet, obwohl dieser vorher sein Familienglück zerstört hat. Das Fischermilieu, die Meerlandschaft und die Fabel von Ibsens Ballade ließen Sjöström schon seinen zukünftigen Film voraussehen. Nicht nur der arbeitsame und aufrichtige Fischer sollte der Held werden, sondern auch das Meer. Die Fabel sollte sich nicht nur auf eine Folge von Ereignissen beschränken, sondern auch versuchen, dem Zuschauer zu erklären, wie sich die herben und harten Charaktere von Menschen herausbilden, die ihr ganzes Leben lang mit den Naturgewalten zu kämpfen haben. Der Text der Zwischentitel brachte nur Zitate aus der Ballade.
Das war die Entstehungsgeschichte von Sjöströms neuem Film und zugleich die Entstehungsgeschichte der Geburt des schwedischen Films. TERJE VIGEN erfüllte die Absichten des Regisseurs; der ideelle Gehalt und die Atmosphäre des literarischen Werkes wurden ohne Vereinfachung und Kompromisse auf die Leinwand übertragen. Sjöström hatte selbst die Hauptrolle übernommen und eine überzeugende Fischergestalt geschaffen. Das wichtigste war, daß zum erstenmal in der Praxis des schwedischen Films bei einer Inszenierung ideelle Gesichtspunkte ausschlaggebend waren. Es wurde versucht, Raum und Zeit als ein künstlerisches Ganzes im Filmbild zu verbinden und dem Zuschauer eine Art Credo des Regisseurs und Autors zu vermitteln.
Jerzy Toeplitz: Geschichte des Films, Bd. 1: 1895-1928; Berlin 1984