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sylvester - tragödie einer nacht |
Deutschland 1924
Regie: Lupu Pick
Drehbuch: Carl Mayer
Kamera: Karl Hasselmann, Guido Seeber
Darsteller: Eugen Klöpfer, Edith Posca, Frida Richard, Rudolf Blümer, Karl Harbacher, Julius E. Herrmann
Produktion: Rex-Film GmbH
Premiere: 3.1.1924
Archiv: National Film Center, Tokio
Farbe mehrfarbig viragiert
Länge: 1.358 Meter, 66 Minuten (18 B/s)
Zwischentitel: keine
Musikbegleitung: Aljoscha Zimmermann (Flügel)
Drehbuchautor Carl Mayer, der den deutschen Film der zwanziger Jahre vermutlich stärker geprägt hat als jeder Regisseur, nannte SYLVESTER vieldeutig ein "Lichtspiel" - denn im Kontrast von Licht und Schatten, von hell und dunkel steckt das psychologische Drama der Figuren, unausweichlich und unaufhaltbar. "Man sieht die Menschen sich seelisch zerfleischen. In Wahrheit möchte jeder gut zu dem anderen sein und vermag es doch nicht." (Lupu Pick)
In diesem Werke ist der Versuch gemacht, rein seelische Vorgänge bildhaft zu gestalten und das bei der Konzeption der Dichtung - dieses Wort wird hier mit vollem Bewußtsein gewählt - vorherrschende Gefühl durch rein optische, also ganz und gar "filmische" Mittel im Beschauer zu rekonstruieren.
Drei Menschen leben aneinander vorbei. Ein Mann. Seine Frau. Seine Mutter. Beide Frauen, in übergroßer Liebe, zerren an ihm. Da geht er aus dem Leben.
Den Grundgedanken dieses Gedichtes bildhaft zu machen, gab es für den Regisseur Lupu Pick nur einen Weg. Er mußte sich ganz auf das Wesentliche konzentrieren. Auf das Nichtverstehen der Menschen. Auf ihr Aneinandervorbeirennen. Auf das Strindberg-Motiv "Es ist schade um die Menschen". - Aus diesem Gedanken heraus schuf er zu den drei Gestalten der Dichtung die vierte und wichtigste: die sinnlose Masse großstädtischen Silvestertrubels, den Hintergrund vor dem das seelische Erlebnis der drei Menschen geschieht und Form gewinnt. Diese dem ganzen Werke Rhythmus gebende Atmosphäre zu treffen, ist der Regie völlig geglückt.
Carl Mayers Manuskript verdient gesonderte Beachtung, nicht, weil es das erste im Druck (im Kiepenheuer Verlag) erschienene Drehbuch ist, sondern, weil es, nicht zuletzt durch seinen Stil, auch dem Leser dieselbe Stimmung zu vermitteln vermag, wie dem Beschauer das Bild. Musterhaft schön ist dieser Film in der Beleuchtungstechnik und der von Guido Seeber geleiteten Photographie; die von dem Manuskript verlangten gleitenden Vor- und Seitwärtsbewegungen wurden durch die interessante (hier schon glossierte) Konstruktion eines Aufnahmewagens ermöglicht, durch den die Kamera fahrbar wurde.
Lichtbild-Bühne, 5.1.1924