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DIE STRASSE DER VERLORENEN SEELEN (THE WAY OF LOST SOULS / THE WOMAN HE SCORNED) |
GB 1929
Regie: Paul Czinner
Drehbuch: Charles E. Whittaker
Kamera: Adolf Schlasy
Darsteller: Pola Negri, Warwick Ward, Hans Rehmann, Cameron Carr, Margaret Rawlings
Produktion: Charles E. Whittaker Productions, London
Premiere: Mai 1929
Format: 35 mm
Länge: 1.835 Meter, 73 Minuten (22 Bilder/sec)
Farbe: schwarzweiß
Zwischentitel: französisch mit deutscher Übersetzung
Musikalische Begleitung: Günter A. Buchwald
Der letzte Stummfilm der aus Hollywood zurückgekehrten Diva Pola Negri entstand in Großbritannien und hat nur in einer französischen Fassung überlebt. Er erzählt von einem Leuchtturmwächter, der in einer Hafenkneipe einer Dirne begegnet. Paul Czinner, Ehemann und Regisseur der Filme von Elisabeth Bergner, schuf ein wenig bekanntes, elegant inszeniertes Melodram, das mit einem der überraschendsten Schnitte der Filmgeschichte aufwartet.
Ein vielgestaltiger Film, der auf unterschiedliche Art mehrere Länder unter seiner Flagge vereint: England, Ungarn, Polen, Deutschland und schließlich sogar Frankreich - die Restaurierung erfolgte durch die Cinémathèque de Toulouse und das CNC. Ein europäischer Film avant la lettre?
Der legendäre Stummfilm-Vamp Pola Negri hat eine wunderbare Rolle als bekehrte Ex-Prostituierte in dieser englisch-französischen Koproduktion, die in Cornwall, Marseille und auf den Channel Islands gedreht wurde. Die geographische Dislokation (wo hat man schon britische Cops mit weißen Helmen gesehen?) trägt zum zeitlosen Charakter dieser Fabel bei. Ein unerschütterlicher Leuchtturmwärter (der mehr als stoische Deutschschweizer Hans Rehmann, der den Eindruck macht, als probe er für den golem) versucht, ein leichtes Mädchen (Negri) zu retten, bis die Vergangenheit sie schließlich beide einholt. Es gibt einige interessante Bildkompositionen und Kameraeinstellungen zu bewundern sowie eine absolut ungewöhnliche, beinahe komisch wirkende "Überblendung" auf den Hochzeitstag des schließlich nicht ganz so glücklichen Paares ...
Neil Young, www.jigsawlounge.co.uk
die strasse der verlorenen seelen, entstanden auf dem Höhepunkt des Stummfilms, zieht alle Register des Geschichtenerzählens. Die realistische Photographie der Originalschauplätze (ohne jedes Zugeständnis an das "gut Gemachte") kontrastiert mit den schrägen Kamerawinkeln der Sauf- und Sexorgien. Die große Bandbreite Pola Negris - ihres Looks, ihres Gesichtsausdrucks, ihrer Posen - kontrastiert mit dem brutalen, fast versteinerten Charakter von Hans Rehmann. Vielleicht ist gerade das die Quintessenz der Kunst des Stummfilms?
Jean-Paul Gorce, in: Il cinema ritrovato 2005; Bologna 2005