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AI NO MACHI
STADT DER LIEBE
Japan 1928  - Regie: Tomotaka Tasaka  - Drehbuch: Kajiro Yamamoto nach dem Roman 'En famille' von Hector Malot  - Kamera: Saburo Isavama  - Darsteller: Shizue Natsukawa, Bontaro Miake, Shozo Nanbu, Yutaka Mimasu, Yoshi Yasuhi,  - Produktion: Shochiku  - Premiere: 31.8.1928  - Archiv: National Film Center / National Museum of Modern Art, Tokio  - Farbe: schwarzweiß - 2518 m, 104 min., 18 B/s


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Die Geschichte eines erfolgreichen französischen Kinderbuches vom Ende des 19. Jahrhunderts wird in das Japan der 20er Jahre verlegt: Ein reicher Fabrikbesitzer, der sich nicht um die Probleme seiner Arbeiter kümmert und der seinen Sohn verstoßen hat, verändert sich unter dem Einfluß seiner Schwiegertochter, die unerkannt bei ihm als Sekretärin arbeitet. Das stilistisch elegant inszenierte Melodram wirft einen ungewöhnlichen Blick auf die sozialen Realitäten in Japan und gehört zu den wenigen japanischen Stummfilmen, die vollständig und in guter Bildqualität erhalten geblieben sind.

"Überall auf der Welt wurden alle nur erdenklichen literarischen Vorlagen den Bedür fnissen des Films angepaßt und ihre Handlung auf ein anderes Umfeld übertragen. Welche Elemente von Hector Malots Buch von 1893 erschienen 1928 in Japan brauchbar? Welche anderen wurden verworfen oder verändert? Es ist offensichtlich, daß die Kritik des Buches an den industriellen Arbeitsbedingungen geeignet war, denn Ende der 20er Jahre waren in Japan keikoeiga, sozialkritische 'Tendenzfilme', sehr en vogue. Für den Film wählte man allerdings eine andere Hauptfigur. Die pfiffige und mutige 12-Jährige des Buches, die ganz alleine alle Gefahren und Probleme durchsteht und schließlich auch den bösen Großvater zähmen kann, wurde im Film zu einer sentimentalen, unterwürfigen jungen Frau, die nach der geringsten körperlichen Arbeit erschöpft ist, die viel lieber in der Villa ihres Großvaters ein wenig Staub wischt und die Blumen arrangiert und die auf Probleme mit einem verzweifelten Händeringen reagiert. Wozu benötigte ein japanischer Film von 1928 so ein Geschöpf? Natürlich als die eine Hälfte eines Liebespaares. Im Film werden die Probleme von der anderen Hälfte dieses Paares bewältigt, einem kompetenten, jungen Mann. Die Liebesgeschichte und die wenigen Gesangsnummern (die seinerzeit live von einem benshi oder von Sängern vorgetragen wurden und heute durch die langen Zwischentitel markiert werden) weisen diese elegante Produktion als moderne Filmromanze aus, deren verblüffender formaler Reichtum den bekannteren gendai geki, den zeitgenössischen Dramen der Produktionsfirma Shochiku, in nichts nachsteht."
Mariann Lewinsky, in: Le Giornate del Cinema Muto Catalogo; Sacile 2001


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