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Fettklösschen (Pyshka) |
UdSSR 1934
Regie: Michail Romm
Drehbuch: Michail Romm nach der gleichnamigen Novelle von Guy de Maupassant
Kamera: Boris Woltschek
Darsteller: Galina Sergejewa, Andreij Fait, Faina Ranewskaja, Piotr Repnin, Tatiana Okunewskaja, M. Mikhin, Anatoli Gorjunov, Karl Gurniak, Valentina Kuznetsowa, V. Lawrinowitsch, Sofia Lewitina, Ewgenia Mezentsewa, Wladimir Osenew, N. Suchotskaja
Produktion: Moskinokombinat
Premiere: 15.9.1934 Archiv
Filmmuseum München
Farbe: schwarz weiß
Länge: 1.838 Meter, 67 Minuten (24 B/s)
Zwischentitel: russisch mit deutscher Übersetzung
Musikbegleitung: Aljoscha (Flügel) und Sabrina (Violine) Zimmermann
Seinen Stummfilm FETTKLÖSSCHEN drehte Michail Romm zu einer Zeit, als der Ton sich lange schon durchgesetzt hatte. Und von der Novelle Maupassants, die während des deutsch-französischen Krieges 1870/71 spielt, übernahm er kaum mehr als einen Teil des Handlungsgerüsts. Daß der Film dennoch ein Erfolg wurde, hat er zwei Persönlichkeiten zu verdanken, die ihn nachhaltig verteidigten: Romain Rolland, der sich beim Kinostart gerade auf einer Reise in die UdSSR befand, und Maxim Gorki, der die Freiheiten, die sich Romm gegenüber Maupassant herausgenommen hatte, sogar Stalin gegenüber in einer Privatvorführung rechtfertigte.
Eine kleine Kokotte wird von mitreisenden Spießbürgern in der Postkutsche in auffälliger Weise verachtet. Wegzehrung nehmen sie gleichwohl von ihr an. Im übrigen jedoch wird das Mädchen von allen ostentativ übersehen, geschnitten. Aber dann wird die kleine Kokotte dazu überredet, mit dem preußischen Offizier, der die Flüchtlinge sonst nicht passieren lassen will, zu schlafen. Von der ganzen streng moralischen Gesellschaft sind es zwei Nonnen, die am heftigsten auf die Zögernde einreden. Während Worte auf sie niederprasseln, neigt die kleine Kokotte ihr Haupt. Die Münder der Nonnen bewegen sich in hysterischer Schnelligkeit. Die Argumente, mit denen sie das Mädchen bewegen wollen, sich hinzugeben, lesen wir nur in zwei kurzen Fußtiteln: Daß es ihr, der Kokotte, ohnehin gleich sein könnte - einer mehr oder weniger ... Andererseits beginge sie eine gottgefällige Handlung, wenn sie in diesem Falle mit dem Deutschen schliefe. Überzeugender aber und charakteristischer als alle Argumente ist die Art und Weise ihrer Rede. Das kann nur gezeigt werden. Dieser nimmermüde, unaufhaltsame Wortschwall, dieses mit grausamer Hartnäckigkeit bis ins Unterträgliche gesteigerte gewaltsame Bohren ist viel überzeugender, wenn man es nur von ihren schnellbewegten Mündern abliest, also sieht, als wenn wir die ständig wiederholten Variationen ihrer Argumente hörten. Es ist die Mimik der Rede, die in diesem Falle ausdrucksvoller und überzeugender zutage tritt, als der Sinn der Worte es ermöglicht hätte. Darum konnte dies nur innerhalb des Stummfilmstils gezeigt werden.
Béla Balázs: Der Film. Werden und Wesen einer neuen Kunst; Wien 1972