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Standort: | |
| PICCADILLY | |
| NACHTWELT | |
| England 1928 - Regie: Ewald André Dupont - Drehbuch: Arnold Bennett, Rex Taylor, nach einer Geschichte von Arnold Bennett - Kamera: Werner Brandes - Ausstattung: Alfred Junge - Darsteller: Gilda Gray, Anna May Wong, Jameson Thomas, King Ho-Chang, Cyril Ritchard, Hannah Jones, Charles Laughton, Ellen Pollock, Harry Terry, Gordon Begg, Charles Paton, Ray(mond) Milland, Debroy Somers und seine Band - Produktion: British International Pictures Ltd. (BIP) - Premiere: 30.10.1929 (London) - Archiv: British Film Institute, London - Farbe: mehrfarbig viragiert - mit englischen Zwischentiteln - 2974 m, 118 min. bei 22 B/s | |
| Seiten 1 2 |
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E.A. Duponts Film NACHTWELT ist ein für das britische Kino der 20er Jahre besonders gelungenes Beispiel wahrhaft filmischer Kunstfertigkeit. Gleich von seiner Eröffnungseinstellung an beweist NACHTWELT ein außergewöhnliches visuelles Gespür in den Kamerabewegungen, im Schnitt, in seiner Verwendung von Spiegeln, Schatten, Gläsern und schimmernden Oberflächen. Das Ergebnis ist von extremer Opulenz und Dynamik. Die Geschichte ist zwar einfach, hat aber Dupont-typische Untertöne: Ein Nachtclubbesitzer, der sich der schwindenden Anziehungskraft seiner Startänzerin (und Geliebten) bewußt wird, setzt auf die neue Attraktion einer jungen Chinesin, die ihn schon bald umgarnt. Als sie jedoch tot aufgefunden wird, geraten seine Geliebte und er selbst unter Mordverdacht.
Die Faszination, die von der chinesischen femme fatale Anna May Wong ausgeht, scheint auch Dupont verspürt zu haben: er umgibt sie verschwenderisch mit dekadentem Glamour. Die unterschiedlichen Atmosphären des glitzernden Nachtclub-Tanzsaals und seiner armseligen Spülküche sind treffend eingefangen, die von Betrunkenen bevölkerten Bars am Piccadilly sind schäbig und heruntergekommen und als der Held sich nach Limehouse wagt, betritt er eine verstörend fremde Welt orientalischer Geheimnisse. Duponts Film ist geprägt von seiner Meisterschaft in der Behandlung des Lichts und unterschiedlicher Oberflächenstrukturen - die Schönheit weiblicher Gesichter und Körper, die Effekte von Rauch oder Schatten - all das wird perfekt von einer wunderbar beweglichen Kamera eingefangen.
(Roy Armes: A critical history of British cinema; Secker & Warburg, London 1978) Zur englischen Originalfassung des Textes |
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Es liegt nicht nur an meiner erklärten Liebe zu Anna May Wong, daß mich Duponts Melodram NACHTWELT so fasziniert. Piccadilly, das berühmte Londoner Nachtclub-Viertel liefert hier sowohl Rahmen als auch Motiv der Handlung. Auf der einen Seite haben wir das Universum der Nachtclubs, der Träume und der Flucht vor der Wirklichkeit, auf der anderen die abstoßende Tristheit von Limehouse. Auf der einen Seite der inszenierte Schautanz im betörenden Licht der Projektoren, auf der anderen Seite der spontane Tanz ohne besondere Kostüme und Make-up. Das Drama entsteht aus der Zusammenführung dieser beiden Welten, die sich gegenseitig bedingen und auch den Knalleffekt am Ende begründen.
(Marcel Olms: PICCADILLY de Ewald André Dupont) Zur ausführlicheren französischsprachigen Originalfassung des Textes |
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Jeder erinnert sich an die außergewöhnlich packende Atmosphäre des Films, die nicht alleine auf das Konto des talentierten Kameramanns Werner Brandes und des ebenso begabten Ausstatters Alfred Junge geht. Die schöpferische Kraft Duponts ist hier unübersehbar. Er hat diesen Film in einem besonderen Stil gedreht: seine Einstellungen scheinen oft von innen her gesehen zu werden. Es ist ein Effekt der umgekehrten Perspektive, durch den ein weit entferntes Objekt anstatt kleiner größer erscheint. Dupont zieht den Zuschauer mehr und mehr in die Atmosphäre seines Films. Die umgekehrte Perspektive zerstört keineswegs den realistischen Gesamteindruck, sondern verstärkt ihn sogar noch, indem sie NACHTWELT einen vage orientalischen Anstrich verleiht, der sich wunderbar mit dem hübschen Gesicht von Anna May Wong verträgt. (Umberto Barbaro: Il cinema tedesco; Editori Riuniti, Rom 1973) Zur ausführlicheren französischsprachigen Fassung des Textes |
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