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phantom

Programm: Bonn 2006 Druckversion Festival-Archiv

Deutschland 1922

Regie: Friedrich Wilhelm Murnau

Drehbuch: Thea von Harbounach dem Roman von Gerhart Hauptmann

Kamera: Axel Graatkjær, Theophan Ouchakoff

Darsteller: Alfred Abel, Lya de Putti, Aud Egede Nissen, Lil Dagover, Frida Richard, Hans Heinrich von Twardowski, Grete Berger, Karl Etlinger, Anton EdthoferI, lka Grüning, Adolf Klein, Olga Engl, Heinrich Witte, Wilhelm Diegelmann, Eduard von Winterstein, Arnold Korff

Produktion: Uco-Film GmbH, Berlin

Premiere: 13.11.1922 (Berlin)

Format: 35 mm

Länge: 2.905 Meter, 20 Bilder/sec

Farbe: mehrfarbig viragiert und getoned

Zwischentitel: deutsch

Musikalische Begleitung: Aljoscha Zimmermann & Sabrina Hausmann

Ein wenig bekannter Klassiker von Friedrich Wilhelm Murnau, der nach einer litarischen Vorlage von Gerhart Hauptmann entstand: In der Geschichte um einen verträumten Dichter in einer deutschen Kleinstadt spiegeln sich die Motive der deutschen Romantik und mischen sich mit Elementen der Phantastik. Die kürzlich restaurierte Fassung des Filmes läßt die Schönheit der Bildkompositionen zur Geltung kommen und besitzt die originalen Einfärbungen.

Besprechungen

Gerhart Hauptmann, der Sechzigjährige, gehört der Menschheit, dem deutschen Volke, der Literatur; ebenso sehr aber auch - dem Film. Das spricht für ihn nicht nur, den Großen, der nie auf des Parnasses Höhe den Sinn für das Volkstümliche, aber auch für das Zukunftsträchtige des Lichtspiels verloren; das spricht ebenso sehr für den Film, dem ein wahrer Dichter seine Schöpfungen vorurteilsfrei anvertraut.

Der Film Phantom ist aufgebaut auf einem seelischen Prozeß, den psychologisch zu entwickeln mittels Darstellung plus Technik ausgezeichnet gelungen ist. Ich betone: ich habe den Roman Hauptmanns erst nach der Filmvorführung gelesen. Diese Lektüre hat das psychologische Bild, das der Film entrollt hatte, vollkommen bestätigt. Es ist also möglich, mit den Mitteln des Bildbandes auch seelische Vorgänge differenzierter Art zu verdeutlichen, und es muß gesagt werden, daß solche psychologischen Lösungen interessanter, fesselnder sind als die Lösung dramatischer Konflikte mit dem Boxhandschuh. Das zweite Wesentliche, das, was er dem bodenständigen, dem im Volke wurzelnden Künstler Hauptmann verdankt, ist die vollendete Schilderung einer uns heimischen Umwelt; mehr noch: die Nachschöpfung der ihr eigenen Atmosphäre.

Damit sind die beiden Komponenten dieses Filmes bloßgelegt: diese lebensechte Milieumalerei und jener psychologische Prozeß stehen in einem dramaturgisch gut ausgewogenen Wechselverhältnis. So mag dieser Aufsatz, der mit dem Namen Gerhart Hauptmanns begann, mit dem Namen dessen schließen, der sich hier als Lichtspielkünstler hohen Ranges und nicht unwürdiger Filminterpret des großen Gerhart ausgewiesen hat: den Namen des Spielleiters F. W. Murnau.

Hans Wollenberg, in: Lichtbild-Bühne, 18.11.1922




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