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PROPAGATE / AN EXPRESSION |
PROPAGATE
Japan 1935 -
Regie,
Drehbuch,
Kamera,
Produktion:
Shigeji Ogino -
Format:
35mm -
Länge:
4 Minuten (16 Bilder/sec) -
Farbe:
schwarzweiß -
Zwischentitel:
englisch
AN EXPRESSION
Japan 1935 -
Regie,
Drehbuch,
Kamera,
Produktion:
Shigeji Ogino -
Format:
35mm -
Länge:
3 Minuten (30 Bilder/sec) -
Farbe:
farbig -
Zwischentitel:
englisch
Musikbegleitung: Günter A. Buchwald
Shigeji Ogino war ein Filmamateur, der mehr als 300 Kurzfilme im 9,5mm-Format gedreht hat, die vom National Film Center in Tokio restauriert und auf 35mm umkopiert werden. PROPAGATE nimmt die Form eines Lehrfilms über Pflanzensamen zum Anlaß, eine Symphonie abstrakter schwarzweißer Filmmuster zu schaffen. In AN EXPRESSION experimentiert Ogino mit einem additiven Farbsystem, das eine erhöhte Vorführgeschwindigkeit benötigt.
Wenig ist bekannt über Shigeji Ogino, einen ungewöhnlich produktiven Filmamateur, der völlig unabhängig von der europäischen Filmavantgarde seine Filmexperimente im 9,5mm-Schmalfilm-Format betrieb. Obwohl die Filme mit englischen Titeln versehen waren, blieben Oginos Filme außerhalb Japans völlig unbekannt. Im Bonner Sommerkino werden zum ersten Mal Filme von Ogino in Europa zu sehen sein.
PROPAGATE beginnt wie ein biologischer Lehrfilm über das Wachstum von Pflanzensamen. Kaum ist der Samen in der Erde, beginnt plötzlich ein abstraktes Spiel mit symmetrischen Schwarzweiß-Mustern, das in seiner Struktur im weitesten Sinne an die späteren Farbfilme von Oskar Fischinger erinnert. Zum Schluß findet der Film wieder zu seinem Ausgangspunkt zurück. PROPAGATE ist ein Experiment mit Farben. Um einen Farbfilmeffekt zu erreichen, werden abwechselnd Aufnahmen von abstrakten Mustern in verschiedenen monochromen Farben in erhöhter Projektionsfrequenz (mindestens 30 Bilder pro Sekunde) auf die Leinwand geworfen, mit durchaus interessanten Resultaten.
Das National Film Center in Tokio hat vor einiger Zeit den Nachlaß von Shigeji Ogino übernommen und angefangen, seine Filme digital einzuscannen und auf 35mm-Film wieder auszubelichten. Auf diese Weise ist es möglich, die Filme, die für Heimkinoleinwände konzipiert waren, auf eine große Leinwand wie die des Bonner Sommerkinos zu projizieren.
Es ist interessant, Oginos Filme einmal in Beziehung zu setzen zu abstrakten Filmexperimenten aus Europa. Hans Richter und Oskar Fischinger haben schon in den 20er Jahren mit abstrakten Formen und Mustern im Film experimentiert, Oskar Fischinger ist Anfang der dreißiger Jahre auch zum Farbfilm übergegangen.
Stefan Drößler