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DIE NACHT DER RACHE (HÆVNENS NAT) |
Dänemark 1916
Regie: Benjamin Christensen
Drehbuch: Benjamin Christensen
Kamera: Johan Ankerstjerne
Darsteller: Benjamin Christensen, Karen Sandberg, Peter Fjeldstrup, Jon Iversen, Fritz Lamprecht, Charles Wilken, Marie Pio, Jørgen Lund, Ulla Johansen, Aage Schmidt
Produktion: Dansk Biografkompagni, Kopenhagen
Premiere: 25.9.1916
Format: 35 mm
Länge: 2.153 Meter, 105 Minuten (18 Bilder/sec)
Farbe: mehrfarbig viragiert
Zwischentitel: englisch
Musikalische Begleitung: Jürgen Kurz
Der zweite Film von Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller Benjamin Christensen ist das packende Melodram eines unschuldig verurteilten Mörders, der aus der Haft ausbricht und Vergeltung sucht. Eine Frau, die er für eine Verräterin hält, gerät dabei in höchste Gefahr. Der mit vielen innovativen Einfällen bestechende Film brachte dem dänischen Stummfilm Weltruhm ein und liegt in einer vom Dänischen Filmarchiv sorgfältig restaurierten farbigen Kopie vor.
Benjamin Christensen hat zuerst ein Textbuch geschrieben, das eine interessante Handlung in einem noch interessanteren Milieu zeigt, und da er auch gleichzeitig für die Regie verantwortlich zeichnet, so hatte er es in der Hand, alle technischen und szenischen Möglichkeiten restlos auswirken zu lassen. Photographie und Aufmachung sind vorzüglich, und das gute Spiel der beliebten Nordisk-Künstler ist hier wieder so selbstverständlich wie sonst.
Der Kinematograph Nr. 514, 1.11.1916
Zu Beginn von Christensens DIE NACHT DER RACHE sehen wir einen entflohenen Häftling, der in der Neujahrsnacht durch eine Schneelandschaft läuft und vergeblich versucht, sich im Schatten zu verbergen, um sich seinen Verfolgern zu entziehen. Doch das ist praktisch unmöglich in einer Landschaft, die vom Mondlicht taghell erleuchtet wird. Die Fußspuren im Schnee verraten alle Fluchtbewegungen. Andererseits dient der Schnee auch dazu, Spuren zu verdecken: Eine Windbö verweht alle Fußabdrücke, so daß die Verfolger aufgeben müssen. In dieser Szene reflektiert der Schnee nicht nur das Licht und erleuchtet die Szenerie, er verursacht auch Geräusche, die in den Zwischentiteln beschrieben werden, in denen drohend dunkle Bäume vor einem pechschwarzen Hintergrund aufragen: "The crunching snow seemed to cut through the night air gunfire. He sought the shadows as he ran." Die das Licht reflektierenden Schneeszenen, die keine künstliche Lichtquelle erkennen lassen, entfalten auf diese Weise eine außerordentlich realistische Wirkung und unterstreichen die ausweglose Situation des Häftlings.
Marina Dahlquist: Snow-White. The Aesthetic and Narrative Use of Snow in Swedish Silent Film, in: Aura. Film Studies Journal 1-2/1999