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Die lustige Witwe (The Merry Widow) |
USA 1925 - Regie: Erich von Stroheim nach der Operette von Franz Lehár
Vorstellung: 3. Februar 2006, Rheinisches Landesmuseum:
Live-Begleitung von Joachim Bärenz
Vorstellung: Intern. Stummfilmtage 2005:
128 Min. - englische Zwischentitel - Musikbegleitung: Aljoscha (Flügel) und Sabrina (Violine) Zimmermann
"Wenn ich 'Die lustige Witwe' nicht schon komponiert hätte, so hätte mich dieser Film dazu veranlaßt, eine Operette 'Merry Widow' zu schreiben", soll Franz Lehár anläßlich der Berliner Premiere des Films gesagt haben. Und obwohl DIE LUSTIGE WITWE Stroheims größter Erfolg bei Publikum und Presse werden sollte, reagierte die deutsche Kritik eher ablehnend: "Ob die Amerikaner nicht gegen Herrn Stroheim eine Anklage wegen verleumderischer Schaustellung ihres unbeschränkt schlechten Geschmacks erheben sollten?" fragte die Deutsche Allgemeine Zeitung.
Wenn wir von dem großartigen Schauspiel, John Gilbert in zwanzig verschiedenen, gleichermaßen schneidigen Uniformen zu sehen, nicht völlig geblendet sind, sind wir mit einem dieser schicksalhaften Filme konfrontiert, die verheerende Auswirkungen haben werden. Die Adaptation der großartigen Operette von Franz Lehár ist gelungener, als wir es uns je erhoffen konnten, und es steckt darin so viel Schönheit, Romanze und brillantes Spektakel, daß man kaum glauben kann, daß dieser Film das Werk desselben Erich von Stroheim ist, der den schäbigen GREED inszenierte.
Er war ganz in seinem Element, als er sich an diese raffinierteste Liebesgeschichte wagte, die je auf einer Leinwand zu sehen war. Es gibt Augenblicke in diesem Film, die die Zensoren entweder umbringen oder für immer heilen werden. Doch die meisten werden durch einen Hauch Romantik gerettet - es gelingt Stroheim hier zum ersten Mal, dieses Gefühl einzufangen.
Doch das Beste ist John Gilbert in einer Rolle, die ihn zum Allergrößten machen sollte. Gilbert ist nicht nur ein Geschenk für die Damen, sondern hat Qualitäten, die auch Männer respektieren können. Er weiß, wie man spielt, sein Prinz Danilo ist ein menschliches Wesen. Doch schnell an dieser Stelle auch ein paar Nettigkeiten über Mae Murray. Auch sie spielt gut, geschickt, nuanciert, und insbesondere ist sie entzückend anzuschauen. Tatsächlich mußte Miss Murray bei der Entstehung des Film mit ihrem Regisseur um jeden Zoll ihrer Rolle kämpfen. Sagen Sie Ihren Kindern, daß der Weihnachtsmann keine Geschenke bringen wird, wenn sie sich DIE LUSTIGE WITWE anschauen. Sie selbst dürfen den Film aber keinesfalls versäumen.
Photoplay, Oktober 1925