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Der Mandarin |
Österreich 1918
Regie: Fritz Freisler
Drehbuch: Paul Frank Fritz Freisler
Darsteller: Harry Walden, Karl Götz, Gretel Ruth, Hilde Radnay, Trude Merly, Cornelia Haszay, Nectar Flondor
Produktion: Sascha Filmindustrie AG
Premiere: 22.11.1918
Archiv: Österreichisches Filmmuseum, Wien
Farbe: mehrfarbig viragiert
Länge: 1.115 Meter, 54 Minuten (18 B/s)
Zwischentitel:
italienisch
mit deutscher Übersetzung
Musikbegleitung: Günter Buchwald (Flügel und Violine)
Eine aufwendige Produktion aus dem letzten Jahr des Ersten Weltkriegs, die beim Kinostart von der Kritik und der Filmbranche begeistert gefeiert wurde, mit Stars des Burg- und Volkstheaters. Verblüffend sind die inhaltlichen Parallelen zu dem im darauffolgenden Jahr gedrehten Klassiker DAS CABINET DES DR. CALIGARI. Der Film spielt in der Irrenanstalt am Steinhof und entwickelt sich um die Wahnvorstellungen seines Protagonisten - doch statt expressionistischer Dekors gibt es hier Trickaufnahmen ...
Die Tragödie eines Libertins. Der Freiherr von Stroom, abgewiesen von der Frau, die er begehrt, folgt den Verlockungen einer Talismanfigur, die er bei einem Trödler erstanden hat. Dieser kleine "Mandarin" erwacht zum Leben und bietet dem Freiherrn in einer Art Teufelspakt seine magisch-kupplerischen Dienste an. So erschleicht sich Freiherr von Stroom die Hörigkeit der Damen. An die Stelle heldischer Eroberung treten Magie und Betrug. Der plötzliche erotische Erfolg macht den Freiherrn jedoch übermütig: Sein törichter Glaube, es müsse nun auch "aus eigener Kraft", ohne den Mandarin gelingen, führt ins Verderben, in die Gosse, in den Wahnsinn. Am Ende will nicht einmal mehr die Hure den Freiherrn haben, nicht einmal für Geld.
Während der Erste Weltkrieg sein grausames Endspiel erlebt, erzählen österreichische Filme von einer anderen Art des Männerwahns. Die bösen Träume dieser Heldenmänner werden nicht von Kanonendonner in Gang gebracht, sondern von der Zurückweisung im Feld der sexuellen Ehre. Es sind schwache Lebemänner, Seidenunterwäscheträger, Schuldenmacher - bessere Herren in schlechteren Zeiten. Melancholie, "erregte Nerven" und symbolistische Dekors rufen den Geist der Zeit aus anderer Richtung wach.
DER MANDARIN, ein psychologisches Drama der Licht- und Trick-Effekte, weiß diesen Geist zu beschwören. Die Schauplätze des Films sind Wiener Parks und Gassen, Salons, Séparées und die Irrenanstalt. Das Realistische der Darstellung (in einem erstaunlichen Bild zu Beginn, das dicht gedrängt die verschiedenen Anstaltsinsassen vorführt) weicht sukzessive einer starken Anmutung von Frühexpressionismus - einer Welt der Schatten, des fremdgesteuerten Verhaltens, des Identitätsverlusts.
Österreichisches Filmmuseum