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DIE LIEBE DER JEANNE NEY
Deutschland 1927 - Regie: Georg Wilhelm Pabst - Drehbuch: Ilja Ehrenburg, Rudolf Leonhard, Ladislaus Vajda, nach dem Roman von Ilja Ehrenburg - Kamera: Fritz Arno Wagner, Walter Robert Lach - Schnitt: Paul Falkenburg - Bauten: Otto Hunte, Viktor Trivas - Regieassistenz: Mark Sorkin - Darsteller: Edith Jehanne, Brigitte Helm, Hertha von Walther, Uno Henning, Fritz Rasp, Adolf Edgar Licho, Eugen Jensen, Hans Jaray, Wladimir Sokoloff, Siegfried Arno, Jrack Trevor, Mammey Terja-Basa, Josefine Dora, Heinrich Gotho - Produktion: Universum-Film AG, Berlin - Premiere: 8.12.1927 (Berlin) - Archiv: Filmmuseum München - Farbe: schwarzweiß - 2.841 m, 113 min bei 22 B/s


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Die Tochter eines französischen Journalisten verliebt sich in Odessa in einen Offizier der Roten Armee und trifft diesen später in Paris wieder. Auch wenn der zugrundeliegende Roman von Ilja Ehrenburg mit einem Happy-End versehen wurde, vermeidet Pabst viele Sentimentalitäten der Geschichte und schuf ein Meisterwerk des deutschen Stummfilms, das stilistisch stark von der Neuen Sachlichkeit beeinflußt ist und durch seine elegante Inszenierung, die wunderbare Kameraarbeit und die guten Schauspielerleistungen beeindruckt.

"In der Flut der nach Lustspielen und Romanen im üblichen Schema gearbeiteten Filme vergißt man leicht, daß der Film eine Aufgabe hat, bis dann mit einem Male wieder ein wirklicher Filmkünstler kommt und uns zeig t, wie es gemacht werden muß. G. W. Pabst ist ein solcher Regisseur (wir verdanken ihm bereits die außerordentliche FREUDLOSE GASSE), der einen Film von eigenen Gnaden hinstellt. Wir denken nicht einen Augenblick an die Vorlage: so spannt uns der Regisseur in seinen Bildertraum ein. Er weiß jedes Milieu in seiner Eigenart zu treffen. Äußerst eindrucksvoll ist A. E. Licho als der gerissene Detektivbureauinhaber. Wie er in der Vorahnung eines großen Gewinnes die noch gar nicht vorhandenen Geldscheine in gieriger Hast abzählt, das ist einfach ein Meisterstück einer großen Regie, die sich auch im kleinsten Zuge dieses Films offenbart."
Vorwärts, 11.12.1927

"Daß ein Regisseur wie G. W. Pabst 1927 einen Stoff wie DIE LIEBE DER JEANNE NEY realisierte, erscheint schon auf den ersten Blick nur konsequent; daß ein nationalistisch orientierter Konzern wie Hugenbergs Ufa von diesem kritischen Linken den revolutionsfreundlichen Roman eines kommunistischen Autoren verfilmen läßt, kann man erst nach näherem Hinsehen kapieren. 1926 wurde in Berlin das deutsch-sowjetische Neutralitätsabkommen unterzeichnet. Die Frivolität, eine positive Bolschewisten-Story zu drehen, gehörte in den Kontext der wohlverstandenen Realpolitik. Kleinliche ideologische Bedenken mußten zurücktreten vor dem kommerziellen Drang, einen Kino-Welthit zu landen mit einem Stoff vom Geist des PANZERKREUZER POTEMKIN, aber in einer Fassonierung wie für Hollywood, fast so etwas wie ein DR. SCHIWAGO."
Ilona Brennicke / Joe Hembus: Klassiker des deutschen Stummfilms; München 1983


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