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Inhalt

LAILA, DIE TOCHTER DES NORDENS (LAJLA)

Programm: Bonn 2007 Druckversion Festival-Archiv

Norwegen 1929 - Regie: George Schnéevoigt - Drehbuch: George Schnéevoigt nach dem Roman von Jens Andreas Friis - Kamera: Allan Lynge - Darsteller: Mona Martenson, Tryggve Larssen, Harald Schwenzen, Peter Malberg, Cally Monrad, Henry Gleditsch, Finn Bernhoft, Lilly Larson-Lund - Produktion: Lunde Film, Oslo - Premiere: 14.10.1929 - Format: 35mm - Länge: 4.583 Meter, 160 Minuten (25 Bilder/sec) - Farbe: schwarzweiß - Zwischentitel: norwegisch mit englischen Untertiteln

Musikbegleitung: Günter A. Buchwald

Ein Stummfilm aus Norwegen, einem Land, dessen Stummfilmtradition noch wenig erforscht ist. Die epische Liebesgeschichte, eingerahmt von der grandiosen Landschaft Lapplands mit seinen Rentierherden, wurde von dem renommierten dänischen Kameramann George Schnéevoigt gedreht. Für die Aufführung im Bonner Sommerkino wurde extra eine neue Filmkopie gezogen, die erstmals englisch untertitelt wurde und in Bonn ihre Premiere feiert.

Besprechungen

Im "höchsten Norwegen" (...) spielen sich die Begebenheiten dieses schönen Films ab, dort, wo die Lappländer mit ihren großen Renntierherden auf die Weideplätze ziehen. Außerordentlich interessant ist dieser Film norwegischer Produktion, dessen Heldin "Laïla", ein Norwegermädchen ist, das von Aslag, einem reichen Lappen aufgezogen wird. Ein Genuß, die Bilder von der kleinen Norwegeransiedlung, die lebendigen Aufnahmen von der Schlittenfahrt, auf der bei der Verfolgung durch die Wölfe das kleine Bündelchen mit der kleinen Laila den Bergabhang hinunterkollert, und vor allem die großartigen Aufnahmen des Nordlichts (...).

Der Kinematograph 24.Jg. Nr.59, 11.3.1930. (Vollständiger Text siehe unten)

Ein Drama aus Norge. Geschehnisse am Rande Norwegens (...). Dem Zentraleuropäer also nicht nur geographisch recht entlegen. Und doch berührt es ihn: In diesem verlassenen Winkeln noch finden - gerade hier mit besonderer Erbitterung - Rassenkonflikte ihren Austrag. Ein echter Lapp mag keinen Norweger leiden; und umgekehrt ... So enthüllt sich dem Unbeteiligten am Beispiel zivilisations-ungeschlachter Randvölker als Unfug, was daheim so vielen als schöne Pflicht erscheint. (...) Taktvoll die Unauffälligkeit, mit der George Schneevoigt, der Regisseur, in das Fremdvolk-Milieu Schauspieler stellt. (...) Ueberragend, ohne sich vorzudrängen, der Lappe des Peter Malberg. Ruhig steht er da, mit unterstrichenen Gesten. Filmschauspieler nicht in unserem Sinne; vielmehr Pantomimiker. Aber ein Darsteller von zwingender Größe (...). Laila, das unter Wölfen verlorene, von Lappen erzogene Wirbelkind, ist Mona Martenson. In der Sieghaftigkeit ihrer herben Anmut läuft sie herum. Spielt sie, ist sie es wirklich -. (...) Durchdringung der Rolle, bis sie zum Eigenleben erwacht, das ist höchste Leistung.

h.f. in: Film-Kurier 12.Jg. Nr. 61, 11.3.1930. (Vollständiger Text siehe unten)

Vollständiger Text der Kritiken

Laïla

Fabrikat: Lunde-Film, Oslo
Verleih: Bayrische
Regie: G. Schneevoigt
Länge: 2908 m, 7 Akte
Uraufführung: Marmorhaus

Im "höchsten Norwegen", in Finnmarken spielen sich die Begebenheiten dieses schönen Films ab, dort, wo die Lappländer mit ihren großen Renntierherden auf die Weideplätze ziehen. Außerordentlich interessant ist dieser Film norwegischer Produktion, dessen Heldin "Laïla", ein Norwegermädchen ist, das von Aslag, einem reichen Lappen aufgezogen wird.

Ein Genuß, die Bilder von der kleinen Norwegeransiedlung, die lebendigen Aufnahmen von der Schlittenfahrt, auf der bei der Verfolgung durch die Wölfe das kleine Bündelchen mit der kleinen Laila den Bergabhang hinunterkollert und vor allem die großartigen Aufnahmen des Nordlichts, von denen man gern mehr gesehen hätte.

Der Film ist da wunderschön, wo er nicht nach westeuropäischen und amerikanischen Manuskriptmethoden schielt.

Prachtvolle Menschentypen sind in dem Film: der Lappe Aslag (Peter Malberg) voll Würde, ohne falsches Pathos, sparsam in Gesten und Mimik, und darum besonders eindrucksvoll, die Krone aber gebührt dem Lappen Jampa (Tryggoe Larsen), der in dem der Laïla treu ergebenen Lappen eine lebenswahre, in jeder Linie echte Gestalt schuf.

Ausgezeichnet auch Mona Martenson in der Titelrolle. Naturhaft, frisch, voll echten Temperament, macht sie es begreiflich, daß sie der Liebling aller ist.

Auch die anderen Darsteller, Henry Gleditsch, Harald Schwensen und Alice O'Fredericks, boten gute Leistungen.

Besonders hervorzuheben die wundervollen Naturaufnahmen, von Valdemar Christensen und Allan Lynge ausgezeichnet photographiert.

Der Regisseur George Schneevoigt hat in dem Film seine beachtliche Regiebegabung erwiesen. Anzuerkennen ist die deutsche Bearbeitung des Films durch Curt Wesse.

Der Kinematograph 24.Jg. Nr.59, 11.3.1930.

Laila, die Tochter des Nordens. (Marmorhaus)

Ein Drama aus Norge. Geschehnisse am Rande Norwegens, just da, wo es definitiv in Schnee und Eis übergeht. Dem Zentraleuropäer also nicht nur geographisch recht entlegen.

Und doch berührt es ihn: In diesem verlassenen Winkeln noch finden - gerade hier mit besonderer Erbitterung - Rassenkonflikte ihren Austrag. Ein echter Lapp mag keinen Norweger leiden; und umgekehrt ... So enthüllt sich dem Unbeteiligten am Beispiel zivilisations-ungeschlachter Randvölker als Unfug, was daheim so vielen als schöne Pflicht erscheint.

Nordfilm..., das bedeutet Bilderbuch-Manier. Auflösung des Geschehens in Pantomimenteile, die als Illustration der Titel dienen. Komplizierung durch Häufung; anstatt Ablauf der Bildvorgänge ein Zweimal-Sagen.

Auch die Ausläufer haben für viele Meter noch den Reiz des Schwedenfilms: Bilder von Seen, Renntierherden, Nordlicht, Landschaften, sommers und winters. Sie alle eingefügt in die Handlung: Bilder, Teilausschnitte einer fremden Welt.

Die Konzession liegt in der Fabel. Sensationen, Peripetie, im Augenblick, da die Braut mit dem ungeliebten Mann vor dem Altare steht - Hollywood, du siegst. (Und Bestätigung alter Erkenntnis: Es ist nicht alles international, was konventionell ist.)

Dem Zauber der Landschaft gibt man sich gern hin. Bildkünstler. Valdemar Christensen, Allán Lynge haben sie mit viel Verständnis fürs Wesentliche eingefangen.

Taktvoll die Unauffälligkeit, mit der George Schneevoigt, der Regisseur, in das Fremdvolk-Milieu Schauspieler stellt. Einer, der zudem gelernt hat, seine Tempo-Szenen zu schneiden, war da an der Arbeit.

Das Ensemble zeigt behutsam gemildertes Schauspielertum.

Ueberragend, ohne sich vorzudrängen, der Lappe des Peter Malberg. Ruhig steht er da, mit unterstrichenen Gesten. Filmschauspieler nicht in unserem Sinne; vielmehr Pantomimiker. Aber ein Darsteller von zwingender Größe, in Statur und Maske ähnelnd unserem Kortner.

Laila, das unter Wölfen verlorene, von Lappen erzogene Wirbelkind, ist Mona Martenson.

In der Sieghaftigkeit ihrer herben Anmut läuft sie herum. Spielt sie, ist sie es wirklich -. So füllt sie jede ihrer Rollen mit gleicher Echtheit und kunsterfüllter Ehrlichkeit.

Schein wird hier mühelos dem Sein verschmolzen. Durchdringung der Rolle, bis sie zum Eigenleben erwacht, das ist höchste Leistung.

Es ist, als ob diese Mona Martenson aus der Heimaterde ihre stärksten Kräfte schöpft. Hollywood blieb eine Passage ihres Film-Lebens; es hat ihr, zum Glück, nichts geschadet; ob ihr ein Ueberpflanzen in deutsche Atelierluft nützen würde -...

Eine sorgfältige Revision der deutschen Titel würde die Wirkung des Films ohne Frage unterstützen.

Produktion: Lunde-Film, Oslo
Länge des Films: 7 Akte, 2410 Meter
blaue Zensurkarte: Frei für Jugendliche
Lampeschein: Künstlerisch wertvoll und volksbildend.

Zu diesem Film wurde ein "Illustrierter Film-Kurier" (...) hergestellt (...).

h.f. in: Film-Kurier 12.Jg. Nr. 61, 11.3.1930.




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