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karl valentins hochzeit

Programm: Bonn 2007 Druckversion Festival-Archiv

Deutschland 1912 - Regie: Ansfelder - Kamera: Pallatz - Darsteller: Karl Valentin, Georg Rückert, Lisl Karlstadt - Produktion: Martin Kopp Film, München - Format: 35mm - Länge: 193 Meter, 12 Minuten (16 Bilder/sec) - Farbe: schwarzweiß - Zwischentitel: deutsch

Musikbegleitung: Aljoscha Zimmermann & Sabrina Hausmann

Der erste erhaltene Film mit Karl Valentin, der von sich gerne behauptete, die erste Münchner Filmproduktion gegründet zu haben. Auch wenn Valentin als einer der wenigen echten deutschen Filmkomiker heute hauptsächlich mit seinen Tonfilmen in Erinnerung geblieben ist, so zeigt sein Stummfilmdebüt alle Qualitäten seiner visueller Komik. Diese konnte sich in seinen (wenigen) Stummfilmen viel freier entfalten als in den Bühnensketchen.

Besprechungen

In der Nachtvorstellung des Berliner Marmorhauses wurde eine Reihe von Vorkriegsfilmen gezeigt. Unter ihnen ein kleiner Einakter Karl Valentins (...). Valentin, der so dünn wie misogyn ist, wird in ihm von der dick aufgeplusterten Lisl Karlstadt [falsch: Georg Rückert, als Frau verkleidet] zum Traualtar geschleppt. (...) Die Bagatelle erinnert an die frühen Filme Chaplins, die sogar zum Teil wahrscheinlich etwas später hergestellt worden sind. Dabei ist die Art des Humors hier und dort durchaus verschieden. Valentin ist nicht ein Vagabund wie Chaplin, sondern ein Kleinbürger, der freilich durch die Melancholie sein Kleinbürgertum aufhebt. Literarisch verwandt ist ihm allein die schwarze Komik Wilhelm Buschs (...).

Siegfried Kracauer, Frankfurter Zeitung 30.4.1929 (in: S. Kracauer: Werke, Bd. 6.2, Frankfurt/M., S.245-246).

Wie auf der Bühne, so war Valentin auch beim Film schon früh bestrebt, seine eigene Ausdrucksweise zu finden. Die Höhepunkte seiner Filmarbeit liegen zwar erst in den 30er Jahren, als er seine Sprache im Tonfilm einsetzen konnte, doch auch schon bei den ersten Stummfilmen hat er erfolgreich originäre Effekte entwickelt. Seine groteske Körpersprache ersetzt das Wort, das als Zwischentitel keine große Funktion oder Wirkung hat. Auf der Suche nach Mitteln, das neue Medium für seine Zwecke zu nutzen, setzt er auf Gags und Slapstick und schreckt auch nicht davor zurück, Anleihen bei bekannten Filmgrotesken zu nehmen. (...) In Karl Valentins Hochzeit (1912/13) entwirft er eine bissige Satire auf die Institution der Ehe, nicht ganz frei von Klischees, die Valentin jedoch mit Slapstick-Einlagen elegant und geschickt umschifft. Ursprünglich wurde der Film 1912 auf dem Gelände hinter den Münchner Kammerspielen und der Augustinerstraße aufgenommen. Da das Material falsch belichtet war, wurde der Film im Jahr 1913 erneut gedreht. (...) Kritiker sehen in dem Film einen deutlichen Einfluß der französischen Filmgrotesken aus der damaligen Zeit. Die Ehe als Gefangenschaft, der Verlust sämtlicher männlicher Freiheiten, das ist hier Valentins bodenständiges Thema, das ? verbunden mit Spaß und Klamauk ? bei einem kleinbürgerlichen Publikum gut angekommen sein dürfte.

Roland Keller: Karl Valentin und seine Filme, München 1996, S.67-68.




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