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der hund von baskerville |
Deutschland 1914
Regie: Rudolf Meinert
Drehbuch: Richard Oswald nach seinem Theaterstück, basierend auf dem Roman 'The Hound of the Baskervilles' von Arthur Conan Doyle
Kamera: Karl Freund
Darsteller: Alwin Neuß, Friedrich Kühne, Hanni Weisse, Erwin Fichtner, Andreas von Horn
Produktion: Vitascope GmbH, Berlin
Premiere: 12.0 6.1914, Berlin
Archiv: Filmmuseum München
Farbe: mehrfarbig viragiert
Länge: 65 Minuten (DigiBeta)
Zwischentitel: deutsch
Musikbegleitung Joachim Bärenz (auf Tonspur)
Für sein erstes Filmdrehbuch (nach seinem ersten Theaterstück) umgab sich Richard Oswald mit Mitarbeitern, die den deutschen Stummfilm der folgenden Jahre entscheidend prägen sollten: Regisseur Rudolf Meinert wird für die Decla DAS CABINET DES DR. CALIGARI produzieren, Hermann Warm hier wie dort für die Dekors verantwortlich zeichnen, und Karl Freund wird zum wichtigsten Kameramann des deutschen Films der zwanziger Jahre avancieren.
Oswalds wichtigste Fähigkeit könnte als eine Art "Instinktdramaturgie" beschrieben werden, die mit Gespür für und Blick auf das Publikum vorgefundene populärdramatische Vorfälle arrangiert, aktualisiert oder variiert. Stoffe und Motive mit publikumswirksamer Relevanz spürt er auf und stutzt sie für das Massenmedium zurecht. Er findet Geschichten oder Teile davon. Selten erfindet er sie vollkommen neu.
Für sein erstes Drehbuch zu dem Film DER HUND VON BASKERVILLE benutzt Oswald als Vorlage verständlicherweise seine eigene Theateradaption. Auf einem Werbeplakat wird dies sogar herausgestellt. Auch der Vorspann des Films zeigt den Autor, "noch dazu in einer dem gespannten Zuschauer gewiß sehr wichtigen Situation: Er setzt sich sorgfältig einen Klemmer auf!" Nicht nur der ironische Ton dieses Hinweises scheint sich darüber zu mokieren, daß Oswald bereits bei seiner ersten Arbeit für den Film so herausgehoben wird, obwohl er als Bühnenautor kaum bekannt war.
Die anspruchsvolle Kritik empfand die Handlung vorhersehbar, "plump und unwahrscheinlich" und "en gros mit rein äußerlich aufgepfropften Sensationen (die erfahrungsgemäß stets langweilen!)" versehen. Die Regie Rudolf Meinerts sei nicht in der Lage, die "Stimmung einer schottischen Moorlandschaft" filmisch herzustellen. Als "Hintertreppenfilm" und "Verwässerung des gleichnamigen Romans von Conan Doyle" ordnete die pädagogisch nach filmkünstlerischen Erzeugnissen fahndende Kritik den Film ein, nicht erkennend, daß gerade in der abermaligen Vulgarisierung ein Teil des Publikumserfolgs des HUND VON BASKERVILLE zu suchen ist. Oswald hatte dies offensichtlich bereits in seiner ersten Arbeit für den Film begriffen.
Jürgen Kasten in: Jürgen Kasten / Armin Loacker (Hg.), Richard Oswald; Wien 2005