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DOM NA TRUBNOI
DAS HAUS IN DER TRUBNAJA-STRASSE
UdSSR 1928  - Regie: Boris Barnet  - Drehbuch: B. Soritsch, Nikolaj Erdman, Anatoli Marienhof, W. Scherschenewitsch  - Kamera: Jewgeni Alexejew  - Darsteller: Vera Pietrowna Maretskaja, Wladimir Pawlowitsch Fogel, Sergej Komarow, Elena Tjapkina, Anel Sudakiewitsch (= Anna Sten), Ada Wojzik, Wladimir Batalow, Boris Barnet, Ale xander Gromow, Wladimir Uralskij, Piotr Barkschejew  - Produktion Meschrapom-Rus  - Premiere 4.10.1928  - Archiv Filmmuseum München  - Farbe schwarz weiß - 1.769 m, 77 min., 20 B/s


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Boris Barnet ist der lange Zeit unbeachtet gebliebene große Komödienregisseur des russischen Films. In DAS HAUS IN DER TRUBNAJA-STRASSE beobachtet er das Leben in einem Moskauer Mietshaus. Im Mittelpunkt des Geschehens steht ein Friseur, der sich für die 'neue Gesellschaft' der sozialistischen Sowjetunion nicht interessiert und eine neue Haushälterin, die vom Land in die Stadt gekommen ist, schamlos ausbeutet. Barnet zieht alle Register der filmischen Gestaltungsmittel und scheut sich nicht einmal, die Handlung plötzlich anzuhalten und rückwärts ablaufen zu lassen.

"Ein Moskauer Mietshaus während der Periode der »Neuen Ökonomischen Politik«, die 1921 in Rußland eingeführt wurde: Ähnlich wie Abram Rooms BETT UND SOFA (1926) ist auch DAS HAUS IN DER TRUBNAJASTR ASSE ein interessanter Beleg für das Lebensgefühl dieser Zeit ­ diesmal jedoch eindeutig im Geist der antibürgerlichen satirischen Komödie. Der Film erzählt von den Abenteuern eines Mädchens vom Lande, das bei der neureichen Familie eines Frisörs Dienstmädchen wird. Diese Neureichen bestätigen die Regel, nach der die gerissene Mittelschicht stets die erste ist, die von Umwälzungen profitier t. Revolution und Bürgerkrieg sind gerade vorüber.
Barnet hielt sich hier an Chaplins Rezept: er verstand es, sich die lästigen Attribute unbelebter Objekte zunutze zu machen, hatte eine glänzende Beobachtungsgabe für seine Figuren und mischte unter die allgemeine Heiterkeit stets eine Spur Traurigkeit. All das wurde mit großer Kraft aber doch verhalten inszenier t, und herausgekommen ist die interessanteste sowjetische Komödie der Stummfilmzeit. Bemerkenswert sind nicht nur die ausgedehnten komischen Episoden (ganz besonders die Szenen der Laientheateraufführung, die Jagd auf die Gänse mitten im Straßenverkehr und die Party des Frisörs), sondern auch das Geschick, mit dem das Kino sich zu den Gegebenheiten des Lebens in Beziehung bringt. Die Kamera verläßt häufig den abgeschlossenen Bereich der Studiodekoration der Mietskaserne und geht hinaus auf die Straße. Wie in BETT UND SOFA verbirgt sich die Kamera in der Menge und fängt das wahre Leben ein."
Adam Garbicz / Jacek Klinowski: Cinema, the Magic Vehicle; Metuchen 1975


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