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GESETZE DER LIEBE: SCHULDLOS GEÄCHTET!
Deutschland 1927  - Regie: Magnus Hirschfeld  - Drehbuch: Magnus Hirschfeld  - Kamera Max Faßbender  - Darsteller: Conrad Veidt, Reinhold Schünzel, Frit z Schulz, Magnus Hirschfeld  - Produktion: Humboldt-Film GmbH  - Premiere: 16.11.1927 (Berlin)  - Archiv: Filmmuseum München  - Farbe: schwarzweiß - 822 m, 39 min., 18 B/s


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Von dem Film des Sexualwissenschaftlers Dr. Magnus Hirschfeld, in dem dieser im gesamten Naturreich, 'vom einfachsten Lebewesen bis hinauf zum Menschen' die Probleme des Liebeslebens und insbesondere der gleichgeschlechtlichen Liebe darstellen wollte, ist nur die letzte Episode fragmentarisch erhalten geblieben. Erzählt wird die Geschichte eines homosexuellen Violinvirtuosen, der an den Vorurteilen seiner Umgebung und am Gesetzesparagraphen 175, der Homosexualität unter Strafe stellte, zugrundegeht. Diese Episode ist eine umgeschnittene Kurzfassung des Films ANDERS ALS DIE ANDERN aus dem Jahr 1919.

"Es ist kein anderer Sexualaufklärungsfilm der Weimarer Republik erhalten, der in seiner künstlerischen Strenge und thematischen Konzentriertheit an diesen wohl berühmtesten Film der Gattung heranreicht. Um so mehr erstrahlt dieser Klassiker, der nun in neuer Rekonstruktion vorliegt. Auch wenn offensichtlich wichtige Bilder fehlen (wie der Zug der Opfer des Paragraphen), überrascht, wie modern die Inszenierung von 1919 noch im Jahr 1927 gewirkt haben muß. Conrad Veidt zeigt sich zur Entstehungszeit von DAS CABINET DES DR. CALIGARI unzweifelhaft von dieser Welt. Er ist als Homosexueller überaus glaubhaft, gerade weil er jede Tuntigkeit vermeidet und durch eine, auch im immensen Spektrum dieses Schauspielers noch überraschende Individualität ersetzt: ANDERS ALS DIE ANDERN nennt es der Titel. Veidt verwandelt es in eine unbezwingbare Körperlichkeit. Seine Distanziertheit bei gleichzeitiger innerer Zerrissenheit, die er gegenüber dem Erpresser einnimmt, ist meisterhaft. Die vielleicht eindrucksvollste Szene aber ist eine hoche xpressive Einstellung, in der der Liebhaber Kurt nach dem Kampf mit dem Erpresser zu Veidt emotional auf Distanz geht: Nur im Gesicht spielt sich dieser Prozeß des inneren Treuebruchs ab, der durch den äußeren Schock ausgelöst worden ist: ein leichtes Verhärten, unmerklich für den Partner und doch bereits endgültig. Obwohl das an einem authentischen Fall orientierte Drehbuch äußere Melodramatik komplett vermeidet, überzeugt der Film gerade durch seine Emotionalität ­ eine Qualität, die diesen Film weit über den Status als Aufklärungsfilm hinaus interessant macht als frühes Beispiel des Kammerspielfilms."
Daniel Kothenschulte, in: Lexikon des internationalen Films; München 2001


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