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das geheimnisvolle haus (LA MAISON DU MYSTERE) |
Frankreich 1923
Regie: Alexander Wolkoff
Drehbuch: Alexander WolkoffIwan Mosjukinnach dem Roman von Jules Mary
Kamera: Nicolas Toporkoff, Joseph-Louis Mundviller, Bourgassoff
Darsteller: Iwan Mosjukin, Charles Vanel, Hélène Darly, Nicolas Koline, Vladimir Strijiewski, Jane Munier, Simone Genevois, Francine Mussey
Produktion: Films Albatros, Paris
Premiere: 23.3.1923 (Teil 1)
Format: 35 mm
Länge: 8.721 Meter, 476 Minuten (16 Bilder/sec)
1. Abend: Teile 1-3 145 Minuten
2. Abend: Teile 4-7 177 Minuten
3. Abend: Teile 8-10 154 Minuten
Farbe: teilweise viragiert
Zwischentitel: französischmit deutscher Übersetzung
Musikalische Begleitung: Gabriel Thibaudeau
Das aufwendigste Projekt der Exil-Russen im Paris der 20er Jahre: Ein Abenteuer-Serial nach amerikanischen Vorbild, aber nicht auf B-Picture-Niveau, sondern als aufregend modernes Kino mit großem Star-Ensemble, luxuriöser Ausstattung und in eleganter Inszenierung. Es ist eine Geschichte um eine große Liebe, einen Mord aus Eifersucht und Iwan Mosjukin als unschuldig Verfolgtem auf der Flucht, der in Dutzende verschiedener Masken schlüpfen muss.
Aus dem letzten, gut konstruierten Roman von Jules Mary hat Monsieur A. Wolkoff ein erstklassiges Drehbuch mit einer wunderbaren Découpage hergestellt. Die Handlung ist hochdramatisch, die Spannung läßt keinen Augenblick nach, ohne daß der Film dabei jemals unwahrscheinlich oder banal wirkt. Vor dem Hintergrund wunderschöner Landschaften mit gleißenden Gewässern kommen die Figuren aufs beste zur Geltung.
Es gibt in diesem Film einfach alles: Traurigkeit und moralische Pein, schwindelerregende Peripetien, eine fesselnde Handlung, eine gelungene Mischung aus Schurken und aufrechten Menschen: alles, was es braucht, um den Zuschauer zu fesseln und ihn in ein Wechselbad der Gefühle zu tauchen. Bleibt anzumerken, daß einige Szenen einen künstlerisch-innovativen Anspruch haben, den das Kino noch nicht gewöhnt ist. Monsieur Wolkoff stammt aus dem Land von Caran d'Ache.*
Die Kompositon der Bilder und das Licht sind sorgfältig geplant. Zum ersten Mal sieht mal die Silhouetten der Darsteller im Gegenlicht. Bisweilen sind ganze Einstellungen, vor einem Hintergrund unterschiedlicher Grautöne, nach diesem Prinzip gestaltet. Angeblich wurde der Dekor teilweise rekonstruiert - ganz so, wie es früher die Landschaftsmaler praktizierten.
Georges-Michel Coissac, in: Cinéopse (undatiert)
Julien Villandrit ist Besitzer des Schlosses und der Textilwerke der "Basses-Bruyères", welche von seinem Jugendfreund Henri Corradin geleitet werden. Julien ahnt nicht, daß Henri sein Rivale um die Gunst von Régine de Bettigny ist. Diese erwählt Julien, und in seinem eifersüchtigen Haß kennt Corradin nur noch ein Ziel: das Paar ins Verderben zu stürzen. So flüstert er Julien ein, Régine unterhalte ein Verhältnis mit dem Bankier Marjory. Julien läßt sich blenden, und zwischen ihm und Marjory kommt es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung. In seiner Bedrängnis enthüllt Marjory ihm den Grund seiner Besuche bei Régine, verpflichtet Julien gleichzeitig aber zu Stillschweigen. Als man kurze Zeit danach die Leiche des ermordeten Marjory entdeckt, wird Julien des Verbrechens beschuldigt und verhaftet. Der Holzfäller Rudeberg, ein Photoamateur, hat den Mord zwar photographiert und könnte Julien entlasten, wird von dem wahren Mörder jedoch für sein Schweigen bezahlt und überläßt Julien seinem traurigen Schicksal ...
Nach langen Jahren wartet Régine immer noch auf die Rückkehr ihres zur Zwangsarbeit verurteilten Gatten und widersteht Corradins beständigem Werben. In einem wagemutigen Abenteuer gelingt Julien die Flucht. Verkleidet wagt er es, sich seiner geliebten Tochter Christiane zu nähern, doch zunächst - wir schreiben das Jahr 1914 - hat ein jeder sein Teil zur Verteidigung des Vaterlandes beizutragen. Erst nach dem Krieg kann Julien unerkannt nach Beweisen seiner Unschuld suchen. Er sucht Arbeit bei einem Wanderzirkus, bis es ihm schließlich gelingt, sich unter falscher Identität von Corradin in seinem eigenen Werk anstellen zu lassen. Trotz der Jahre, die vergangen sind, erkennt die zu einem jungen Mädchen erblühte und mit Rudebergs Sohn Pascal in Liebe verbundene Christiane in dem armen Arbeiter ihren Vater und auch Régine beginnt, seine wahre Identität zu ahnen. Wird es Julien und seinen Freunden gelingen, seine Unschuld zu beweisen?
* Emmanuel Poiré, bekannter unter seinem Pseudonym Caran d'Ache, wurde 1859 in Moskau geboren und war einer der bekanntesten französischen Zeichner und Karikaturisten der Jahrhundertwende. Der Autor spielt an auf die zahlreichen russischen Emigranten im Paris der zwanziger Jahre, zu denen auch die Truppe um Iwan Mosjukin und die von Exilrussen gegründete Produktionsgesellschaft Albatros gehörten. [zurück zum Text]