|
| ||
friedrich schiller - eine dichterjugend |
Deutschland 1923
Regie: Curt Goetz
Drehbuch: Curt Goetz, Max Kaufmann
Kamera: Otto Tober, Hans Scholz
Darsteller: Theodor Loos, Albert Steinrück, Betty Heermann, Max Pategg, Ilka Grüning, Hans Carl Müller, Erich Walter, Martin Gier, Walter Kaesing, Gottfried Krauss, Robert Leffler, Egmond Richter, Berta Monnard, Heilo Boehlen, Rudolf Klein-Rohden, Kitty Aschenbach, Paul Bildt, Philipp Manning, Ernst Legal, Wilhelm Diegelmann
Produktion: Götz Film-Compagnie GmbH
Premiere: 23.3.1923
Archiv: Filmmuseum München
Farbe: mehrfarbig viragiert
Länge: 101 Minuten (DigiBeta)
Zwischentitel: deutsch
Musikbegleitung: Joachim Bärenz
Das Regiedebüt des 33jährigen Curt Goetz, der mit seinem Schillerfilm frischen Wind in das Genre der Filmbiographie brachte. Gedreht wurde an den Stuttgarter Originalschauplätzen, die Zwischentitel sind schwäbisch, und eingeblendete Originalschriftstücke suggerieren Authentizität. Der Film ist angenehm ungezwungen und unpathetisch, der Dichter wird ganz selbstverständlich vom Sockel geholt, auf den ihn das Bildungsbürgertum einst hievte. Die Biographie im neuen Medium Film macht es möglich: vor der Kamera wird der Mensch hinter seinem eigenen Mythos sichtbar.
Die Goetz-Film-Gesellschaft hat mit diesem Film versucht, die Jugend Schillers bis zu seiner Flucht mit dem Musiker Streicher darzustellen, und man kann wohl sagen, daß ihr dieser Versuch recht gut gelungen ist. Die Regie von Curt Goetz meisterte vollkommen den an und für sich recht schwierigen Stoff, vermied es, allzu ausführlich zu werden, und gab dafür prinzipiell zwar bedeutungslosere, für den Dichter aber charakteristische Einzelheiten. Theodor Loos gab eine Iebensechte Studie Schillers, Hermann Vallentin in scharfer Charakteristik den Herzog Karl Eugen von Württemberg, den herrischen Tyrannen, gegen den Die Räuber gerichtet waren. - Alles in allem ein Film, der nicht nur geeignet ist, ein treffendes Bild aus Schillers Jugendzeit zu übermitteln, sondern auch filmkünstlerisch des Reizes nicht entbehrt.
Lichtbild-Bühne, 7.4.1923
Ein Schiller-Film - ich fürchtete Apotheosen, lebende Bilder, Pathos im Text und im Arrangement. Statt dessen haben die Textverfasser Curt Götz und Max Kaufmann und besonders Curt Götz als Regisseur einen anderen Ausweg gewählt: den des humoristisch-anekdotischen Volksfilms ... Curt Götz ist geschmackvoller als der ganze Regiestab des FRIDERICUS-REX-Filmes. Curt Götz versucht gar nicht, Schiller zu pathetisieren. Er verläßt sich auf den Humor. Dieser mag manchmal billig sein - er ist aber meistens leicht und optisch wirksam. Der Film mag in Genrebilder zerfallen - diese sind aber oft mimisch reizend erfunden. (Wenn Schiller sich zum Beispiel im Schlaf nach der Räuber-Uraufführung in Mannheim plötzlich aus dem Bett erhebt und sich in Erinnerung an den Beifall verbeugt.)
Herbert Ihering, in: Berliner Börsen-Courier, 1923