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FOOLISH WIVES |
USA 1922
Regie: Erich von Stroheim
Drehbuch: Erich von Stroheim
Kamera: Ben Reynolds, William Daniels
Darsteller: Erich von Stroheim, Maude George, Mae Busch, Rudolph Christians, Robert Edeson, Miss Dupont, C. J. Allen, Cesare Cravina, Malvine Polo, Louis K. Webb, Dale Fuller, Edward Reinach, Nigel de Brulier, Mar y Philbin,
Produktion: Universal Pictures Corp.
Premiere: 11.1.1922 (New York)
Archiv: Filmmuseum München
Farbe: schwarz weiß
Länge: 2928 m, 143 min., 18 B/s
Das Titelfoto im Seitenkopf wurde editiert und weicht vom Original ab
Eines der Hauptwerke von Erich von Stroheim, in dem der für seine Exzentrik bekannte Filmemacher und Schauspieler zum ersten Mal alle Produktionsbudgets sprengte und sich heftigen Schnittauflagen der Zensurbehörden ausgesetzt sah. Stroheim selbst spielt einen dekadenten Schwindler, der sich im Monte Carlo der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg als Graf ausgibt und von Betrügerein und Liebschaften mit reichen Damen lebt. Von FOOLISH WIVES sind nur verstümmelte Kopien erhalten geblieben. Das American Film Institute hat den Film aus verschiedenen Filmmaterialien und Fragmenten so weit wie möglich rekonstruiert, so daß er heute fast wieder in seiner ursprünglichen Länge vorliegt.
"Wenn ich Kino mache, dann ist zum großen Teil Stroheim daran schuld. Der erste Film, den ich von ihm sah, war FOOLISH WIVES. Ich brauchte mehrere Male, bis ich verstand, daß das Monte Carlo, das auf der Leinwand erschien, sozusagen das kleine Städtchen darstellen sollte, das ich so gut kannte: eine häßliche Stadt mit einem lächerlichen Park und einem Casino im Zuckerbäckerstil. Stroheims Monte Carlo hingegen war faszinierend. Ich zog den Schluß, daß das echte Monte Carlo im Unrecht war. Stroheim hat mich viele Dinge gelehrt. Die wichtigste seiner Lehren ist vielleicht die, daß die Wirklichkeit nur dann einen Wert hat, wenn sie umgesetzt wird. Anders gesagt, ein Künstler existiert erst dann, wenn es ihm gelingt, seine eigene Welt zu erschaffen."
Jean Renoir (1958), in: Maurice Bessy: Erich von Stroheim; München 1985
"Während im Ersten Weltkrieg zigtausende junger Männer sinnlos niedergemetzelt wurden, bevölkerte eine parasitäre Elite die Casinos der Riviera. In seinem ersten wirklich herausragenden Film bezieht sich Stroheim auf diesen historischen Kontrast: eine Dame läßt in einem eleganten Restaurant ihre Tasche fallen; der neben ihr sitzende Offizier hebt sie nicht auf, weil er keine Arme mehr hat.
Stroheim zeichnete ein Milieu, das er zugleich abstoßend und faszinierend fand. Und er schuf ein Werk, das wegen des Nonkonformismus seiner Thematik, seiner psychologischen Tiefe, der Kühnheit seines Entwurfs, seiner formalen Brillanz und seines vehement realistischen, sexuell aufgeladenen Stils besticht."
Adam Garbicz / Jacek Klinowski: Cinema, the Magic Vehicle; Metuchen 1975