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das eskimobaby

Programm: Bonn 2006 Druckversion Festival-Archiv

Deutschland 1918

Regie: Walter Schmidthässler

Drehbuch: Louis Levy, Martin Jörgensen

Kamera: Carl Fischer

Darsteller: Asta Nielsen, Freddy Wingardh

Produktion: Neutral-Film GmbH, Berlin

Premiere: 4.4.1918

Format: 35 mm

Länge: 1.125 Meter, 62 Minuten (16 Bilder/sec)

Farbe: schwarzweiß

Zwischentitel: deutsch

Musikalische Begleitung: Joachim Bärenz & Günter A. Buchwald

Asta Nielsen, die große Filmdiva des Kinos der 10er Jahre, wurde mit ihren Melodramen berühmt, ließ sich in ihren Verträgen aber immer zusichern, daß sie auch Komödien drehen durfte. In DAS ESKIMOBABY kommt sie als Mitbringsel des Polarforschers Knud Prätorius nach Berlin und muß dort die gesellschaftlichen Umgangsformen erlernen. Schon allein die Küsse der Eskimos sind anders als die der Menschen in der Stadt ...

Besprechungen

1918 hatte in Berlin der erste Spielfilm Premiere, der sich mit grönländischer Kultur auseinandersetzte. In DAS ESKIMOBABY geht es, kurz gesagt, um die Konfrontation einer zivilisierten, großbürgerlichen Gesellschaft mit einem indigenen Wesen. Der Grönlandforscher Knud bringt die Eskimofrau Ivigtut, in die er sich verliebt hat, mit nach Europa. In der neuen Umgebung verhält sich die Grönländerin aus Sicht des Films kindisch, unzivilisiert und merkwürdig: Sie spielt mit der Notbremse des Zuges, sie ißt mit Fingern, sie schläft auf dem Fußboden, sie lächelt Fremde nur an, statt ihnen die Hand zu geben, sie küßt ihren Liebsten nicht, sondern drückt ihre Nase auf die seine. Der Stummfilm nimmt zeitgenössische gesellschaftliche Begebenheiten auf und macht sich damit quasi zum filmischen Feuilleton. Knud Rasmussen hatte einige Jahre zuvor tatsächlich einen Grönländer, Osarkrak, mit nach Kopenhagen gebracht, über den ähnliche Kulturkontakt-Geschichten kursierten, wie sie DAS ESKIMOBABY erzählt. Nicht nur die Szenen sind komödiantisch, auch die Kostümierung ist es: Längst hatte eine folkloristische Perspektive das Thema des Fremden eingeholt. Die Ironie lag darin, daß das zeitgenössische Publikum die Konstruktion durchschauen und die bekannte Asta als fremde Grönländerin erkennen sollte.

Susanne Regener: Mediale Taxidermie; www.susanne-regener.de

Mir fällt ein, daß ich sie vor Jahren in einem Lustspiel sah, DAS ESKIMOBABY. Das war so lustig, so voller Pointen und graziösen Witzes -- nicht das Stück, das war schwach -aber ihr Spiel. Ich erinnere Frau Nielsen daran. "Ja", sagt sie, "ich weiß wohl. Ich habe mit viel Vergnügen gespielt, denn es macht mir Spaß, etwas Lustiges zu spielen."

Martin Proskauer, in: Film-Kurier, 30.7.1920




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