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das ende von sankt petersburg (KONETS SANKT-PETERBURGA) |
UdSSR 1927
Regie: Wsewolod PudowkinMichail Doller
Drehbuch: Nathan Sarchi
Kamera: Anatoli Golownja
Darsteller: Iwan Schuwelew, Alexander Tschistjakow, Vera Baranowskaja, Sergej Komarew, Wladimir Fogel, Wsewolod Pudowkin, Aleksei Dawor, Alexander Gromow, Nikolai Khmeliow, V. Obolenski, Max Tereshkowitsch, Viktor Tsoppi, M. Tsybulsky
Produktion: Meschrabpom, Moskau
Premiere: 13.12.1927
Format: 35 mm
Länge: 1.940 Meter, 106 Minuten (16 Bilder/sec)
Farbe: schwarzweiß
Zwischentitel: russisch mit deutscher Übersetzung
Musikalische Begleitung: Aljoscha Zimmermann
Ein russischer Bauernbursche kommt auf der Suche nach Arbeit ins zaristische Sankt Petersburg und wird als Soldat im Krieg zum bewußten Bolschewik, der an der Revolution teilnimmt. Der zum zehnten Jahrestag der Oktoberrevolution hergestellte große Klassiker des russischen Stummfilms verwendet geschickt alle Stilmittel der Bildgestaltung und Montage, um die gesellschaftlichen Widersprüche und historischen Ereignisse nachvollziehbar zu machen.
Aus der revolutionären Haltung heraus empfängt alles, was im Film erscheint, seine Bestimmung. Wie ist die Hohlheit der Prunkgebäude durchschaut, die den Machthabern dienen! Ein antiker Giebel braucht nur aufzutauchen, um sofort gerichtet zu sein. Als Hauptsymbol der Oberklasse dient das große Reiterstandbild, das immer wieder von oben und unten, von rechts und links erscheint. Es triumphiert und es glänzt, und zu seinen Füßen spielt das Elend sich ab. Auch die Hinterhöfe und die Mietskasernen reden unmittelbar. Durch die Perspektive, durch die Belichtung und den Bildausschnitt sind sämtliche menschlichen Manifestationen bis ins Mark hinein getroffen.
Wie die Gebäude, so stehen sich die Bevölkerung und die Vertreter der Herrenschicht einander gegenüber. Über die unerhörte Auswahl der Typen ist kein Wort mehr zu verlieren. Jede Figur ist wirklich, scheint nicht zu spielen, sondern zu sein. Die Darstellung ist umso gewaltiger, als auf die leichte Wirkung verzichtet wird, die Männer der Gegenseite - den Fabrikanten, einen Offizier und Bürger -, zu eindimensionalen Karikaturen herabzuwürdigen. George Grosz hat es sich seinerzeit bequemer gemacht als die Russen, die unter allen Umständen realistisch bleiben.
Inmitten der rasch wechselnden Impressionen, die der Gleichzeitigkeit des Geschehens Ausdruck verleihen, werden gewisse Motive wiederholt: außer dem Reiterstandbild das große Schwungrad und die Fanfarenbläser. Diese Leitmotive verknüpfen das Gewebe und weisen die Richtung. Eines der herausragendsten Ausdrucksmittel ist der Raum. Die Magie des Winterpalais, die Schrecklichkeit einer Straße, die Vergessenheit eines Häuserblocks sind noch kaum je erblickt worden.
Siegfried Kracauer, in: Frankfurter Zeitung, 30.3.1928