Standort: oberste Gliederungsebne Bonner Kinemathek - Unterverzeichnis Internationale Stummfilmtage - aktuelle Seite LAVEATA TIETÄ (DER EINFACHE WEG)
LAVEATA TIETÄ
DER EINFACHE WEG
Finnland 1931 - Regie: Valentin Vaala - Drehbuch: Valentin Vaala - Kamera: Oscar Lindelöf - Ausstattung: John Tivtits - Darsteller: Theodor Tugai (= Teuvo Tulio), Eeva Virtanen, Alli Riks, Kaarlo Penttilä, Hanna Taini, Väinö Kangas, Yven Troupp, Kirski Hamaravuori - Produktion: Fennica-Filmi - Premiere: 12.4.1931 (Helsinki) - Archiv: Finnish Film Archive - Farbe: mehrfarbig viragiert - mit finnischen und schwedischen Zwischentiteln - Länge: 2.645 m, 96 min. bei 24 B/s
Seite 1 2


Bild vergrößern in neuem Fenster


DER EINFACHE WEG war ein gelungener Film des Regisseurs Valentin Vaala mit dem Darsteller Theodor Tugai (alias Teuvo Tulio), der später selber ein guter Melodramenregisseur wurde. Die Bedeutung des Films ist auf geradezu symbolische Art und Weise sowohl typisch finnisch als auch europäisch. Der Film zeigt uns Finnlands schneebedeckte Berge und glänzend weißen Skigebiete, daneben aber auch Bilder aus der Metropole: Autos, die durch nächtliche Straßen flitzen, Räume im Art déco-Stil, krass modernistischen Dekor und europäischen Kosmopolitismus (zum Höhepunkt des Films hält sich der Held in Paris auf). Selbst das öffentliche Bad in Helsinki erinnert an römischen Bäder. Vielsagende Details sind eingebettet in die filmische Kraft der Fragmentierung und in eine Montage, die die Bedeutung eines jeden Moments wie mit einem Peitschenhieb unterstreicht. Es war das erste Mal, daß wir in Finnland eine Ahnung davon bekamen, was für ein modernes Kino draußen in der weiten Welt gemacht wurde.
(Peter von Bagh, in: Nordic Explorations: Film Before 1930 (Stockholm studies in cinema) Sydney 1999)

Zur englischen Originalfassung des Textes


Bild vergrößern in neuem Fenster Dreharbeiten


Valentin Vaala und Teuvo Tulio waren zwei junge und begeisterte Kinoliebhaber. Vaala liebte Lubitsch, Tulio wurde "der finnische Valentino" genannt. DER EINFACHE WEG, ihr dritter gemeinsamer Film, beweist ihr untrügerisches visuelles Gespür, aber auch ihre verhältnismäßig Oberflächlichkeit in der Personenzeichnung. Ihr Kino ist ein Kino der Attraktionen: die zeitgenössische Presse pries die Ausstattungen im Art déco-Stil, die nächtlichen Neonlichter und die glänzenden Saxophone als Neuerungen des finnischen Kinos. Wir lernen die stilvolle Yrjönkatu Sauna kennen und folgen unseren Freunden zu der Salpausselkä Skisprungschanze, an der erst kurz zuvor die ersten Skiweltmeisterschaften abgehalten worden waren.

Teuvo Tulio spielt seine übliche Rolle des unwiderstehlichen Verführers, der im Laufe des Films drei Frauen das Herz bricht. Er ist ein Starviolinist, der in Paris Erfolge feiert, am Heiligabend jedoch mit seiner inneren Leere konfrontiert wird. Der Titel des Films bezieht sich auf die Bibel: "Weit und breit ist der Weg, der ins Verderben führt." Es geht um jemanden, der die ganze Welt erobert, darüber aber seine Seele verliert.

Die Tonspur, die auf einem separaten Magnetband erhalten ist, enthält die Originalkompositionen von Tapio Ilomäki. Tanitas Motiv ist ein von Ilomäki komponierter Tango, Kristis Motiv basiert auf Chopins "Valse brillante", die auch den Beginn und den Schluß des Films begleitet. Bei Antons letztem Gang in die Nacht hören wir "Stille Nacht, heilige Nacht". Vaala wurde im folgenden der Hausregisseur der Suomi-Filmi Kompagnie, als der er es sowohl im Epos als auch in der Komödie zu Meisterschaft brachte. In seinen großstädtischen Gesellschaftskomödien steckt ein Glitzern und eine Verve, die mit George Cukor verglichen werden können. Tulio gab nach zwei weiteren Filmen die Schauspielerei auf und wurde unabhängiger Produzent und Regisseur von leidenschaftlichen Melodramen, die im Laufe der Jahre immer verrückter wurden. Selbst einem Mexikaner würden seine Filme Gänsehaut gemacht haben.
(Antti Alanen, in: Le Giornate del Cinema Muto Catalogo, Sacile 1999)

Zur englischen Originalfassung des Textes


Ihre Kommentare zu Film und Festival sind erwünscht: Forum Stummfilm
(Das Forum Stummfilm ist Teil des 'Forum Film' der Bonner Kinemathek, weitere Rubriken dort)
Die Fotos auf dieser Seite sind urheberrechtlich geschützt: Bildnachweis