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sein eigener mörder |
Deutschland 1914
Regie: Max Mack
Drehbuch: Richard Oswald nach seinem Theaterstück, basierend auf dem Roman 'The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde' von Robert Louis Stevenson
Darsteller: Alwin Neuß, Hanni Weisse, Lotte Neumann, Max Mack
Produktion: Vitascope GmbH, Berlin
Premiere: 6.12.1914
Archiv: Filmmuseum München
Farbe: mehrfarbig viragiert
Länge: 31 min (DigiBeta)
Zwischentitel: deutsch
Musikbegleitung: Joachim Bärenz (auf Tonspur)
Richard Oswalds Drehbuch beruht auf seinem eigenen Theaterstück, das wiederum den "Dr. Jekyll und Mr. Hyde"-Roman von Robert Louis Stevenson zum Vorbild nimmt. Wohl um Zensur und Publikum nicht zu verunsichern, webt Oswald eine Rahmenhandlung um die phantastische Geschichte des schizoid halluzinierenden Wissenschaftlers, die das unheimliche Geschehen und den beunruhigenden Persönlichkeitsverlust zu einem schweren, aber glücklich überstandenen Traum verklärt.
Eine Soiree der Hauptfigur, des amerikanischen Multimillionäres Fred Siles, bildet den Rahmen der Handlung. Siles ist ein Träumer und depressiver Grübler. Er will seine Verlobung mit der jungen Germaine lösen und reicht ihr den Ring zurück: "Nimm ihn zurück, die Rose braucht Sonne und Licht - an meiner Seite ist Kälte und Finsternis." Er leidet unter dem "Bewußtsein seiner eigenen Nichtigkeit ewigen Mächten gegenüber, und der Gedanke, niemals in die Mysterien der geheimen Kräfte der Natur eindringen zu können, lastet schwer auf ihm". Er forscht danach in seinem chemischen Labor und entdeckt ein Elixier, das ihn in einen anderen Menschen verwandelt. Aus dem jungen, ansehnlichen Forscher wird, als er es einnimmt, ein mißgestalteter Krüppel von animalischem Aussehen. Siles nutzt das Elixier, um "unerkannt unter den Menschen zu wandeln und zu sehen, welch ein Antlitz das Leben in jenen Schichten trägt, die so tief unter seiner Gesellschaftssphäre stehen". Das könnte auf einen Rollentausch als soziales Experiment, vielleicht auch als Flucht, als Abtauchen in den Untergrund gedeutet werden. Im Gegensatz zum Roman, wo Dr. Jekyll unterdrückte Triebwünsche auslebt, ist jedoch nicht erkennbar, was Siles hier eigentlich will. Kurzzeitig kehrt er in sein vornehmes Haus zurück. Doch er hat das Gegenmittel zu schwach dosiert, so daß er sich zurückverwandelt in den hässlichen Krüppel. Regisseur Max Mack hat die Verwandlung nicht durch einen Stopptrick, sondern durch einen schnellen Schnitt mit anschliessender Ersetzung der Figur gestaltet. Der Krüppel wird als Einbrecher angesehen und am nächsten Morgen, als Siles nicht wieder auftaucht, des Mordes verdächtigt. Er soll als sein eigener Mörder verhaftet werden ...
Jürgen Kasten in: Jürgen Kasten / Armin Loacker (Hg.), Richard Oswald; Wien 2005, Zitate aus dem Programmheft des Films