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jagd auf edelreiher (CHASSE A L'AIGRETTE EN AFRIQUE) |
Belgisch Kongo 1911
Regie: Alfred Machin
Drehbuch: Alfred Machin
Kamera: Julien Doux
Darsteller: Léontine Massart
Produktion: Pathé Frères, Paris
Premiere: 30.9.1911 (Berlin)
Format: 35 mm
Länge: 120 Meter, 7 Minuten (16 Bilder/sec)
Farbe: schwarzweiß
Zwischentitel: deutsch
Musikalische Begleitung: Aljoscha Zimmermann
Der belgische Regisseur und Tierfreund Alfred Machin unternahm für Pathé mehrere Reisen nach Zentralafrika, um dort sensationelle Filmaufnahmen zu machen. Seine zweite Serie, jagdszenen aus afrika, war ein großer Erfolg. Machins Film über die Jagd auf Edelreiher ist ein engagiertes Plädoyer für den Naturschutz, das vehement gegen die Tötung dieser Tiere allein für den Federschmuck europäischer Damenhüte eintritt.
Alfred Machin (1877-1929) ist ein Filmpionier, der erst in den letzten Jahren wiederentdeckt worden ist. Mit seinem Film MAUDITE SOIT LA GUERRE ! - VERDAMMT SEI DER KRIEG ! drehte er wenige Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs einen flammenden Antikriegsfilm, der mit seinen während der Dreharbeiten noch utopischen Szenen spätere Panzerangriffe vorwegnahm. Als Tierfreund unterhielt Alfred Machin in seinem Anwesen einen Privatzoo, dessen Tiere er immer wieder in seinen Filmen unterbrachte und mit denen er sich gerne fotografieren ließ.
1907/08 und 1910 unternahm Alfred Machin als Kameramann für Pathé ausgiebige Reisen durch Afrika. 1910 brachte er 10.000 Meter belichtetes Negativfilmmaterial mit, das Pathé bis 1913 in drei Serien herausbrachte: VOYAGE EN AFRIQUE - AUF REISE DURCH AFRIKA, LES GRANDES CHASSES EN AFRIQUE - JAGDSZENEN IN AFRIKA und VOYAGE EN EGYPTE - AUF REISE DURCH ÄGYPTEN. Die Filme dieser Serien wurden in ganz Europa vertrieben. In der Serie JAGDSZENEN AUS AFRIKA sehen wir heute noch beeindruckende Aufnahmen, in denen Eingeborene Nilpferde, Giraffen oder Panther erlegen. Mit selbstgebauten Teleobjektiven, Geduld und Wagemut gelang es Machin, sehr nah an wilde Tiere heranzukommen und Aufnahmen herzustellen, die man so noch nie gesehen hatte. Machins Position geht über die Rolle des neutralen Beobachters oft hinaus. In JAGD AUF EDELREIHER führt er aus, daß das Abschlachten der Reiher nur deshalb geschieht, weil ihre Federn die Hüte der vornehmen Damen in Europa schmücken. Der Film hält seinem Publikum den Spiegel vor, und die Dame mit Federhut, die zu Ende des Films bildfüllend zu sehen ist, weiß vor lauter Unsicherheit gar nicht, ob sie lächeln soll oder nicht.
Stefan Drößler